Hungersnot im Südsudan "Komplett abgebrannt"

Zerstörte Dörfer, fliehende Familien, traumatisierte Kinder: Eine Uno-Mitarbeiterin berichtet Beklemmendes aus dem Südsudan. Knapp sechs Jahre nach der Unabhängigkeit steht das Land vor einer Katastrophe.

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Im Südsudan stehen fast eine Million Menschen vor dem Hungertod, für Zehntausende von ihnen könnte schon bald jede Hilfe zu spät sein. Eine Mitarbeiterin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hat die betroffenen Gebiete des afrikanischen Landes besucht - und berichtet Erschütterndes. "Viele Kinder hier sind traumatisiert, sie haben Dinge gesehen, die niemand je erleben sollte", sagt Uno-Mitarbeiterin Angela Griep. "Wenn sie ihre Geschichten erzählen und weinend um Hilfe bitten, bricht es einem das Herz, weil man sich fragt, ob sie wohl je über das Erlebte hinwegkommen werden."

Nach einem Besuch in Thonyor in einem schwer zugängigen Teil des Bundesstaats Unity berichtet Griep: "Man sah noch Quadrate am Boden, wo einst kleine Lehmhütten gestanden haben, aber keine der Hütten existiert mehr, alles ist komplett abgebrannt". Helfer können diese Gebiete wegen der prekären Sicherheitslage meist nur per Hubschrauber erreichen. Immer wieder müssten sie evakuiert werden, weil neue Kämpfe ausbrechen.

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Hungersnot im Südsudan: Zwietracht, Dürre, Tod

Im ganzen Land sind nach Uno-Angaben rund fünf Millionen Menschen - fast die Hälfte der Bevölkerung - auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Seit Mitte Februar herrscht in Teilen von Unity offiziell eine Hungersnot - die weltweit erste seit mehr als fünf Jahren. Helfer gehen davon aus, dass sich die Situation bis zur Jahresmitte weiter zuspitzen wird.

Wann wird aus einer Hungerkrise eine Hungersnot?
    Laut Uno herrscht eine Hungersnot, wenn...
...mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind
...pro Person täglich weniger als vier Liter Wasser zur Verfügung stehen
...die Menschen kaum Zugang zu Nahrungsmitteln haben und sehr viel weniger als die benötigten 2100 Kilokalorien täglich zu sich nehmen
...ein großer Teil der Bevölkerung die gesamte Lebensgrundlage verloren hat und keine Möglichkeit sieht, ein Einkommen zu erwirtschaften
...mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich an Nahrungsmittelmangel sterben
Quelle: Uno

Uno-Kommission berichtet von "ethnischen Säuberungen"

Auch dem Bürgerkrieg sind bereits Zehntausende Menschen zum Opfer gefallen. Die Kämpfe waren 2013 in dem ölreichen Südsudan ausgebrochen. Grund war ein erbitterter Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und dessen ehemaligem Stellvertreter, Riek Machar. Der Konflikt hat zunehmend ethnische Untertöne, da die beiden Widersacher zu unterschiedlichen Volksgruppen gehören. (Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.)

Die Uno-Kommission für Menschenrechte hat die Vorkommnisse im Südsudan sieben Monate lang untersucht - und zeichnet in ihrem Bericht ebenfalls ein schreckliches Bild. Zivilisten würden gezielt ausgehungert und bombardiert, heißt es. Verbrechen würden vor allem von Regierungstruppen, Mitgliedern des nationalen Sicherheitsdienstes, Polizisten und mit der Regierung verbündeten Milizen begangen.

Der Bericht beschreibt "ethnische Säuberungen". So seien im Januar Mitglieder der Schilluk-Volksgruppe aus ihren Dörfern vertrieben worden. "Mein Volk steht vor der physischen und kulturellen Ausrottung", sagt der Anführer der Schilluk in dem Bericht.

vks/sep/AP/dpa



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