Bürgerkrieg im Südsudan Mehr als hundert Tote trotz Friedensschluss

Im Südsudan dauert die extreme Gewalt in einigen Landesteilen trotz des Friedensschlusses von 2018 an. Ein Uno-Bericht listet mehr als hundert Todesopfer auf, Regierungssoldaten werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Oppositionelle Kämpfer in Panyume, Central Equatoria, Südsudan, im Januar
Sam Mednick/AP

Oppositionelle Kämpfer in Panyume, Central Equatoria, Südsudan, im Januar


Offiziell gilt im Südsudan seit August 2018 ein Friedensschluss zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Vize-Präsidenten Riek Machar.

Nun aber dokumentiert ein Uno-Bericht, dass die Gewalt in Teilen des Landes andauert. In der Zeit zwischen dem Waffenstillstand und April 2019 zählten die Uno-Ermittler eine Eskalation der Gewalt im Süden des Landes, bei der mehr als hundert Zivilisten getötet wurden. Im gleichen Zeitraum sollen Soldaten der Regierungsarmee in der Provinz Central Equatoria sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen gegen rund hundert Frauen und Mädchen begangen haben.

Allerdings sei die Gewalt in dieser Provinz aktuell eine Ausnahme zum allgemeinen Trend eines "deutlichen Rückgangs durch den Konflikt bedingter Verletzungen und Missbräuche" seit Unterzeichnung des Abkommens, heißt es in dem Bericht.

Acht Jahre Unabhängigkeit, fünf Jahre Krieg

Der Südsudan spaltete sich 2011 nach einem Referendum vom Sudan ab, 2013 versank das Land in einem ethnisch motivierten Bürgerkrieg. Eine Untersuchung britischer Wissenschaftler ergab 2018, dass der Konflikt durch direkte Gewalt, aber auch durch kriegsbedingten Hunger und Krankheit bis zu 400.000 Todesopfer gefordert hat, Millionen sind im Land vertrieben oder flohen in die Nachbarländer Uganda, Äthiopien und Kenia.

Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags entschieden die vormaligen Kriegsparteien im Mai, binnen sechs Monaten eine Einheitsregierung bilden zu wollen. Ein solcher Versuch war allerdings auch in der Vergangenheit mehrfach missglückt.

Schon der erste Ausbruch der Feindseligkeiten hatte sich 2013 an der Rivalität der ehemaligen Warlords Kiir und Machar und entzündet, die bereits im Jahrzehnte andauernden sudanesischen Bürgerkrieg gekämpft hatten. Auch 2016 war nach einer Versöhnung der Kontrahenten der Krieg erneut aufgeflammt, als sich deren Truppen in der Hauptstadt Juba beschossen.

Fotostrecke

12  Bilder
Warlords im Südsudan: Öl an der einen, Blut an der anderen Hand

Der Konflikt ist einerseits ethnisch motiviert, am aktivsten sind dabei die Volksgruppen der Dinka und der Nuer, zu denen auch die beiden Haupttäter Machar und Kiir gehören. Andererseits belegte der sogenannten Sentry Report im Jahr 2016, dass sich die Familien der Warlords an Ölvorkommen des Landes und Waffengeschäften bereichern und Unsummen unter anderem in die Nachbarländer Uganda und Kenia geschafft haben. Die Staatskasse ist hingegen so gut wie leer.

cht/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.