Syrien Mindestens 42 Tote und Dutzende Verletzte nach US-Luftangriff

Bei der Bombardierung eines Dorfes nahe Aleppo sollen 42 Menschen in einer Moschee getötet worden sein. Die Amerikaner sprechen von einem "präzisen Angriff", bestreiten aber die Attacke auf ein islamisches Gebetshaus.

Aleppo (Archivbild von einem Sandsturm am 10 März 2017)
AFP

Aleppo (Archivbild von einem Sandsturm am 10 März 2017)


Bei einem Luftangriff auf eine Moschee bei Aleppo im Westen Syriens seien mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zunächst ohne weitere Angaben. Mehr als hundert Menschen seien zudem verletzt worden. Viele von ihnen lägen noch unter den Trümmern des Gebäudes. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bewertet den Bürgerkrieg in Syrien durch verschiedene Kontakte im ganzen Land.

Getroffen wurde demnach eine Moschee in dem Ort Al-Dschinnah westlich von Aleppo, während dort Gläubige zum Abendgebet zusammengekommen waren. Lokale Aktivisten berichteten, es seien etwa 300 Menschen in der Moschee gewesen. Das Dorf ist derzeit in der Hand syrischer Rebellen.

Die US-Streitkräfte teilten mit, dass sie einen Luftangriff auf eine Versammlung von Al-Qaida in der Provinz Idlib ausgeführt hätten, bei dem mehrere Terroristen getötet worden seien. "Idlib war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Rückzugsort für Al-Qaida", hieß es in einem Statement des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos (Centcom). "Wir haben keine Moschee angegriffen, aber das Gebäude, auf das wir gezielt haben - wo das Treffen stattgefunden hat - ist etwa 15 Meter von einer Moschee entfernt, die noch steht", sagte Centcom-Sprecher John Thomas. Es habe sich um einen "präzisen Angriff" gehandelt.

Der Sprecher erläuterte anschließend, dass der genaue Ort des Luftangriffs unklar sei, dass es sich aber wohl um denselben Angriff handele, der die Moschee im Dorf Al-Dschinnah in der Nachbarprovinz Aleppo getroffen habe.

Auch wenn man ein legitimes Ziel getroffen habe, werde es eine Untersuchung geben, ob bei dem Angriff auch unbeteiligte Zivilisten getötet oder verletzt worden seien, so der Sprecher.

Auf Bildern, die von Rebellen vorgelegt wurden, und die angeblich den Angriffsort und die Moschee zeigten, war entgegen den Angaben des Centcom-Sprechers ein völlig zerstörtes Gebäude zu sehen. Laut der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind die meisten Opfer Zivilisten. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien, von unabhängiger Seite sind ihre Angaben kaum zu überprüfen.

In Syrien gilt eigentlich seit Ende Dezember eine Waffenruhe. Der Kampf gegen Dschihadisten ist von der Waffenruhe ausgenommen. Sowohl die syrischen Streitkräfte und ihre russischen Verbündeten als auch die US-geführte Anti-IS-Koalition fliegen Luftangriffe in Nordsyrien. Im Januar flog zudem die Türkei dort erstmals gemeinsame Luftangriffe mit Russland.

koe/max/dpa/Reuters/AFP



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