Machtkampf um Juba Südsudans Regierungstruppen rücken auf Rebellengebiet vor

Die Truppen des südsudanesischen Präsidenten Kiir wollen Boden gutmachen. Die Armee bereitet eine Offensive in zwei Bundesstaaten vor, die derzeit von den Rebellen um Ex-Vizepräsident Machar gehalten werden. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

AFP

Juba - Regierungstruppen im Südsudan versuchen, zwei Bundesstaaten zurückzuerobern, die derzeit von Rebellen gehalten werden. Einheiten der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) seien nach Jonglei und in das ölreiche Unity entsandt worden, teilten Regierungsvertreter mit.

Präsident Salva Kiir sagte am Montag in einer Rede vor dem Parlament, die Streitkräfte seien bereit, nach Bor vorzurücken. Bor ist die Hauptstadt der Provinz Jonglei.

Der etwa 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Juba gelegene Ort war am Mittwoch von Kämpfern des früheren Vize-Präsidenten Riek Machar eingenommen worden. Außerdem kontrollieren die Rebellen die wichtige Öl-Stadt Bentiu im Norden des Landes. Kiir betonte vor den Abgeordneten erneut, er sei bereit zu Verhandlungen, allerdings "ohne Vorbedingungen". Machar verlangt den Rücktritt des Präsidenten.

"Alle Deutschen, die aus dem Land rauswollten, sind raus"

Am Sonntag flogen Hubschrauber der US-Armee mehrere Hundert eigene Staatsangehörige sowie "Bürger aus Partnerländern" aus dem umkämpften Bor ins Nachbarland Kenia aus. Die Vereinten Nationen bringen alle nicht dringend benötigten Mitarbeiter ins benachbarte Uganda in Sicherheit. Der britische Außenminister William Hague rief seine Landsleute zum Verlassen des Landes auf.

Deutschland hat seine Bürger bereits am Freitag ausgeflogen. Die 25 Bundesbürger, die sich noch im Südsudan aufgehalten hatten, wurden am Freitag mit einer Transall C160 nach Entebbe in Uganda gebracht. Insgesamt flog die Bundeswehr 98 Menschen aus dem Land, darunter Schweizer, Österreicher und Franzosen. "Man bietet vor Ort freie Plätze in den Flugzeugen an und hilft sich gegenseitig", sagt der Sprecher des Einsatzführungskommandos, Hauke Bunks. Der Fregattenkapitän gehörte zum 21-köpfigen Team, das sich von Potsdam aus um Logistik, Transport und Organisation der Evakuierung kümmerte.

Vor Ort waren 24 Soldaten im Einsatz. Bis auf die 16 Soldaten der Unmiss-Station, von denen derzeit fünf wie geplant im Weihnachtsurlaub sind, befinden sich derzeit keine deutschen Soldaten mehr im Land. "Wie es für die verbleibenden elf Soldaten der Mission weitergeht, entscheidet die Uno", sagte der Sprecher der Bundeswehr.

Auch der deutsche Botschafter reiste aus Juba aus, um nach Deutschland zurückzukehren. "Alle Deutschen, die aus dem Land rauswollten, sind raus", schildert Bunks. Die Mission ist für die Bundeswehr abgeschlossen. Die Entwicklungshelfer, das Botschaftspersonal und die Touristen, die geblieben sind, handeln auf eigene Verantwortung.

Zehntausende Menschen sind auf der Flucht

Der Südsudan war erst 2011 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig geworden. Trotz reicher Ölvorkommen leben die meisten Menschen in extremer Armut. Hintergrund der kürzlich ausgebrochenen Unruhen ist ein Machtkampf von Präsident Kiir mit seinem im Juli entlassenen Stellvertreter Riek Machar. Kiir gehört der größten Volksgruppe, den Dinka, an. Diese dominieren die Regierungspartei und die frühere Rebellentruppe SPLM. Sein Rivale Machar ist dagegen ein Angehöriger der Lou Nuer. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe zu einem Bürgerkrieg ethnischer Gruppen ausweiten.

Mindestens 500 Menschen sollen in der vergangenen Woche ums Leben gekommen sein. Mehr als 40.000 Menschen suchen nach Uno-Angaben inzwischen Zuflucht in Lagern der Vereinten Nationen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sprach von rund 65.000 Flüchtlingen und warnte vor einer humanitären Katastrophe.

syd/vek/dpa/AFP

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