Fotostrecke

Fotostrecke: Unruhen erzwingen Evakuierung

Foto: Daniel C. Braun/ dpa

Heftige Kämpfe Bundeswehr evakuiert Deutsche aus Südsudan

Kurz nach Amtsantritt der neuen Verteidigungsministerin startet die Bundeswehr eine heikle Mission. Die Luftwaffe soll nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen alle Deutschen aus der Krisenregion rund um Juba im Südsudan ausfliegen. Dazu wurde eine Transall-Maschine aus dem Mali-Einsatz abgezogen.

Berlin - Nach der Eskalation der Gewalt im Südsudan soll die Bundeswehr eine Gruppe von rund 50 Deutschen aus der Krisenregion rund um die Stadt Juba ausfliegen. In einer Krisenrunde am Mittwochabend entschieden das Auswärtige Amt (AA) und das Wehrressort nach Informationen von SPIEGEL ONLINE, dass eine Transall der Luftwaffe umgehend in Richtung Südsudan aufbrechen soll, um die Deutschen und andere Europäer aus Juba auszufliegen.

Gerade erst im Amt, wurde die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen seit ihrer Vereidigung am Dienstag mehrmals über die heikle Lage im Südsudan und die Planungen für die Evakuierung der Deutschen unterrichtet. Die Mission, offiziell als diplomatische Evakuierung mit militärischer Hilfe bezeichnet, soll nun so schnell wie möglich starten. Am Vormittag sollen ausgewählte Abgeordnete des Bundestags informiert werden.

Insgesamt sollen zwei Flugzeuge der Bundeswehr die Deutschen außer Landes bringen: eine Transall und eine Maschine vom Typ Global 5000. Eine der Transall-Maschinen, die die Stabilisierungsmission der afrikanischen Union in Mali in Westafrika unterstützen, ist bereits in Richtung Südsudan unterwegs. Das Flugzeug soll noch an diesem Donnerstag in Juba eintreffen. Die Propellermaschinen der Luftwaffe sind zwar recht alt, gelten aber als äußerst zuverlässig und können auch auf nicht befestigten Pisten landen. Zudem sind sie gegen mögliche Angriffe mit Boden-Luft-Raketen geschützt.

Auch ein sogenanntes Krisenunterstützungsteam wird vor Ort sein: Diese Gruppe von Soldaten soll die Botschaft technisch bei der Evakuierung unterstützen.

Hunderte Tote im Südsudan

Zuletzt hatte die Bundeswehr im Jahr 2011 während des Libyen-Kriegs bei der Operation "Pegasus" eine Gruppe von Deutschen aus dem Süden des Landes evakuiert. Die aktuelle Mission wird jedoch weit weniger dramatisch ablaufen. Dem Vernehmen nach ist der Flughafen in der Stadt Juba, dort sind sowohl die Uno-Helfer als auch die internationalen Militärbeobachter stationiert, wieder geöffnet und kann regulär angeflogen werden.

Wegen anhaltender Kämpfe, bei denen in den vergangenen Tagen bis zu 500 Menschen getötet worden waren, hatte das AA Anfang der Woche wie die meisten anderen westlichen Nationen alle Staatsbürger aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen. Bereits am Mittwoch hatten die USA 150 ihrer Bürger aus Juba ausgeflogen.

In Juba toben seit dem Wochenende bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Truppenteilen der Armee. Die Kämpfe zwischen Truppen, die Präsident Salva Kiir gegenüber loyal sind, und Soldaten, die einen Oppositionsführer unterstützen, eskalierten seitdem. Mehrere tausend Menschen suchen Schutz auf dem Gelände der Uno-Friedensmission (Unmiss) nahe dem Flughafen. Kiir hatte am Montag von einem vereitelten Putsch gesprochen. Die Regierung habe die Sicherheitslage in Juba "vollständig unter Kontrolle".

Der Südsudan, der im Jahr 2011 durch die Abspaltung vom Sudan seine Unabhängigkeit erlangte, gilt als instabil und unterentwickelt. In Juba sind seit Jahren Uno-Truppen zur Stabilisierung der Lage eingesetzt, dort sind derzeit auch 16 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Ob auch sie mit der nun begonnenen Evakuierungsmission ausgeflogen werden, ist noch unklar. Die Krise in Juba verzögerte auch die Rückreise des Befehlshabers der Bundeswehr, Generalleutnant Hans-Werner Fritz, der sich aktuell auf einem Truppenbesuch in dem Krisenland befindet. Ursprünglich wollte der Chef des Einsatzführungskommandos bereits vor drei Tagen ausfliegen, wegen der Lage verzögerte sich der Rückflug.

Fritz ist jedoch nicht in Juba, sondern im rund 600 Kilometer entfernten Malakal im Norden des Südsudan. Er und seine zehnköpfige Delegation seien in Sicherheit, hieß es in der Truppe.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.