Syrien Assad-Gegner rufen zu Volksaufstand auf

Die Wut der Syrer und Jordanier auf ihre Regierungen wächst nach den jüngsten blutigen Ausschreitungen: In Damaskus haben Regimegegner zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Die Opposition in Amman brach den Reformdialog mit den Machthabern ab.

Syrische Regimegegner: Mindestens 55 Tote
AP

Syrische Regimegegner: Mindestens 55 Tote


Damaskus/Amman/Sanaa - Die Zahl der Todesopfer ist erschreckend: Mindestens 55 Menschen sind nach Einschätzung von Amnesty International bei den jüngsten Zusammenstößen in Syrien ums Leben gekommen. Sicherheitskräfte hätten Demonstranten am Freitag in der Stadt Sanamein beschossen, berichtete die Menschenrechtsorganisation. In der Hauptstadt Damaskus seien Menschen festgenommen worden. Lokalen Behörden zufolge wurden mindestens 23 Menschen getötet. Die Gegner von Staatschef Baschar al-Assad lassen sich trotzdem nicht einschüchtern. Am Samstag starteten sie im Online-Netzwerk Facebook einen Aufruf zu einem "Volksaufstand": "Heute, Samstag, ein Volksaufstand in allen syrischen Verwaltungsgebieten", hieß es darin. Dabei wurde ein nicht zu übersetzender arabischer Begriff verwendet, den syrische Aufständische verwendet hatten, als sie sich in den vierziger Jahren gegen die französische Mandatsherrschaft auflehnten.

Die syrische Regierung war am Freitag gegen Demonstranten im ganzen Land vorgegangen, die Reformen forderten. Augenzeugen berichteten, Sicherheitskräfte hätten in mehreren Städten das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Es habe mehrere Opfer gegeben. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete am Samstag, eine Gruppe Bewaffneter habe am Freitag einen Offiziersclub in der Stadt Homs angegriffen und einen Menschen getötet. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden.

Die Proteste in Syrien waren am 18. März in Daraa im Süden des Landes ausgebrochen und breiteten sich auf die Städte Salamein, Daael, Duma, Banias, Hama sowie auf die Hauptstadt Damaskus aus.

Jordanische Regierung: Werden kein Chaos akzeptieren

In Jordanien ist der von König Abdullah II. angestoßene Reformdialog nach den jüngsten Ausschreitungen beendet: Die Islamische Aktionsfront (IAF), die stärkste Oppositionspartei des Landes, kündigte nach den blutigen Unruhen am Samstag an, den von Ministerpräsident Maruf Bachit geleitete Nationalen Dialogausschuss zu verlassen. Auch andere Oppositionsparteien zogen sich aus dem Gremium zurück, das bislang alle wesentlichen politischen Strömungen umfasst hatte.

Ministerpräsident Bachit hatte in der Nacht zuvor in einem Fernsehinterview die konservativ-islamische IAF und die hinter ihr stehende Muslimbruderschaft beschuldigt, die Ausschreitungen am Freitag provoziert zu haben. Diese Kräfte würden "mit dem Feuer spielen", sagte er. Zuvor hatte er bereits damit gedroht, die chaotischen Zustände im Land nicht länger zu tolerieren.

Zu den Zusammenstößen kam es, nachdem jugendliche Pro-Demokratie-Aktivisten auf dem Nasser-Platz in Amman Zelte für eine Dauerbesetzung aufgestellt hatten. Zuerst wurden sie von Regierungsanhängern mit Steinen, dann von der Polizei mit Schlagstöcken und Wasserwerfern angegriffen und am Ende vertrieben. Nach Angaben des jordanischen Innenministerium wurden zwei Menschen getötet. Einer von ihnen sei ein Regierungssympathisant gewesen. Bei 58 der 120 Verletzten habe es sich um Polizisten gehandelt.

Mit der unterbundenen Besetzung des Platzes hatten die Regierungsgegner Druck auf die Regierung Bachit ausüben wollen - nach dem Vorbild der ägyptischen Jugendbewegung auf dem Tahrir-Platz in Kairo, die im Februar den Sturz von Präsident Husni Mubarak bewirkt hatte. Die jungen Leute gehörten keiner Partei oder politischen Gruppierung an. Sie hatten sich über Internetplattformen wie Facebook organisiert, um Neuwahlen unter demokratischen Bedingungen zu verlangen.

Der von Bachit gelenkte Dialogausschuss hatte in den zwei Wochen seit seiner Konstituierung keine Fortschritte erzielt. König Abdullah II. hatte den altgedienten Politiker am 1. Februar eingesetzt und mit der Ausarbeitung von Reformen beauftragt. Die Opposition misstraut Bachit, dem sie in seiner ersten Ministerpräsidentschaft (2005-2007) Manipulationen bei der Parlamentswahl im November 2007 vorgeworfen hatte.

