Roland Nelles

Kandidat Trump Das hässliche Amerika

Wenn Donald Trump an diesem Super Tuesday gewinnt, wird er wohl der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Es wird höchste Zeit, dass sich das andere Amerika gegen ihn erhebt.
US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

Foto: Paul Sancya/ AP/dpa

So hat man sich als Europäer schon lange nicht mehr vor Amerika gefürchtet: Der Demagoge Donald Trump, der gegen Ausländer Stimmung macht und Behinderte veralbert, dürfte bei den Vorwahlen an diesem Super Tuesday in den USA der große Gewinner werden. Alles andere wäre eine Überraschung.

Die Umfragen sagen voraus, dass er in den meisten der Bundesstaaten, in denen er als Kandidat zur Wahl steht, siegen wird. Das wahre Schreckensszenario geht aber so: Trump zieht am Ende sogar ins Weiße Haus ein, wir Europäer wären fortan eingezwängt zwischen dem eiskalten Zyniker Wladimir Putin auf der einen und dem narzisstischen Lautsprecher Trump auf der anderen Seite. Die internationale Politik würde noch komplizierter als sie ohnehin schon ist, Konflikte würden wohl nur noch in Wildwest-Manier ausgetragen.

Von der Wutwelle zur Nominierung getragen

Trump ist aus europäischer Perspektive die Inkarnation des rücksichtslosen, militaristischen amerikanischen Super-Kapitalisten. Tatsächlich ist es eine Wutwelle, die Trump zur Nominierung trägt. Ihn unterstützen vor allem frustrierte Angehörige der weißen Mittelschicht, die sich seit der Finanzkrise auf der Verliererstraße wähnen. Trumps simples Versprechen, die USA "wieder großartig" zu machen, ist für sie eine Verheißung, für den Rest der Welt klingt es wie eine Drohung.

Aber: Mit einer Allianz der Frustrierten allein ist auch in den USA üblicherweise keine Wahl zu gewinnen. Wer bei der "General Election" im November siegen will, muss ganz andere Bündnisse schmieden: Zum Erfolg braucht es die Afroamerikaner, die Latinos, es braucht das moderate Bürgertum, das es entgegen aller deutschen Vorurteile natürlich auch gibt in den USA.

Alle diese Gruppen erreicht Trump nicht, er wirkt auf sie genauso abschreckend wie auf viele Europäer. Ihre Stimmen verteilen sich zurzeit noch auf die vielen unterschiedlichen Kandidaten bei Republikanern und Demokraten. Sie wählen Hillary Clinton, Bernie Sanders, Marco Rubio oder John Kasich.

Man kann den Amerikanern nur wünschen, dass nach diesem Super Tuesday die Zersplitterung der Trump-Gegner bald ein Ende findet. Denn: Trump ist nur stark, solange seine Gegner uneins sind. Auch wenn die Trump-Hysterie derzeit alles übertönt - Trump ist nicht Amerika. Er steht nur für die hässliche Seite Amerikas.

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