Unruhen in Afrika Südsudans Ex-Vizepräsident fordert Sturz des Präsidenten

Die Auseinandersetzungen im Südsudan werden immer heftiger: Riek Maschar, Rivale von Präsident Kiir, ruft zu dessen Sturz auf. Die Rebellen erobern derweil eine wichtige Stadt im Osten des Landes. Der Bundeswehr-General, der in dem Land festsaß, soll aber inzwischen in Sicherheit sein.

Südsudans Präsident Kiir: Ex-Vize will ihn stürzen
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Südsudans Präsident Kiir: Ex-Vize will ihn stürzen


Juba - Nach tagelangen blutigen Unruhen hat der frühere südsudanesische Vizepräsident Riek Maschar die Armee des Landes zum Putsch gegen Staatschef Salva Kiir aufgefordert. Er rufe die ehemalige Rebellenorganisation und jetzt regierende Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) dazu auf, "Salva Kiir von seinem Amt an der Staatsspitze zu stürzen", sagte Maschar dem französischen Sender RFI.

Nach heftigen Kämpfen mit Regierungssoldaten sollen Rebellen im Südsudan die wichtige Stadt Bor erobert haben. Anhänger des regierungskritischen Generals Peter Gatdet Yak hätten am Dienstag zunächst die Militärkasernen in der Hauptstadt des Bundesstaats Jonglei angegriffen und schließlich am Mittwochabend die ganze Stadt eingenommen. Das berichtete die Zeitung "Sudan Tribune" am Donnerstag.

Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Fraktionen der Armee waren im Südsudan seit Sonntag Hunderte Menschen getötet worden. Hintergrund der seit Sonntag andauernden Gewalt ist ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem im Juli entlassenen ehemaligen Stellvertreter Riek Machar.

Die Unruhen sind auch ethnisch motiviert: Kiir gehört zur Volksgruppe der Dinka, Machar ist ein Nuer. Zwischen den beiden rivalisierenden Ethnien kommt es in dem bitterarmen ostafrikanischen Land immer wieder zu brutalen Attacken. Auch der abtrünnige General Gatdet Yak sei ein Nuer und deshalb auf die Seite der Rebellen gewechselt, hieß es.

Bundeswehr fliegt rund 100 Deutsche aus

Nach den USA bringen nun auch Deutschland und Großbritannien im Land befindliche Bürger in Sicherheit. Am Donnerstag starteten eine Transall-Transportmaschine mit 93 Plätzen aus dem Bundeswehreinsatz im westafrikanischen Mali und ein kleines Passagierflugzeug des Typs Global 5000 mit 13 Plätzen aus Deutschland, um rund 100 Deutsche abzuholen. Sie sollen am Freitag ausgeflogen werden.

Im Südsudan beteiligen sich 16 Bundeswehrsoldaten an einem Uno-Friedenseinsatz. Auch der Chef des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Hans-Werner Fritz, saß bislang in dem Krisenland fest. Nach Informationen der "Rheinischen Post" aus Bundeswehrkreisen ist Fritz inzwischen aber mit drei Begleitern sicher im ugandischen Entebbe gelandet.

Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union zeigen sich schon seit Tagen tief besorgt über die eskalierende Situation. Beobachter warnen vor einem drohenden Bürgerkrieg. Zehntausende Menschen haben in den vergangenen Tagen Zuflucht in verschiedenen Gebäuden der Uno-Mission UNMISS gesucht. Das junge Land war erst 2011 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit dem Sudan unabhängig geworden. Trotz reicher Ölvorkommen leben die meisten Menschen im Südsudan in extremer Armut.

ade/dpa

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m.ertl 19.12.2013
1. Separatismus
Wie man an der Entwicklung sehen kann,war auch diese Staatsneugründung aufgrund eines nationalistischen Separatismus offenbar eine Fehlgeburt. Eine durch ethnische Konflikteu.Diadochenkämpfe geprägte und ökonomisch ruinierte Regionwurde in die Unabhängigkeit entlassen obwohl es kaumlebensfähig ist. Das selbe gilt für Kosovo,Montenegro,abchasien usw. im Zuge der Friktionen des weltmarktes wird auch in Europa auf diese Karte gesetzt(siehe Katalanen in Spanien,Schotten in Großbritannien,Lega Nord in Italien,Flamen in Belgien usw.) Die ökonomische Vereinheitlichung bringt als andere Seite der Medaille die Fragmentierung der politischen u. staatlichen Sphäre mit sich imKrisenprozess.
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