Südsudan Schüsse vor dem Präsidentenpalast

Die Unabhängigkeit des Südsudan jährt sich zum fünften Mal - am Tag vor dem Jubiläum fallen Schüsse in der Hauptstadt Juba. Experten warnen vor einer Eskalation.

Kampfjet als Kinderspielplatz in Juba, Südsudan
AFP

Kampfjet als Kinderspielplatz in Juba, Südsudan


Am Vortag des fünften Jahrestages der Unabhängigkeit des Südsudan sind nahe des Präsidentenpalast in der Hauptstadt Juba Schüsse gefallen.

Zeugen berichteten von Schusswechseln. Einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP zufolge wurden neben Schusswaffen auch Artilleriegeschütze eingesetzt. Später beruhigte sich demnach zwar die Lage am Präsidentenpalast, in der Stadt waren aber weiter Schüsse zu hören.

Im Palast hielten sich zu dem Zeitpunkt Präsident Salva Kiir und sein Stellvertreter Riek Machar für eine Pressekonferenz auf. Sie wollten eine Erklärung zu Schusswechseln am Vortag in der Hauptstadt abgeben, bei denen fünf Soldaten von Rebellen getötet wurden. Kiir sagte, er könne nichts über die aktuellen Geschehnisse sagen.

Der Südsudan, der sich im Juli 2011 nach einem mehr als 20-jährigen Bürgerkrieg vom Sudan gelöst hatte, kommt nicht zur Ruhe: Ende 2013 war ein Machtkampf zwischen Kiir und Machar eskaliert. Seitdem wurden bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den von Machar geführten Rebellen Zehntausende Menschen getötet. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben.

Seit April regieren die früheren Kriegsgegner das Land in Einklang mit einem Friedensabkommen von 2015 wieder gemeinsam. Milizen in vielen Landesteilen kämpfen jedoch weiter gegeneinander und auch die Truppen Kiirs und Machars geraten in der Hauptstadt immer wieder brutal aneinander.

Die International Crisis Group, eine belgische Nicht-Regierungs-Organisation für Friedenssicherung, appellierte an die Konfliktparteien, sich erneut zum Friedensvertrag von 2015 zu bekennen, abzurüsten und sich für Versöhnung einzusetzen. Wenn sich nicht bald Substanzielles ändert, breche wieder ein echter Krieg aus, so die Experten.

cht/AFP/AP

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