Amnesty-Bericht Syrische Regierung foltert Gefangene zu Tode

Amnesty International wirft dem syrischen Regime vor, Häftlinge massiv zu foltern - und legt einen "Katalog von Horrorgeschichten" vor. Rund 18.000 Gefangene seien im Bürgerkrieg bereits gestorben.

Handschellen in syrischem Gefängnis
REUTERS

Handschellen in syrischem Gefängnis


Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren sind laut Menschenrechtlern in den Gefängnissen des Regimes fast 18.000 Menschen ums Leben gekommen. In einem neuen Bericht wirft die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Damaskus Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und fordert, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.

Der Bericht stützt sich auf die Aussagen von 65 früheren Häftlingen in syrischen Gefängnissen. Der "Katalog von Horrorgeschichten" zeige in "grausamen Details die fürchterliche Misshandlung von Insassen", erklärte Amnestys Nahost-Direktor Philip Luther. Folter sei Teil von systematischen und weit verbreiteten Übergriffen gegen jeden, der unter dem Verdacht stehe, gegen die Regierung zu sein.

Katastrophale Haftbedingungen, Folter und Misshandlung

Die Bedingungen in den Haftanstalten der syrischen Geheimdienste und der Regierung seien katastrophal. Die Häftlinge seien vom ersten Moment an schwerer Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt, heißt es in dem Bericht. Vermeintlich Oppositionelle liefen Gefahr, jederzeit von syrischen Sicherheitskräften festgenommen und gefoltert zu werden.

"Die von Amnesty dokumentierten Menschenrechtsverletzungen sind ein schockierender Bestandteil der systematischen Angriffe der syrischen Regierung und ihrer Verbündeten gegen die Zivilbevölkerung", sagt René Wildangel, Syrien-Experte von Amnesty International in Deutschland. "Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, die Opfer brauchen medizinische und psychologische Versorgung."

Besonders berüchtigt ist laut dem Bericht das Militärgefängnis Saydnaya nördlich von Damaskus. "Katastrophale Haftbedingungen, Hunger und systematische Folter machen dieses Gefängnis zu einer regelrechten Hölle für seine Insassen", sagt Wildangel.

Amnesty fordert die Bundesregierung auf, insbesondere gegenüber Russland und den USA dafür einzutreten, dass bei den Friedengesprächen dem Schutz der Menschenrechte höchste Priorität eingeräumt wird.

kry/dpa



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