Attentate von Paris Supermarkt-Geiseln verklagen Medien

Wie weit darf Live-Berichterstattung gehen? In Frankreich haben Opfer der Supermarkt-Geiselnahme vom Januar mehrere Medien verklagt. Einem Sender werfen sie vor, ihr Leben gefährdet zu haben.
Supermarkt in Paris (Archivbild): Vier Menschen wurden hier vom Attentäter Amedy Coulibaly getötet

Supermarkt in Paris (Archivbild): Vier Menschen wurden hier vom Attentäter Amedy Coulibaly getötet

Foto: ERIC FEFERBERG/ AFP

Die Berichterstattung über die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris könnte bald Thema vor Gericht werden. Sechs Betroffene und deren Familien haben französische Medien wegen ihrer Berichterstattung über den Vorfall im Januar verklagt.

Die Kläger hatten sich während der Geiselnahme in einer Kühlkammer des Hyper-Cacher-Markts vor dem Angreifer Amedy Coulibaly versteckt. Unter anderem dem privaten Nachrichtensender BFMTV werfen sie nun vor, ihr Leben gefährdet zu haben. Nach Angaben aus Justizkreisen leitete die Pariser Staatsanwaltschaft am Mittwoch erste Ermittlungen ein. BFMTV wollte die Meldung nicht kommentieren.

Wie einige andere Medien auch, hatte der Sender während der Geiselnahme berichtet, dass sich mehrere Menschen in der Kühlkammer befinden. Der Anwalt der Kläger sagte, das Leben seiner Mandanten wäre gefährdet gewesen, "wenn Coulibaly in Echtzeit von der von BFMTV verbreiteten Nachricht erfahren hätte".

Zudem sei die Ankunft der Sicherheitskräfte gestört worden. Das Leben eines Menschen in Gefahr zu bringen, kann in Frankreich mit bis zu einem Jahr Haft und 15.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Vier Menschen kamen ums Leben

Amedy Coulibaly hatte den Hyper-Cacher-Markt zwei Tage nach dem Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" attackiert. Der Islamist, der die "Charlie Hebdo"-Angreifer kannte, tötete in dem Supermarkt vier Menschen. Bereits am Tag vor der Geiselnahme hatte er eine Polizistin erschossen. Den Supermarkt attackierte er, während sich die "Charlie Hebdo"-Attentäter in einer Druckerei nördlich von Paris verschanzten.

Die Berichterstattung französischer Medien über die Anschlagsserie mit insgesamt 17 Todesopfern, die Fahndung nach den Islamisten und die Polizeieinsätze gegen die Männer wurden wiederholt kritisiert. Die Rundfunkaufsicht CSA sprach wegen 36 Verstößen gegen die Rundfunkbestimmungen Rügen aus. Bemängelt wurde dabei auch, dass viele Sender live über den Zugriff der Sicherheitskräfte auf das Druckereigebäude berichteten, in dem sich die beiden Attentäter verschanzt hatten.

Der Anwalt der Betroffenen der Geiselnahme sagte, bei der Klage gehe es nicht ums Geld. Man wolle vielmehr erreichen, dass die Medien Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und dafür sorgen, dass es in Zukunft nicht wieder zu ähnlichen Situationen kommt.

mbö/AFP/AP
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