Südsudan unter Beschuss Sudans Luftangriff auf Flüchtlingslager empört Uno

Im Juli wurde der Süden unabhängig, jetzt droht die Gewalt wieder zu eskalieren: Sudanesische Kampfflugzeuge haben ein Flüchtlingslager im Südsudan bombardiert. Präsident Salva Kiir warnt vor einer Invasion der Nord-Armee - die Vereinten Nationen befürchten ein "internationales Verbrechen".

Südsudans Präsident Kiir: Warnt vor neuem Krieg
DPA

Südsudans Präsident Kiir: Warnt vor neuem Krieg


Khartoum - Der Konflikt zwischen Sudan und Südsudan spitzt sich zu - jetzt warnen die Vereinten Nationen vor einer Eskalation der Gewalt: Das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf verurteilte am Freitag einen möglichen Luftangriff auf das Flüchtlingslager Jida im Südsudan. "Das ist eine extrem ernste Angelegenheit und könnte ein internationales Verbrechen sein", sagte der Sprecher des Kommissariats, Rupert Colville, in Genf.

Es müsse zunächst geklärt werden, wer für den Angriff verantwortlich war, sagte Colville weiter. Es gebe noch keine weiteren Details zu den Berichten über Tote und Verletzte.

Eines wurde bereits unabhängig bestätigt: Das Uno-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) gab an, dass in dem Lager mit mindestens 15.000 Flüchtlingen zwei Bomben einschlugen, eine davon in der Nähe der dortigen Schule. "Wir überprüfen die Lage in den benachbarten Dörfern", sagte ein Sprecher.

Mindestens eine Bombe explodiert

Die südsudanesischen Behörden hatten am Donnerstag von zwölf Getöteten und mehr als 20 Verletzten gesprochen. Sie machten die Regierung Sudans für den Angriff verantwortlich. Sudanesische Flugzeuge hätten Bomben über dem Lager in Jida abgeworfen, hieß es seitens der Polizei. Jonathan Hutson von einer US-Hilfsorganisation erklärte, ihm hätten Entwicklungshelfer vor Ort berichtet, dass mindestens eine Bombe innerhalb des Lagers explodiert sei.

Der Südsudan hatte sich im Juli von Sudan losgesagt, seither gibt es einen ungelösten Konflikt über die Grenzziehung zwischen beiden Ländern. Südsudans Präsident Salva Kiir hatte dem Norden wenige Stunden vor dem Luftangriff vorgeworfen, sein Land erneut mit Krieg überziehen zu wollen. Der Krieg bis zur Unabhängigkeitserklärung Südsudans dauerte 22 Jahre.

Gefechte in Krisenregion

Sudan soll in der jüngsten Vergangenheit zudem seine Luftwaffenbasen an der Grenze zu Südsudan ausgebaut haben. Das teilte das amerikanische Satellite Sentinel Project mit. Aufnahmen der US-Gruppe, die mit Satelliten Krisenherde überwacht, zeigten die Erweiterung zweier Luftwaffenbasen, die das sudanesische Militär von Rebellen in Kurmuk im Staat Blauer Nil erobert habe.

Auch waren am Donnerstag bei Auseinandersetzungen zwischen Armee und Rebellen in der sudanesischen Krisenregion Süd-Kordofan offenbar Dutzende Aufständische getötet. Sie seien noch dabei, die Opfer zu zählen, sagte der Kommandeur der Truppen in der Stadt Talodi der staatlichen Nachrichtenagentur Suna. Mehrere Zivilisten, darunter zwei Frauen und ein Kind, seien verletzt worden. Die Armee habe die Offensive der Rebellen zurückgedrängt und werde diese aus dem Gebiet vertreiben, sagte ein Armeekommandeur.

amz/AFP/dapd/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.