Anschlag in Syrien 68 Kinder unter den Todesopfern

Einen Tag nach dem Bombenanschlag auf Busse im Norden Syriens ist die Zahl der Toten auf 126 gestiegen. Mehr als die Hälfte von ihnen waren nach Angaben von Aktivisten Kinder.


Zunächst gab es ungenaue Angaben zu den Opfern, jetzt wird klar: Bei dem Bombenanschlag auf Busse im Norden Syriens sind 126 Menschen gestorben. Das berichtet die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Opfern seien 68 Kinder und 13 Frauen. Zudem gebe es viele Verletzte.

Eine Autobombe war am Samstag westlich der Stadt Aleppo explodiert, wo Busse mit vertriebenen Syrern auf ihre Weiterfahrt warteten. Sie sollten im Zuge eines Abkommens in Gebiete gebracht werden, die unter Kontrolle der Regierung stehen. Laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte der Selbstmordattentäter am Steuer eines Transporters mit Lebensmittelhilfen gesessen, er habe den Sprengsatz in der Nähe der rund 75 Busse gezündet.

Papst verurteilt Angriff

Noch immer ist unklar, wer für das Attentat in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Raschidin verantwortlich ist. Niemand bekannte sich zu der Tat. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von "Terroristen". Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken.

Papst Franziskus verurteilte den Angriff in seiner Osterbotschaft."Die letzte schändliche Attacke auf Flüchtlinge hat zahlreiche Tote und Verletzte gefordert", sagte er vor 60.000 Gläubigen auf dem Petersplatz. "Möge [der Herr] vor allem in diesen Tagen die Anstrengungen derjenigen unterstützen, die sich für (...) die Zivilbevölkerung in Syrien einsetzen, die Opfer eines Krieges geworden sind, der nicht aufhört, Horror und Tod zu säen."

Auch das Auswärtige Amt äußerte sich zu dem Attentat. Die Nachricht von dem Anschlag sei "tief erschütternd", erklärte ein Sprecher. "Erneut sind Menschen in Syrien Opfer eines hinterhältigen Attentats geworden. Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen."

Kritik am "Zwangsbevölkerungsaustausch"

An Bord der Busse waren rund 5000 Menschen, die zuvor im Zuge eines Abkommens aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja gebracht worden waren. Sie mussten in Al-Raschidin stundenlang warten, weil die Umsetzung des Abkommens stockte. Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaja und Sabadani verlassen.

Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt. Nach der Explosion wurde der Transport der umgesiedelten Syrer fortgesetzt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben.

eth/dpa/AFP

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