Syrien 2600 Menschen starben beim Aufstand gegen Assad

Bei den Protesten in Syrien sind nach neuesten Angaben der Uno 2600 Menschen getötet worden - Aktivisten melden immer neue Opfer. Ein Organisator des Aufstands gegen Präsident Assad wurde mit Folterspuren am Körper tot seiner Familie übergeben.


Genf - Seit sechs Monaten protestieren in Syrien die Menschen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad - nach Schätzungen der Uno hat der Aufstand bisher mindestens 2600 Menschen das Leben gekostet. Die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, erklärte, die Zahl basiere auf verlässlichen Quellen vor Ort. Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden zudem mehr als 70.000 Menschen festgenommen. 15.000 von ihnen sind demnach noch in Haft. Eine Beraterin Assads erklärte unterdessen, bei den Unruhen seien 1400 Menschen ums Leben gekommen - 700 auf Seiten der Demonstranten und 700 auf Seiten der Sicherheitskräfte.

Der Uno-Menschenrechtsrat hatte nach einer Krisensitzung zur Lage in Syrien kürzlich die Regierung in Damaskus aufgefordert, das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten zu beenden.

Der Appell blieb wirkungslos: Armee und Milizen gehen nach Angaben von syrischen Aktivisten weiter gewaltsam gegen Regimegegner vor. Seit Sonntag seien acht Zivilisten getötet worden, hieß es am Montag. Die Aktivisten riefen auf ihren Websites für Dienstag zu landesweiten Protesten unter dem Motto "Dienstag der Wut über Russland" auf. Die syrische Opposition hatte die russische Führung zuletzt davor gewarnt, den gleichen "Fehler" zu begehen, wie im Falle des Aufstandes in Libyen, wo Moskau mit der Anerkennung des Übergangsrates zu lange gezögert habe.

Wie brutal das Regime gegen Widersacher vorgeht, zeigt der Tod des Menschenrechtsaktivisten Ghijath Matar. Matar, einer der Organisatoren der Proteste gegen die Regierung von Präsident Assad, war am Dienstag festgenommen worden. Am Samstag wurde seine Leiche seiner Familie übergeben. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zeigte sie mit Verletzungen an der Brust und im Gesicht klare Zeichen von Folter. Die USA machten jetzt Angaben zu dem Fall: Matar sei in Gewahrsam der Sicherheitskräfte gestorben, erklärte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Die USA verurteilten Matars Tod "auf das Schärfste".

Golfkooperationsrat fordert Ende der Gewalt

Nuland erklärte, Matars Mut angesichts der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung sei in seiner Heimatstadt Daraja und in ganz Syrien bekannt. Er sei der "verachtenswerten Gewalt" der syrischen Regierung mit friedlichem Protest entgegengetreten. Damit sei er ein Vorbild für das syrische Volk. Die Sprecherin forderte Assad erneut zum Rücktritt und zu einem Ende der Gewalt auf. Die USA unterstützten die Syrer bei ihrem "Widerstand gegen Tyrannei".

Auch die Golfstaaten forderten ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Außenminister der sechs im Golfkooperationsrat zusammengeschlossenen Länder forderten am Sonntag nach einem Treffen im saudi-arabischen Dschiddah ein "sofortiges Ende der Tötungsmaschinerie" in Syrien und die Umsetzung "ernsthafter Reformen". Zum Golfkooperationsrat gehören Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar. Sie hatten erstmals Anfang August ein Ende des "Blutvergießens" in Syrien gefordert.

