Kämpfe mit schweren Waffen USA ziehen Botschaftsmitarbeiter aus Südsudan ab

In der südsudanesischen Hauptstadt Juba sind heftige Kämpfe ausgebrochen, auch die Uno gerät ins Kreuzfeuer. Die USA ziehen alle Mitarbeiter aus der Botschaft ab, die nicht unverzichtbar sind.

Südsudanesische Polizisten und Soldaten in Juba
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Südsudanesische Polizisten und Soldaten in Juba


"Wir sind extrem besorgt." So äußerte sich die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, über die neuen Kämpfe im Südsudan. Die Situation gerate außer Kontrolle. Aus Sorge um die Mitarbeiter wird Washington sein Botschaftspersonal weitgehend aus der Hauptstadt Juba abziehen. Bleiben sollen nur die Mitarbeiter, die für den Betrieb der diplomatischen Vertretung dringend benötigt werden.

Zwischen Freitag und Sonntag wurden nach Regierungsangaben in Juba mindestens 270 Menschen getötet. Rund 10.000 Menschen sind nach Angaben humanitärer Helfer geflohen. Auch am Montagmorgen wurde in der Hauptstadt wieder geschossen.

Die Vereinten Nationen riefen zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gewalt: Er sei schockiert und entsetzt. Der Uno-Sicherheitsrat kam am Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen. Das Gremium berät offenbar über eine Verstärkung der rund 16.000 Personen umfassenden Uno-Mission im Land.

Die Gefechte nähren die Angst, dass der Südsudan zurück in einen Bürgerkrieg rutschen könnte. Das Land ist erst fünf Jahre alt, doch die Einwohner des jungen Staates kennen nur grausame Gewalt und Krieg.

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Südsudan: Millionen Vertriebene im eigenen Land

In einer vertraulichen Nachricht der Uno-Friedenstruppen an den Sicherheitsrat, aus der Reuters zitiert, heißt es, die Einrichtungen der Vereinten Nationen seien ins Kreuzfeuer geraten. Zwei Unterkünfte der Uno-Mission UNMISS in Juba sind bei den Kämpfen beschädigt worden. Ein chinesischer Blauhelmsoldat wurde getötet, zahlreiche weitere verletzt.

Das Regierungsviertel in Juba war am Wochenende heftig umkämpft - Regierungstruppen lieferten sich Gefechte mit den früheren Rebellen des Vizepräsidenten Riek Machar. Am Sonntag konzentrierten sich die auch mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragenen Kämpfe vor allem auf den Süden der Stadt, wo der Vizepräsident seine Residenz hat. Auch am Flughafen Jubas gab es heftige Gefechte, der Flugbetrieb wurde eingestellt.

Die neue Gewalt hatte am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Präsident Salva Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet.

Seit Ende 2013 waren in dem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen.

Wer körperlich unversehrt geblieben ist, bei dem bleiben oft seelische Narben: Laut einer Studie, durchgeführt in allen zehn Bundesstaaten des Südsudan, leiden 41 Prozent der Bevölkerung unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, berichtet Amnesty International. Das junge Land ist politisch und wirtschaftlich in der Krise, seine Menschen sind seelisch schwer gestört.

kgp/Reuters/dpa

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Enkidu 11.07.2016
1. Mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragene Kämpfe
Wer hat die bezahlt? Wer geliefert? Wer bedient das hochtechnische Gerät bzw. hat die Einheimischen darauf ausgebildet? Letztendlich heißt das, wer profitiert von dem Gemetzel???
fatherted98 11.07.2016
2. Wieder mal..
...ein gefallener Staat...wird im Bürgerkrieg enden wie der Kongo...über Jahrzehnte...der Nord-Sudan hat gut daran getan sich vom Süden zu trennen.
Helmuth Niessner 11.07.2016
3.
Hubert Sauper gesehen hat, wusste schon länger, dass das wieder einmal nichts wird. Hier winken das schnelle Geld und der Einfluss in Zentralafrika, das man bei dieser Gelegenheit auch gleich missionieren kann, und die Interessen der USA und Chinas prallen hier aufeinander. Die UNO hat sich dort in ein Wespennest gesetzt und finanziert den dortigen Wahnsinn auch noch. Die Lösung wird sein: noch mehr Waffen und ein verbranntes Land.
Helmuth Niessner 11.07.2016
4.
Zitat von Helmuth NiessnerHubert Sauper gesehen hat, wusste schon länger, dass das wieder einmal nichts wird. Hier winken das schnelle Geld und der Einfluss in Zentralafrika, das man bei dieser Gelegenheit auch gleich missionieren kann, und die Interessen der USA und Chinas prallen hier aufeinander. Die UNO hat sich dort in ein Wespennest gesetzt und finanziert den dortigen Wahnsinn auch noch. Die Lösung wird sein: noch mehr Waffen und ein verbranntes Land.
"Wer den Film "We come as friends" von Hubert Sauper gesehen hat" sollte es nicht amputiert heißen.
Direwolf 11.07.2016
5. WIe immer in Afrika
Zitat von EnkiduWer hat die bezahlt? Wer geliefert? Wer bedient das hochtechnische Gerät bzw. hat die Einheimischen darauf ausgebildet? Letztendlich heißt das, wer profitiert von dem Gemetzel???
Alte sowjetische Modelle. Auf Bildern sieht man T-72 und T-55. Also zumeist Restbestände der Sudanesischen ARmee. Profitieren tun vermutlich Russland oder die Ukraine, da dort die Teile für die alten Möhren hergestellt werden. Grundlegendes FAhren und im stehen Schiessen ist nicht weiter schwer zu lernen und mehr machen die mit den Panzern eh nicht
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