Republikaner Der Trumphator

Sieg in sieben Bundesstaaten: Jetzt marschiert Donald Trump in Richtung Kandidatur. Der Milliardär kapert am Super Tuesday seine Partei - und spielt bei einem merkwürdigen Auftritt schon mal Präsident.
Republikaner: Der Trumphator

Republikaner: Der Trumphator

Foto: SCOTT AUDETTE/ REUTERS

Nanu? Es ist kurz nach halb zehn am Wahlabend, in Palm Beach wartet alles auf Donald Trump. Doch nicht der Milliardär erscheint, sondern Chris Christie, sein Ex-Rivale, der seit seinem Ausstieg aus dem Rennen auf wundersame Weise zu Trumps größtem Fan mutiert ist. Christie, der Gouverneur von New Jersey, liest ein paar Sätze vom Blatt ab. "Donald Trump vereint die Partei", sagt er nüchtern. "Dies ist ein großer Abend für Amerika." Er wirkt dabei wie eine Geisel, die vor der Kamera sagen muss, dass die Entführer gar nicht so schlimm sind, wie alle glauben.

Chris Christie, Donald Trump in Palm Beach

Chris Christie, Donald Trump in Palm Beach

Foto: Ryan Stone/ dpa

Man muss dazu wissen, dass Christie sich bis vor Kurzem für den größten Politiker seit Abraham Lincoln gehalten hat. Eigentlich sogar für einen noch größeren. Gut, besser, Christie. So sah er die Welt. Jetzt macht er die Vorgruppe für jemanden, der seinen Beruf gerade erst lernt. Es ist ein bemerkenswertes Beispiel politischer Selbstverzwergung und ein Beleg dafür, wie dramatisch Donald Trump die Verhältnisse bei den Republikanern verändert hat.

Er ist jetzt der Parteichef, und die Republikaner in Panik fliehen unter seinen Rettungsschirm.

Mal wieder triumphiert Trump, mal wieder ist es ein Durchmarsch. Man kennt das langsam, aber diesmal ist es doch wieder anders. Donald Trump gewinnt am Super Tuesday nicht einen Staat, es sind gleich sieben: liberale Staaten und religiöse, Gegenden mit hohem Akademikeranteil und mit geringem. Der Superwahltag wird zu Donald Trumps Tag. Ein Mann, der seiner Parteiführung, vielen Amerikaner und so ziemlich dem ganzen Rest der Welt den Mittelfinger zeigt, marschiert stramm in Richtung Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.

"Ich bin ein Versöhner." Sagt er wirklich

Aber überdrehen? Will der Milliardär nicht, jedenfalls nicht zu sehr. Trump tritt in seinem Luxusresort Mar-a-Lago kurz nach Christie auf. Keine Fans sind dabei, keine Plakate werden hochgehalten, nur ein paar wenige Mitarbeiter jubeln. Trump hat mehrere US-Flaggen hinter sich hängen lassen. Er stellt sich ans Pult und beantwortet einfach einige Fragen. Ein paar Sticheleien in Richtung Deutschland, ein paar deutliche Worte in Richtung Mexiko und China. Aber sonst? Trump, der Brutalo, ist ausnahmsweise mal etwas weiter weg. Die Menschen an den Bildschirmen sollen ihn sich als Präsidenten vorstellen, das ist offenbar das Kalkül der merkwürdigen Inszenierung. "Es ist einfach ein wunderbarer Abend", sagt er ruhig. "Das ist eine wirklich besondere Zeit in meinem Leben."