Syriens Regierungschef Adel Safar verabschiedete unterdessen eine Verordnung zum neuen Parteiengesetz. Das von der Opposition seit Jahren geforderte Gesetz soll die Gründung neuer Parteien erleichtern. Aus Sicht der meisten Oppositionellen ist dies jedoch kein Reformschritt, der ausreichen würde, um sie von ihrem Ruf nach einem Sturz des Regimes abzubringen. Weiterhin verboten bleiben nach dem neuen Gesetz Parteien auf religiöser Basis.

anr/dpa/dapd/AFP

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Oberleerer 12.09.2011
1. .
Am Dienstag verhaftet und am Samstag tot zurückgebracht? Ups, hat das Regime einen Mätryrer geschaffen? Es sind solche Einzelereignisse, die Auslöser für große Revolutionen werden.
sprechweise, 12.09.2011
2. Botschaft
Zitat von sysop2600 Menschen sind nach neuesten Schätzungen der Uno bei den Protesten in Syrien getötet worden - Aktivisten melden immer neue Opfer.*Ein Organisator des Aufstands gegen Präsident Assad wurde mit Folterspuren am Körper tot seiner Familie übergeben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785742,00.html
Mal sehen ob in Ägypten nun die syrische Botschaft gestürmt wird. Dafür hätte ich jetzt mehr Verständnis als bei der israelischen Botschaft, dann würde es um Menschen gehen. Ansonsten muss man den Sturm auf die Israelische Botschaft als verlogene Aktion aus dümmlichen Hass verstehen.
heinz.mann 12.09.2011
3. Wo sind die Nato- Bomber ...
zum Schutz der Zivilbevölkerung? Ach ja, Syrien hat ja kein Öl, Entschuldigung, hatte ich vergessen.
atherom 12.09.2011
4. Mit dem dümmlichen Hass liegen Sie nicht falsch,
Zitat von sprechweiseMal sehen ob in Ägypten nun die syrische Botschaft gestürmt wird. Dafür hätte ich jetzt mehr Verständnis als bei der israelischen Botschaft, dann würde es um Menschen gehen. Ansonsten muss man den Sturm auf die Israelische Botschaft als verlogene Aktion aus dümmlichen Hass verstehen.
aber so funktioniert halt die Welt heutzutage. Man könnte auch fragen, wo Erdogan bleibt, aber hier musste zum Hass Kalkül dazu addiert werden.
alnemsi 12.09.2011
5. Zum Frühstück nach Damaskus?
Zitat von sprechweiseMal sehen ob in Ägypten nun die syrische Botschaft gestürmt wird. Dafür hätte ich jetzt mehr Verständnis als bei der israelischen Botschaft, dann würde es um Menschen gehen. Ansonsten muss man den Sturm auf die Israelische Botschaft als verlogene Aktion aus dümmlichen Hass verstehen.
Interessant, wie Sie zu hundertprozent von Thema abweichen, in diesem neuen Thema nun unmittelbar Stellung beziehen und sich sogar noch sozusagen präventiv beleidigend äußern. Für mich ist diese Art der Diskussionsführung sehr schwer nachzuvollziehen. Dass die Erstürmung der israelischen Botschaft offensichtlich orchestriert war, müsste Ihnen als jemandem mit starker Meinung und deshalb zwingenderweise auch starkem Informationshintergrund doch klar sein. Weshalb sich also über ein für die Medien inszeniertes Spektakel echauffieren? Für mich persönlich reicht schon der Eindruck, dass PressTV in der vorhergehenden Woche insgesamt dreimal von den voranschreitenden Mauerbauten und winzigen Demonstrationen vor der Botschaft berichtet hat, und beim Sturm passenderweise auch mit Übertragungswagen in der Nähe war. Auch gibt es soweit ich mir vorstellen kann keine Art von intelligentem Hass. Dass es in der gesamten arabischen Welt kaum Sympathiedemonstrationen für die syrische Revolution gibt, scheint in Ihrem Beitrag auch egal zu sein. Und weshalb genau Sie mehr Verständnis für die Stürmung der syrischen Botschaft haben, bleibt mir ebenfalls verschlossen, schließlich ist Assad noch immer sehr beliebt, mindestens außerhalb Syriens, abgesehen davon verhindert sein Verbleiben im Amt ähnliche "verlogene", aus "dümmlichem Hass" entstehende Exzesse in Damaskus. "Dann würde es um Menschen gehen". Das erklärt natürlich alles, schließlich sind die seit Jahrezehnten millionenfach in Flüchtlingslagern lebenden Palästinenser keine Menschen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.