Machtwechsel im Jemen noch am Samstag denkbar

Im Jemen mehren sich nach wochenlangen Massenprotesten die Zeichen für einen Machtwechsel an der Spitze des arabischen Landes. Er hoffe, dass noch am Samstag eine Vereinbarung gefunden werde, sagte der amtierende Außenminister Abubakr al-Kirbi der Nachrichtenagentur Reuters. Präsident Ali Abdullah Saleh sei bereit, sämtliche Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Alle Seiten seien sich einig, dass ein Kompromiss gefunden werden müsse. Der Zeitrahmen für einen Wechsel sei Verhandlungssache.

Am Vortag hatte Präsident Saleh gesagt, er sei unter bestimmten Bedingungen zu einem Rückzug bereit, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. In Sanaa hatten Zehntausende Salehs sofortigen Rücktritt gefordert. Die USA und das an den Jemen grenzende Saudi-Arabien fürchten bei einem Rückzug Salehs ein Machtvakuum, das die im Land aktive Extremistengruppe al-Qaida weiter stärken könnte.

yes/AP/Reuters



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AlteRatte 26.03.2011
1. Natürlich alle erschiessen . . .
Zitat von sysopDie*Wut in Syrien und Jordanien*auf ihre Regierungen wächst nach den jüngsten blutigen Ausschreitungen:*In Damaskus haben Regimegegner*zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Die Opposition in Amman brach den Reformdialog mit den Machthabern ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753329,00.html
weiss nur noch nicht ob es die Guten oder die Bösen diesmal sein sollen. Werde mich später festlegen. Erst mal abwarten was die katholische Kirche dazu sagt. mfg Die Ratte
alcaselzar 26.03.2011
2. Muslimbruderschaft und Islamische Aktionsfront diese Namen
Zitat von sysopDie*Wut in Syrien und Jordanien*auf ihre Regierungen wächst nach den jüngsten blutigen Ausschreitungen:*In Damaskus haben Regimegegner*zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Die Opposition in Amman brach den Reformdialog mit den Machthabern ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753329,00.html
klingen nicht allzu sehr nach Demokratiebewegung. Das diese Revolutionäre weder in Libyen noch in Jordanien noch in Syrien ihren Anhängern nach der Machtübernahme eine neue Perspektive bieten können, dürfte klar sein. Das einzige was diese Freiheitskämpfer an der Macht halten wird, ist ein heiliger Krieg zuerst gegen Israel, dann gegen sonstwen und zum Schluss gegen Europa, was ja ohnehin seit dem Unrechtsfrieden von Tours und Poitiers den Muslimen zusteht. Ich sehe nichts konstruktives!
kb26919 26.03.2011
3. Naechstes Ziel der Befreiungstruppe der Nato???
Nicht nur in Libyen schiesst der Diktor auf seine Buerger,Assad tut es ihm gleich ,die ersten Toten und Verletzten wurden schon verzeichnet. Wenn man sich ueberlegt welche Gruende angegeben wurden fuer ein Nato Einsatz dann ist es doch klar dass die Nato auch in Syrien ' helfen ' muss,was mit Elfenbeinkueste?? Yemen,Bahrein wo sogar das benachbarte Saudi Arabien aufgerufen wurde Truppen zu schicken um die Bahreinis wieder ruhig zu stellen? Offenbar wird der Nato nichts uebrige bleiben als eine Art 'Feuerwehr' aufzustellen fuer den Einsatz in den von Buergerkrieg bedroht sind.Laender in denen die Huetten brennen oder zu mindest vor sich hingluehen gibt es en masse.
blurps11 26.03.2011
4. Na was wohl ?
Zitat von kb26919Nicht nur in Libyen schiesst der Diktor auf seine Buerger,Assad tut es ihm gleich ,die ersten Toten und Verletzten wurden schon verzeichnet. Wenn man sich ueberlegt welche Gruende angegeben wurden fuer ein Nato Einsatz dann ist es doch klar dass die Nato auch in Syrien ' helfen ' muss,was mit Elfenbeinkueste?? Yemen,Bahrein wo sogar das benachbarte Saudi Arabien aufgerufen wurde Truppen zu schicken um die Bahreinis wieder ruhig zu stellen? Offenbar wird der Nato nichts uebrige bleiben als eine Art 'Feuerwehr' aufzustellen fuer den Einsatz in den von Buergerkrieg bedroht sind.Laender in denen die Huetten brennen oder zu mindest vor sich hingluehen gibt es en masse.
Die Rechte an den Erdölverokommen dort sind schon für die nächsten Jahrzehnte an Amerikaner und Chinesen verscherbelt, gibt also keinen Grund für einen Einsatz jenseits der paar Alibiblauhelme mit steinzeitlicher Ausrüstung.
sirraucheinviel 26.03.2011
5. Viel zu spät !
Schauen wir doch einfach mal, wie lange das hier geht bevor Sarkozy sagt: Das geht uns nichts an. Hat da noch keiner eine Eingabe bei der UN gemacht ? Wo sind die ganzen Anti-Gaddafi-Einsatz Befürworter die auf einen sofortigen Einsatz hier drängen? Ansonsten ist es doch wieder viel zu spät ! Für Alles ! Wo sind die Diplomaten ? Warum ist Moon nicht da unten ? Warum redet keiner mehr mit den Despoten ? Wozu haben wir überhaupt noch Politiker, ein paar Generäle würden doch mittlerweile reichen ...
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