Identität geklärt Vier Supermarkt-Opfer von Paris waren Juden

Die Namen der vier getöteten Geiseln im jüdischen Supermarkt von Paris sind bekannt gegeben worden. Eines der Opfer ist der Sohn eines Rabbis. Die Angehörigen überlegen, die Toten in Jerusalem zu beerdigen.

AFP

Paris - Die Namen der Opfer der Pariser Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt sind bekannt. Nach Angaben der Jüdischen Dachorganisation in Frankreich (CRIF) handelt es sich dabei um vier Männer - alle jüdischen Glaubens: Yohan Cohen (22), Philippe Braham (um die 40), François-Michel Saada (um die 60) und Yoav Hattab (21) wurden von dem islamistischen Attentäter Amedy Coulibaly getötet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft starben die Opfer bevor die Polizei den Täter erschossen hat.

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Das CRIF sagte in einer Stellungnahme: "Diese französischen Bürger wurden kaltblütig und ohne Gnade hingerichtet, weil sie Juden waren." Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert von Regierungen und Religionsgemeinschaften, stärker als bisher und gemeinsam gegen islamistischen Terrorismus vorzugehen. Es habe sich "wieder auf brutale Weise gezeigt, dass auch Juden weiterhin Zielscheibe der islamistischen Terroristen sind", so der Präsident der Präsident der Organisation Josef Schuster am Sonntag. "Die Menschen in Israel sind dieser Bedrohung seit vielen Jahren ausgesetzt. Leider wird das in Europa oft zu wenig wahrgenommen."

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat am Sonntag im Elysée-Palast die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinde des Landes empfangen. Der Großrabbiner von Frankreich, Haïm Korsia, und der CRIF-Präsident Roger Cukiermann führten die Delegation an. An der Begegnung nahm auch Regierungschef Manuel Valls teil. Sie erfolgte wenige Stunden vor dem Pariser Schweigemarsch in Gedenken an die Opfer der islamistischen Anschläge.

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Mindestens eines der vier jüdischen Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt in Paris soll am Dienstag in Jerusalem beigesetzt werden. Der Vater von Joav Hattab habe dies im Gespräch mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bestätigt, berichtete der israelische Rundfunk am Sonntag. Bei dem Vater Benjamin Hattab handele es sich um einen ranghohen Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Tunesien.

Auch die Familien der drei weiteren jüdischen Opfer, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada, erwägten eine Beisetzung in Israel. Netanyahu hatte Juden in Frankreich angesichts der Terrorwelle in Paris zur Auswanderung nach Israel aufgefordert.

smh/dpa

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