Fotostrecke

US-Vorwahlen: Der Super Tuesday in Bildern

Foto: Erik S. Lesser/ dpa

Trump weiß, dass sein Erfolg seine Partei spaltet. Es gibt die einen, die in seine Richtung kippen. Und die anderen, die sich jetzt erst recht aufbäumen. Die Kandidatur wird er wohl irgendwie im Alleingang holen können. Aber um auch nur den Hauch einer Chance aufs Weiße Haus zu haben, muss er die Partei hinter sich versammeln. "Ich bin ein Versöhner", sagt er. Kein Scherz. Er sagt das wirklich. "Ich würde mir wünschen, dass wir als Partei vereint auftreten. Und wenn wir das machen, gibt es niemanden, der uns schlagen kann." Es ist eine Botschaft an seine Gegner: Streckt die Waffen. Dann strecke ich auch meine.

Rubios Strategie ging nicht auf

So schnell wird das nicht kommen, obwohl kaum jemand außer ihm so richtig behaupten kann, die Kandidatur noch im Blick zu haben. Auch nicht Marco Rubio, der Senator aus Florida. Rubio erlebt einen schlimmen Abend. Er landet überall hinter Trump, außer in Minnesota. Das ist erstaunlich, denn er hatte in den vergangenen Tagen alles daran gesetzt, Trumps Glaubwürdigkeit zu zerstören. Die Angriffsstrategie hat nicht einmal ansatzweise funktioniert. Und was sagt Rubio? "Wir freuen uns auf das, was noch vor uns liegt." Klar.

Marco Rubio

Marco Rubio

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Ted Cruz, Trumps anderer Widersacher, geht ein klein bisschen erfolgreicher aus dem Super Tuesday hervor. Er gewinnt seinen Heimatstaat Texas und das angrenzende Oklahoma. Und obwohl er weiß, dass er in den von seinen Evangelikalen stark bevölkerten Südstaaten mehr Siege hätte holen müssen, tut er so, als wäre er kurz vor dem Einzug ins Weiße Haus. "Nur ich kann Donald Trump noch schlagen", ruft er. Es ist ein Appell an Rubio, aus dem Rennen auszusteigen und sich hinter ihm als Trump-Gegner zu versammeln.

Ted Cruz

Ted Cruz

Foto: RICHARD CARSON/ REUTERS

Das wird Rubio nicht machen, am 15. März wählt Florida, sein Zuhause, und wer steigt schon vor seinem Heimspiel aus? Und es ist nicht einmal klar, ob es eigentlich in Cruz' Sinne wäre, wenn Rubio sich verabschiedete. Es gibt ja nur noch dieses eine Szenario, an das sich die Trump-Gegner klammern: Trump gewinnt und gewinnt. Aber weil die Delegierten in den meisten Staaten proportional vergeben werden, also die Zweit- und Drittplatzierten auch ein ordentliches Stück vom Kuchen abbekommen können, bleibt der Milliardär am Ende unterhalb der erforderlichen Schwelle von 1237 Wahlmännern. Der Parteitag im Juli würde dann ohne einen eindeutigen Kandidaten beginnen. Das Gefeilsche ginge los.

Ausnahmsweise mal freundlich

Ein solches Szenario ist unrealistisch. Trumps Erfolge werden auch bei seinen Widersachern in der Partei Eindruck machen, und viele Wähler wollen schlicht beim Sieger sein. Aber völlig ausgeschlossen ist es nicht, dass Trump die magische Zahl von 1237 nicht erreicht. Er hat trotz aller Siege noch nicht einmal ein Viertel der erforderlichen Wahlmänner gesammelt. Das Problem ist nur: Wer ihn unbedingt unterhalb der Marke halten will, muss eigentlich dafür sorgen, dass möglichst viele Kandidaten im Rennen bleiben. Nicht möglichst wenige. Nur so verteilen sich die Stimmen und Delegierten.

Trump lässt sich auf solche Spielereien nicht ein. Mit Mathematik will er an diesem Abend nichts zu tun haben. Er sagt, er freue sich einfach über diesen Abend. Über seine Freunde, seine Mitarbeiter. Ja, sogar über die Presse, die er sonst so beschimpft, verliert er ein paar freundliche Worte.

"Ich werde noch zum Diplomaten", sagt er.

Foto: SPIEGEL ONLINE
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.