Gräuel im Südsudan Blauhelme sollen Massenvergewaltigungen zugelassen haben

Südsudans Militär soll geplündert, vergewaltigt und getötet haben. Die Uno-Soldaten in der Nähe taten angeblich: nichts. Die Vorwürfe sollen nun von den Vereinten Nationen untersucht werden.

AP

Massenvergewaltigungen, Plünderungen und Morde - die Gewalt im Südsudan ist wieder aufgeflammt. Laut Menschenrechtsorganisationen haben Soldaten der Regierung bereits am 11. Juli einen Wohnkomplex in der Hauptstadt Juba angegriffen. Dabei sollen sie mehrere Mitarbeiter internationaler Organisationen und Zivilisten vergewaltigt haben, teils mehrfach.

Human Rights Watch (HRW) berichtet außerdem, dass die Soldaten der nahen Uno-Mission (Unmiss) trotz zahlreicher Hilferufe nicht handelten. Der britische "Guardian" beruft sich auf die Nachrichtenagentur AP und nennt Details des Vorgangs: Demnach seien mehrere Helfer vergewaltigt, ausgeraubt und geschlagen worden. Ein Lokaljournalist sei getötet worden.

Der Angriff auf das Camp habe fast vier Stunden gedauert, schildert der "Guardian". "Er sagte mir, ich müsse Sex mit ihm haben, sonst müsste ich Sex mit allen anderen Soldaten haben - also hatte ich keine Wahl", zitiert das Blatt eine Überlebende, die mehrfach vergewaltigt wurde.

Soldaten hätten sich bei den Massenvergewaltigungen gegenseitig angefeuert, sagte eine Augenzeugin. Bei einer versuchten Vergewaltigung habe ein südsudanesischer Soldat eine Frau mit seiner Waffe geschlagen. Ein weiterer habe eine Kugel abgefeuert, die neben ihrem Kopf einschlug.

Bewohner des Lagers seien auch geschlagen worden, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf HRW. Dabei hätten die Soldaten nach ihren Nationalitäten gefragt. Satellitenschüsseln, Fernseher, Geld, Kleidung, Nahrungsmittel, Computer und Alkoholika seien geraubt worden.

Laut einer Recherche der AP wurden hohe Beamte der Unmiss-Mission zwar telefonisch alarmiert. Auch Textnachrichten hätten sie während des Angriffs aus dem Lager erreicht, ein Mensch konnte zur Unmiss fliehen. Doch trotz Dutzender Hilferufe wurde keine Hilfe geschickt, wie laut AP interne Uno-Dokumente belegen.

Diese schweren Vorwürfe unterlassener Hilfeleistung gegen die Blauhelmtruppen will Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nun untersuchen lassen. Wegen der Schwere der Vorfälle in Juba solle die Ermittlung detailliert durchgeführt werden, erklärte ein Sprecher Bans.

Auch Samantha Power, die US-Botschafterin der Uno, sagte: "Wir sind sehr besorgt, dass Uno-Blauhelme offenbar nicht in der Lage oder unfähig waren, auf die Hilferufe zu reagieren."

In dem ostafrikanischen Krisenstaat sind derzeit rund 13.500 Blauhelme stationiert. Der Uno-Sicherheitsrat hatte in der vergangenen Woche beschlossen, etwa 4000 zusätzliche Soldaten in das Land zu entsenden. Gegen den erneuten Ausbruch der Gewalt im Juli erschienen die Soldaten machtlos - etwa 300 Menschen wurden dort innerhalb weniger Tage getötet.

Laut HRW zielten die Angriffe in der Hauptstadt auf Mitglieder anderer Ethnien, etwa der Nuer. Präsident Salva Kiir gehört zur Volksgruppe der Dinka. Sein Widersacher Riek Machar und dessen Anhänger sind Nuer.

"Ein Jahr nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags sterben Zivilpersonen, Frauen werden vergewaltigt, und Millionen Menschen haben Angst, in ihre Heimat zurückzukehren", erklärte der Afrikadirektor der Menschenrechtsorganisation, Daniel Bekele. Die Vereinten Nationen müssten endlich mit einem strikten Waffenembargo und gezielten Sanktionen helfen, den Konflikt zu beenden, so Bekele.

vek/dpa



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