Wahlen im deutschsprachigen Italien Salvinis Lega punktet auch in Südtirol

In Südtirol hat die bislang regierende Volkspartei Stimmen verloren, deutschsprachige Rechtspopulisten stürzten regelrecht ab. Stark zulegen konnte die Lega des italienischen Innenministers Salvini.

Matteo Salvinis Lega konnte zulegen
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Matteo Salvinis Lega konnte zulegen


Im deutschsprachigen Norden Italiens, in der Provinz Südtirol (Alto-Adige), konnte die rechtsnationale Lega stark zulegen. Stärkste Kraft wurde aber erneut und trotz spürbarer Verluste die regierende Südtiroler Volkspartei (SVP) unter ihrem Spitzenkandidaten und Regierungschef Arno Kompatscher. Für deutschsprachige Rechtsnationale ging es hingegen steil nach unten.

Nach Auswertung aller Stimmen lag die regierende SVP am Montagmorgen bei 41,9 Prozent der Stimmen, und damit deutlich unter dem Ergebnis von 2013 (45,7 Prozent). Die Partei hatte über Jahrzehnte die absolute Mehrheit im Landtag gehabt. Sie vertritt die deutschsprachigen Bürger der Region und die Minderheit der ladinischen Sprachgruppe, die vor allen in den Dolomiten zuhause ist. Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach dennoch von einem "guten Ergebnis". Die Stimmenverluste würden aber "schmerzen". Mit wem die SVP koalieren wird, war am Montag zunächst offen.

Arno Kompatscher (SVP), Landeshauptmann im norditalienischen Südtirol
DPA

Arno Kompatscher (SVP), Landeshauptmann im norditalienischen Südtirol

Überraschend kam der Unternehmer Paul Köllensperger, der noch vor fünf Jahren für die Partei Fünf-Sterne-Bewegung in den Landtag in Bozen eingezogen war, mit seiner eigenen Liste mit 15,2 Prozent, noch vor der rechtspopulistischen Lega mit 11,1 Prozent (2013: 2,5 Prozent), die sich in Südtirol anders als im Rest Italiens weiter Lega Nord nennt. Parteichef ist der umstrittene Innenminister Italiens, Matteo Salvini.

Salvini jubelte über den Wahlerfolg seiner Partei in der autonomen Provinz. "Die echten Stimmen, die echten Bürger, die Italiener, hören nicht auf Professoren, Zeitungen, die Kritiker und europäischen Bürokraten", sagte er. Vor allem bei den Italienischsprachigen konnte die Lega punkten.

Die Grünen lagen bei 6,8 Prozent, knapp zwei Punkte unter ihrem Ergebnis von vor fünf Jahren. Die bisher in Bozen mitregierende sozialdemokratische Partito Democratico (PD) rutschte auf 3,8 Prozent ab (2013: 6,7). Erhebliche Verluste gab es für eine deutschsprachige Rechtspartei: Hatten die Freiheitlichen 2013 noch 17,9 Prozent, waren es nun leidlich 6,2 Prozent. Auch die rechtsnationale Süd-Tiroler Freiheit erlitt Verluste.

In der Region ist Deutsch die vorherrschende Sprache. Italienischsprachige, die weniger als 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, fühlen sich seit langem marginalisiert, auch weil sie in der Politik vergleichsweise schlecht vertreten seien. Deswegen rücke die italienische Gemeinschaft immer weiter nach rechts. Mit der Bewegung Casapound sitzen in Bozen sogar erklärte Neofaschisten im Gemeinderat.

cht/dpa

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