Niederländische Politikerin beleidigt "Geh zurück in dein eigenes Land"

Eine niederländische TV-Moderatorin will für die neue Migrantenpartei Denk in die Politik wechseln - und wird im Netz rassistisch beschimpft. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Sylvana Simons
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Sylvana Simons


Die ehemalige Moderatorin Sylvana Simons will im nächsten Frühjahr für die neue Partei Denk ins niederländische Parlament einziehen. Doch die angekündigte Kandidatur hat eine Hass-Attacke gegen die 45-Jährige im Netz ausgelöst.

Die schwarze Politikerin wurde unter anderem als "Affe" beschimpft, und mit: "Geh zurück in dein eigenes Land". Auf Facebook wurde die Seite "Abschied" von Simons eingerichtet, um ihre imaginierte Abschiebung zu feiern. Inzwischen wurde die Seite gesperrt.

Donny Bonsink hatte die Facebook-Aktion gegen Simons gestartet. Manche Kommentare gingen zu weit, räumte er jetzt ein. "Aber gerade jetzt ist es wichtig, die Faust zu ballen, für die Zukunft der Niederlande."

Inzwischen hat sich auch der niederländische Premier eingeschaltet: "Es ist widerlich und asoziales Verhalten", verurteilte Mark Rutte die Attacken auf Simons. Die Staatsanwaltschaft hat zudem Ermittlungen aufgenommen.

Simons ist als Zweijährige mit ihren Eltern aus der früheren Kolonie Surinam in die Niederlande gekommen. Sie warf Niederländern schon vor den Vorfällen der vergangenen Tage "strukturellen Rassismus" vor.

Gegen die "Islamisierung" und "Überfremdung"

"Rassismus und Diskriminierung sitzen hartnäckig tief in unserer Gesellschaft", sagte der Fraktionsvorsitzende der sozialdemokratischen Regierungspartei, Diederik Samsom, als Reaktion auf die Attacken. In dem Land setzt der Rechtspopulist Geert Wilders seit über zehn Jahren mit Tiraden gegen den Islam und Muslime den Ton. Der Rechtsaußen macht sich stark gegen den "Moloch Brüssel", die "Islamisierung" und die "Überfremdung".

"Rassismus sitzt tief und das schon lange", kommentierte die Amsterdamer Tageszeitung "Het Parool". Auch ein Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen stellte 2015 Rassismus in den Niederlanden fest.

vks/dpa



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