Syrien 13 iranische Revolutionsgardisten in Aleppo getötet

In Aleppo sind offenbar mehrere iranische Elitekämpfer getötet worden. Dennoch scheint die Waffenruhe in der syrischen Stadt weitgehend zu halten - zahlreiche Bewohner kehren zurück.

Schulkinder in Aleppo
AFP

Schulkinder in Aleppo


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In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo sind offenbar 13 Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Das gab ein IRGC-Sprecher in der nordiranischen Provinz Masanderan laut Nachrichtenagentur dpa bekannt. 21 weitere seien in Gefechten in den vergangenen Tagen im Norden Syriens verletzt worden, berichteten demnach die iranischen Nachrichtenagenturen Irna und Fars.

Iran unterstützt im Krieg in Syrien das Regime von Präsident Baschar al-Assad im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Laut Teheran sind aber keine iranischen Truppen in Syrien stationiert. Die Revolutionsgarden agieren lediglich als militärische Berater der syrischen Armee, heißt es. Seit 2015 tötete der IS Dutzende IRGC-Kämpfer in Aleppo, darunter auch einen Kommandeur. Bisher gibt es keine Auskunft darüber, wer für die jüngsten Morde verantwortlich ist.

Die Feuerpause, die in der Nacht um 72 Stunden verlängert worden war, wurde Anwohnern zufolge zumindest in Aleppo weitgehend eingehalten. Der Aktivist Mahmud al-Schami berichtete der dpa, es seien keine Flugzeuge zu hören gewesen.

Bewohner kehren nach Aleppo zurück - 70 Tote trotz Waffenruhe

Zahlreiche vor Luftangriffen und Kämpfen geflohene Bewohner sind nun Berichten zufolge in die syrische Stadt zurückgekehrt. Mehrere Familien begaben sich wieder in ihre Häuser in den von Rebellen kontrollierten Stadtvierteln, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichtete. Auch die Schulen und Geschäfte öffneten wieder.

"Ich habe mich entschieden mit meiner Familie zurückzukehren, nachdem mir Angehörige versichert haben, dass wieder Ruhe eingekehrt ist", sagte Abu Mohammad, ein Vater von sechs Kindern aus dem Stadtviertel Kallasseh. "Wir sind geflohen, weil es hier Massaker gab, die Luftangriffe waren unglaublich." Er hoffe, nicht erneut fliehen zu müssen, fügte er hinzu. Ein Lehrer im Stadtteil Schaar sagte, fast alle Schüler seien zum Unterricht zurückgekehrt.

In den Regionen Deir Essor, Damaskus, Homs und Daraa wurde allerdings trotz der Waffenruhe auch am Samstag gekämpft. Nach Informationen der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei den Kämpfen mehr als 70 Menschen ums Leben. Den Aufständischen sei es gelungen, die Ortschaft Chan Tuman wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Zu den Rebellen gehöre die mit Al-Qaida verbündete Nusra-Front. Der Ort liegt in der Nähe der wichtigen Fernverkehrsstraße zwischen Damaskus und Aleppo.

Steinmeier: "Aufgeben und Wegsehen ist keine Option"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Bundesregierung arbeite nach dem "rücksichtslosen Bombardement" auf Krankenhäuser und ein Flüchtlingslager in Syrien nun umso intensiver daran, die Waffenruhe zu retten. "Aufgeben und Wegsehen" sei in Syrien "keine Option", sagte er. Es sollten vielmehr Bedingungen für die Fortsetzung der Syrien-Konferenz geschaffen werden.

"Es gibt keine militärische Lösung, nur politische Verhandlungen können Syrien wieder Frieden bringen", sagte Steinmeier in dem Interview. Zwar verfolge Russland in Syrien eigene Ziele. "Aber auch Moskau hat kein Interesse, dass Syrien als Staat völlig zerfällt und auf Dauer zum Hort von islamistischem Terrorismus, Chaos und Anarchie wird", sagte der SPD-Politiker weiter.

Immerhin gebe es inzwischen einen von allen Seiten akzeptierten Rahmen, in dem alle entscheidenden Akteure - die USA und Russland, aber auch die Türkei, Iran und Saudi-Arabien - miteinander sprächen, sagte Steinmeier. "Darauf müssen wir aufbauen. Weitere fünf Jahre Krieg, Flucht und Zerstörung in Syrien können wir uns nicht leisten", fügte der Außenminister hinzu.


Zusammengefasst: Die in der Nacht verlängerte Feuerpause in Aleppo wurde Anwohnern zufolge bisher weitgehend eingehalten. Viele Bewohner kehrten in ihre Häuser zurück. In anderen Regionen Syriens kam es aber erneut zu Kämpfen: 70 Menschen kamen dabei offenbar ums Leben. In Aleppo wurden offenbar 13 iranische Revolutionsgardisten getötet. Außenminister Steinmeier appelliert an die Konfliktparteien, eine politische Lösung für Syrien zu finden und die Friedensverhandlungen voran zu bringen.

kry/dpa/AFP/Reuters



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