Bürgerkrieg in Syrien Aleppo erlebt schwerste Kämpfe seit fast zwei Jahren

Rebellen beschießen Armeestützpunkte, Regierungsjets werfen Fassbomben auf Wohnviertel: Aleppo wird von den schwersten Gefechten seit 2012 erschüttert. Die Aufständischen wollen die Geheimdienstzentrale in der Stadt einnehmen.

AFP

Aleppo - Die zweitgrößte Stadt Syriens wird von den schwersten Kämpfen seit Mitte 2012 erschüttert. Regierungstruppen und Rebellengruppen liefern sich in Aleppo seit Tagen heftige Gefechte um die Geheimdienstzentrale der syrischen Luftwaffe im Stadtteil Sahra. Dabei soll es auf beiden Seiten zahlreiche Opfer gegeben haben.

Aufständische hatten Mitte 2012 zum Sturm auf Aleppo gerufen. Sie konnten die östlichen Teile der Zwei-Millionen-Einwohnermetropole einnehmen, seither ist die Frontlinie nahezu unverändert.

  • Große Teile der historischen Altstadt mit dem kilometerlangen Basar, die zum Weltkulturerbe gehört, liegen mittlerweile in Trümmern.
  • Hunderttausende Menschen sind vor Gewalt und Hunger geflüchtet, viele von ihnen haben in der Türkei Zuflucht gefunden, die Grenze liegt knapp 50 Kilometer entfernt.

In den vergangenen Tagen haben die Rebellen zum ersten Mal seit langer Zeit in verschiedenen Stadtvierteln Aleppos Geländegewinne erzielt. Mit einem Sturm auf den Bezirk Ramusa versuchen sie, der Armee den Versorgungsweg vom Flughafen zu einer wichtigen Militärbasis abzuschneiden. Gleichzeitig rücken Kämpfer islamistischer Rebellengruppen auf die Geheimdienstzentrale vor.

Assads Armee wirft Fassbomben ab

Das Regime setzt derweil seine Terrorkampagne gegen die Zivilbevölkerung fort. Die Luftwaffe habe aus Hubschraubern mehrere Fassbomben über Gebiete abgeworfen, die von der Opposition gehalten werden. Fassbomben sind mit Sprengstoff und Metall gefüllte Behälter, die aus Flugzeugen und Hubschraubern abgeworfen werden. Dabei sollen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag neun Menschen getötet worden sein. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle berief sich auf Mitteilungen von Anwohnern.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete dagegen Erfolge der Regierungsarmee. Die Truppen hätten den Angriff auf den Geheimdienst abgewehrt, auch in anderen Vierteln sei das Militär erfolgreich gewesen. Die Opfer auf der anderen Seite seien ausschließlich Terroristen gewesen - so bezeichnet das Regime von Baschar al-Assad seit Beginn des Aufstands jeden Oppositionellen.

syd/AFP



insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
Pränki 12.04.2014
1.
"Das Regime setzt derweil seine Terrorkampagne gegen die Zivilbevölkerung fort." Das soll man glauben?
hastdunichtgesehen 12.04.2014
2. Die Aufständischen werden auch
über die Türkei mit US-Waffen beliefert. Das weiss mittlerweile jeder. Diese westliche Bigotterie zu den zivilen Opfern ist einfach nur ekelhaft.
jesse01 12.04.2014
3. Problem Luftwaffe !!!
Ich habe es schon öfter erwähnt, solange Assad seine Luftwaffe hat, braucht er keine Armee !! Er kann quasi nur mit seinen treuen Milizen und den Hisbollah sowie ein paar Fässern Bezin plus 2,3 Jets noch Jahre aushalten ! Einfach ein paar Streubomben abwerfen. Bisher war das immer seine Taktik. Sobald die Rebellen einen Geländegewinn erzielen kommt ein Jet daher und bombt alles weg wie Ameisen. Der Westen schaut feige zu, wie Assad mit seiner Gang ein ganzes Land tyrannisiert, anstatt einzugreifen. Wie in Bosnien damals. Bin mal gespannt, wann der Westen reagiert. Ewig kann man nicht mehr wegsehen.
edmond_d._berggraf-christ 12.04.2014
4. Der Kampf um Aleppo: Eine Entscheidungsschlacht?
Während die syrische Regierung den Sturm der Rebellen auf die Hauptstadt abgeschlagen hat und in der Landesmitte und an der Küste einige Erfolge erringen konnte, ist es den Rebellen gelungen Aleppo förmlich zu belagern; und daher muß die Regierung nun wohl alle Kräfte in die Schlacht werfen, um die wichtigste Stadt des Norden zu entsetzen. Neben dem möglichen Verlust der dortigen Truppen und die wahrscheinlichen Niedermetzlung der religiösen Minderheiten und der Regierungsanhänger durch die Rebellen, wären hier politischen Wirkungen verheerend; denn gelangen die Rebellen in den Besitz Aleppos, so können sie dort leicht eine Gegenregierung bilden und diese dann die VSA förmlich zur Hilfe rufen, eben ganz so wie dies in Libyen geschehen ist. Schlimmer wäre aber noch die moralische Erschütterung der Regierungstruppen, der Beamten und der Anhängerschaft, die dadurch Zweifel an der Möglichkeit eines glücklichen Widerstandes bekommen und daher an ihre eigene Rettung denken könnten. Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!
karlheinzknowsbrowski 12.04.2014
5.
Zitat von hastdunichtgesehenüber die Türkei mit US-Waffen beliefert. Das weiss mittlerweile jeder. Diese westliche Bigotterie zu den zivilen Opfern ist einfach nur ekelhaft.
was tun? http://www.youtube.com/watch?v=2wWQMOmhAAQ&list=UUr6VVXep3Fs5EOtjMK3i2AQ
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