Super Tuesday Obama und Clinton Kopf an Kopf - knappes Rennen in Kalifornien

Spannender Super-Tuesday-Showdown bei den Demokraten: Hillary Clinton gewinnt die Vorwahlen in großen Staaten an der Ostküste. Auch Barack Obama schafft allerdings wichtige Siege - das Rennen ist völlig offen, im riesigen Kalifornien zeichnet sich noch kein Sieger ab.


Washington - Der Super Tuesday wird zum dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch Stunden nach Schließung der ersten Wahllokale zeichnet sich beim Vorwahlmarathon um die demokratische Präsidentschaftskandidatur kein eindeutiger Sieger ab. Auch in Kalifornien, dem größten Staat dieser Vorwahlnacht, gibt es noch keinen klaren Sieger.

Es ist ein spannender Showdown. Mal bricht im Lager von Hillary Clinton, mal in dem ihres schärfsten innerparteilichen Rivalen Barack Obama Riesenjubel aus, wenn die US-Nachrichtensender einen Staat einem der beiden Bewerber zuschlagen. Wie in einem Sportmatch werden die neuen Zwischenstände gezählt - und die Führung mit Blick auf die Zahl der gewonnenen Staaten wechselt im Laufe des Abends mehrfach.

Hillary Clinton feiert zunächst wichtige Erfolge an der Ostküste: New York, der Staat den sie als Senatorin vertritt, geht an sie, ebenso der große Nordost-Staat New Jersey, und auch Massachusetts - obwohl Obama hier auf die öffentliche Unterstützung des einflussreichen Senators Edward Kennedy und des demokratischen Partei-Establishments zählen konnte.

Auch in Oklahoma und Tennessee liegt Clinton vor Obama. Diesen beiden Staaten hatte sie im Wahlkampf viel Aufmerksamkeit gewidmet. Einen erwarteten Erfolg feierte sie in Arkansas: Ihr Mann Bill hatte den Staat mehr als zehn Jahre als Gouverneur regiert.

Den scheinbaren Vorteil auf der Ergebnistafel für Clinton macht Obama allerdings schnell wett, als die US-Sender den Senator aus Illinois fast im Minutentakt auf Basis von Hochrechnungen zum Sieger in mehreren Staaten ausrufen. Vor allem im Landesinneren und im Süden des Landes kann Obama dabei punkten: Illinois, Georgia, Alabama, Kansas, North Dakota, Utah und Minnesota gehen auf sein Konto, dazu an der Ostküste Delaware und Connecticut.

Das Rennen der Demokraten am Super Tuesday ist damit wie erwartet extrem spannend. Vor einiger Zeit noch hatten Meinungsforscher Clinton unangefochten vor Obama gesehen. Je näher der vorentscheidende Tag bei den US-Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur jedoch rückte, umso mehr schmolz der Abstand zwischen den beiden zusammen. Jüngsten Erhebungen zufolge lag Clinton landesweit bei 45 Prozent, Obama nur hauchdünn dahinter. Andere Umfragen sahen beide sogar gleichauf.

"Es steht gewaltig viel auf den Spiel", hatte Clinton vor den Abstimmungen erklärt. Noch am Dienstag waren die Bewerber von Auftritt zu Auftritt geeilt und hatten TV-Interviews gegeben, um unentschlossene Wähler in letzter Minute auf ihre Seite zu ziehen.

Vor den Abstimmungen rechneten Clintons Berater damit, dass Obama am Super Tuesday mehr Delegierte gewinnen könnte als Clinton. Bis zu den Wahlen vom Dienstag führte Clinton mit 261 zu 202 Stimmen, einschließlich der sogenannten Superdelegierten. Dabei handelt es sich um Abgeordnete und Parteifunktionäre, die außerhalb der Vorwahlen für den Nominierungsparteitag delegiert werden. Am Dienstag waren bei den Demokraten insgesamt 1.681 Delegierte zu bestimmen.

Für die Nominierung sind in dieser Partei mindestens 2.025 Stimmen erforderlich. Wahlstrategen gehen davon aus, dass weder der schwarze Senator noch die ehemalige First Lady als klarer Sieger aus dem Wahlmarathon hervorgeht. Vermutlich dürfte sich ihr Zweikampf noch über Wochen oder gar Monate hinziehen. Sowohl Clinton wie auch Obama hatten bereits klargemacht, dass sie weiterkämpfen und ihre Kandidatur nicht zurückziehen wollen.

Offiziell werden die Kandidaten bei den Nominierungs-Parteitagen der Republikaner und der Demokraten im Spätsommer ausgerufen - die Präsidentenwahl selbst ist am 4. November.

Der Super Tuesday, der wegen der hohen Zahl an Vorwahlen an diesem Tag so heißt, läuft noch bis in den Vormittag deutscher Zeit hinein. Als "großer Preis" gilt die Abstimmung in Kalifornien, wo es für die Demokraten um 370 Delegierte geht. Für die Republikaner sind es 173. Im bevölkerungsreichsten Staat der USA schließen die Wahllokale erst um 5 Uhr MEZ.

phw/AP/dpa/AFP/Reuters

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