Südsudan Mehr als 150 Tote am Tag der Unabhängigkeit

Am fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ist im Südsudan kein Frieden in Sicht: In der Hauptstadt gibt es nach blutigen Kämpfen wieder zahlreiche Tote. Das Auswärtige Amt rät von Reisen ab.

Journalisten liegen im Präsidentenpalast nach Schüssen auf dem Boden
DPA

Journalisten liegen im Präsidentenpalast nach Schüssen auf dem Boden


Seit genau fünf Jahren ist der Südsudan unabhängig. Doch der erhoffte Frieden bleibt aus. Bei Kämpfen zwischen der Armee des Südsudan und Angehörigen einer früheren Rebellentruppe sind nach Angaben eines Rebellensprechers mehr als 150 Menschen getötet worden.

In der Nähe des Präsidentenpalastes in Juba wurde am Freitagabend geschossen, wie örtliche Medien und die Vertretung der Vereinten Nationen in Juba berichteten. Es seien auch Einschläge von Granaten oder Mörsern zu hören gewesen.

Die tatsächliche Opferzahl könne noch höher liegen, sagte am Samstag Roman Nyari, ein Sprecher des früheren Rebellenführers und heutigen Vizepräsidenten Riek Machar, der Nachrichtenagentur AFP.

In die Leichenhalle des wichtigsten staatlichen Krankenhauses in der Hauptstadt Juba seien mehr als 90 Leichen von Soldaten und Zivilisten eingeliefert worden, teilte ein Arzt des Hospitals am Samstag mit. Die meisten seien männlich. Der Sender Radio Tamazuj sprach laut Nachrichtenagentur dpa von 109 Leichen im Krankenhaus.

Die Kämpfe sollen begonnen haben, während Präsident Salva Kiir sich mit seinem Stellvertreter, dem früheren Rebellenführer Riek Machar, traf. Die beiden traten am Abend vor die Presse und forderten alle Parteien zur Zurückhaltung auf, wie der Radiosender EyeRadio Juba berichtete. Am späten Abend sei wieder Ruhe eingekehrt, teilte die Uno-Mission im Südsudan (Unmiss) über Twitter mit. Armeesprecher Lul Ruai Koang sagte, die Lage habe sich wieder normalisiert.

Berlin und London geben Reisewarnungen heraus

Als Reaktion auf die Gewalt gaben die Regierungen in Berlin und London Reisewarnungen heraus. "Von Reisen nach Südsudan wird derzeit dringend abgeraten", heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes. Auch London riet von Reisen in den Südsudan ab und forderte seine Bürger, die sich im Südsudan aufhalten, auf, das Land nach Möglichkeit zu verlassen.

Der Südsudan war am 9. Juli 2011 nach einem mehr als 20-jährigen Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig geworden. Rund zwei Jahre danach war ein blutiger Machtkampf zwischen Kiir und Machar ausgebrochen. Seitdem wurden bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den von Machar geführten Rebellen Zehntausende Menschen getötet. Fast drei Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben, fünf Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Die verfeindeten Parteien unterzeichneten schließlich ein Friedensabkommen und bildeten im April eine Einheitsregierung. In jüngster Zeit kam es aber erneut zu Kämpfen. Die für Samstag geplanten Feiern der Unabhängigkeit am 9. Juli 2011 wurden wegen Geldmangels abgesagt.

kry/AFP/dpa

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