Angriff auf Hilfskonvoi USA stellen Syrien-Kooperation mit Russland infrage

In Syrien ist die Waffenruhe beendet, Hilfslieferungen werden gestoppt. Zwischen Russland und den USA verschärfen sich die Spannungen. Der Grund: Ein Luftangriff auf einen Uno-Konvoi nahe Aleppo.

Verstreute Hilfsgüter nahe Aleppo
AFP

Verstreute Hilfsgüter nahe Aleppo


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Nach den Luftangriffen auf einen Hilfskonvoi nahe der belagerten Stadt Aleppo stellt die US-Regierung ihre Zusammenarbeit mit Russland offen infrage. Das Ziel des Konvois aus Lastwagen der Vereinten Nationen und des Roten Halbmonds sei sowohl der syrischen wie der russischen Regierung bekannt gewesen, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums John Kirby. "Und dennoch wurden die Helfer getötet, während sie versuchten, den Menschen in Syrien beizustehen." Die US-Regierung werde die Bombardierung direkt mit Moskau thematisieren, kündigte Kirby an. "Angesichts der ungeheuerlichen Verletzung der Waffenruhe werden wir die weiteren Aussichten einer Zusammenarbeit mit Russland neu bewerten", fügte er hinzu. Das Rote Kreuz teilte mit, geplante Hilfslieferungen wegen des Luftangriffs zu verschieben. Auch die Uno teilte mit, alle Hilfslieferungen seien gestoppt.

Schon zuvor hatten sich ranghohe Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama skeptisch über die Chancen geäußert, die mit Russland ausgehandelte Waffenruhe für Syrien nach dem Bombardement noch retten zu können. Die Ereignisse hätten erhebliche Zweifel aufgeworfen, ob Russland seinen Teil der Vereinbarung zur Befriedung des Landes einhalten könne, sagte ein Vertreter der US-Regierung vor Journalisten. Russland müsse rasch Klarheit darüber schaffen, ob es sich den getroffenen Vereinbarungen noch verpflichtet fühle, sagte ein anderer ranghoher Vertreter der Regierung.

Direkt verantwortlich gemacht hat die US-Regierung Russland bislang nicht für den Angriff auf den Hilfskonvoi für Aleppo. Nach Angaben des internationalen Roten Kreuzes wurden dabei rund 20 Zivilisten und Mitarbeiter getötet, als sie humanitäre Hilfsgüter von den Lastwagen luden. Es sei unklar, ob russische oder syrische Kampfflugzeuge für die Angriffe verantwortlich seien, sagte ein amerikanischer Regierungsvertreter.

Video: Nach dem Angriff auf den Hilfskonvoi für Aleppo

REUTERS

Die Kooperation zwischen den USA und Russland beinhaltet ein Abkommen zwischen den Außenministern Kerry und Lawrow, laut dem Washington und Moskau ihre Angriffe auf die Dschihadisten in Syrien künftig koordinieren wollten. In dem Joint Implementation Center (JIC), das binnen einer Woche arbeitsfähig sein sollte, wollten beide Staaten Informationen über Positionen von IS und Dschabhat Fatah al-Scham austauschen. Angriffe sollten nur dann geflogen werden, wenn beide Seiten zustimmen.

Regimetruppen sollen Dutzende Rebellen getötet haben

Auch der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, zeigte sich schockiert von dem Angriff, bei dem nach Uno-Angaben mindestens 18 der 31 Lastwagen, die im Auftrag der Uno und des syrisch-arabischen Roten Halbmonds unterwegs waren, zerstört wurden. "Unsere Wut über diesen Angriff ist enorm. Der Konvoi war das Ergebnis eines langen Verhandlungsprozesses mit dem Ziel, eingeschlossenen Menschen zu helfen", erklärte eine Sprecherin de Misturas.

Auch die Uno machten zunächst keine Angaben zu den Urhebern des Angriffs. Das syrische Militär äußerte sich nicht zu dem Vorfall. Die Regierung in Damaskus hatte die Waffenruhe am Montag für beendet erklärt und dies mit der Verletzung der Vereinbarungen durch einen US-Angriff auf syrische Soldaten begründet. Bei dem US-geführten Luftangriff auf syrische Regierungstruppen waren am Wochenende Dutzende Soldaten getötet worden.

Heftige Kämpfe erschüttern Syrien am Dienstag: Nach Darstellung des russischen Militärs hat die syrische Armee Angriffe von Rebellen in Aleppo zurückgeschlagen und dabei Dutzende Kämpfer getötet. Um welche Rebellengruppe es sich bei den Angreifern handelte, war zunächst nicht bekannt. An der syrischen Militäraktion hätten sich auch russische Kampfflugzeuge beteiligt, hieß es weiter.

Zuvor hätten die syrischen Truppen im Süden der Großstadt rund 100 Kämpfer der Terrorgruppe Fatah-al-Scham-Front (früher: al-Nusra) getötet, meldete die Agentur Tass unter Berufung auf das russische Militär. Dabei wurden demnach auch mehrere Kampffahrzeuge zerstört.

Zusammengefasst: In Syrien ist die Waffenruhe beendet, heftige Kämpfe erschüttern das Land. Ein Luftangriff auf einen Hilfskonvoi der Uno verschärft die Spannungen zwischen Russland und den USA. Die USA stellen die Kooperation mit Russland infrage.

anr/AFP/Reuters

insgesamt 122 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bimmerfan24 20.09.2016
1.
Das sieht mir sehr nach einer Retourkutsche für den vorangegangenen US-Angriff aus, auch wenn es selbstverständlich, wie so oft, die Falschen trifft.
go-west 20.09.2016
2. Nicht nur Assad,
auch Putin wird büßen. Früher oder später.
MisterD 20.09.2016
3.
Es muss eine Flugverbotszone her, notfalls auch gegen den Willen Russlands. Wenn man die beiden großen asiatischen Diktaturen (Russland und China) jetzt weiterhin machen lässt, was sie wollen, dann wird das ein sehr unangenehmes Jahrhundert für die Welt und Westeuropa im Besonderen. Wer heute unangenehmen Konflikten mit diesen beiden Regionalmächten aus dem Weg geht, wird in naher Zukunft doppelt und dreifache Probleme mit daraus erwachsenen Großmächten haben.
silke_l 20.09.2016
4. Kriegstreiberei...
Man weiß also nicht genau, wer den Konvoi angegriffen hat, aber die Kooperation mit Russland wird in Frage gestellt. Was hier passiert ist Kriegstreiberei aus niederen Gründen. Anstatt den Konflikt zu entschäfen, verschärfen die vermeindlichen "Supermächte" die Lage immer weiter um ... Ja warum eigentlich? Die USA geführte Koalition gegen den Terror hat gezeigt, dass sie nicht in der Lage ist, dem IS auch nur im geringsten etwas entgegen zu setzen. Das dürfen die Kurden erledigen, die dann vom US amerikanischen Außenminister dazu aufgefordert werden, sich doch bitte wieder in den Irak zurück zu ziehen. Hier zeigt sich wieder einmal die tatsächliche "Intelligenz" der Menschheit. Konflikte seit mittlerweile Jahrzehnten im nahne Osten anfeuern und jetzt alles in Schutt und Asche zurück lassen und nicht wollen, dass es friedlich wird. Wer will hier eigentlich wen oder was destabilisieren?
jamey 20.09.2016
5.
Es ist nicht klar, wie viele LKW's zerstört wurden. Was nur klar ist, dass es Russland oder Syrien gewesen sein MUSS. Beweise?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.