Krieg in Aleppo Kampfflugzeuge beschießen Krankenhaus

Selbst verwundete Kinder und Frauen sind Ziele im Bürgerkrieg: Kampfflugzeuge des Regimes haben in Aleppo ein Krankenhaus beschossen. Ein Uno-Report wirft Assads Militär und verbündeten Milizen Kriegsverbrechen vor, aber auch den Rebellen - allerdings in geringerem Ausmaß.

REUTERS

Von , Beirut


In Aleppo wurde das wichtigste Notfallkrankenhaus im von der Opposition kontrollierten Stadtteil Schaar mehrmals von Kampfflugzeugen angegriffen. Dies berichten zwei Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die sich in Aleppo aufhalten und die Klinik besuchten.

"Kampfflugzeuge haben das Krankenhaus zweimal innerhalb von drei Tagen angegriffen", sagt Ole Solvang. "Das zeigt, dass es kein Versehen war."

Seit zwei Wochen nimmt das Assad-treue Militär in Syriens größter Stadt immer wieder Wohnviertel unter Artilleriebeschuss, in denen sich bewaffnete Kämpfer aufhalten. Für Zivilisten werden ihre Häuser zur tödlichen Falle.

"Wir waren gerade fertig mit einer Operation und gingen in die zweite Etage hinunter, als die Raketen einschlugen", sagte ein Arzt. "Wenn sie ein paar Minuten vorher eingeschlagen wären, wären wir alle tot."

Nach Angaben der Ärzte haben sich zur Zeit der Angriffe keine Rebellenkämpfer im Krankenhaus befunden, aber Frauen und Kinder, die bei Artillerieangriffen der syrischen Armee auf den Stadtteil verwundet wurden. Nach Angaben des Oberarztes, Mohammed Asi, wurden bei den Raketenangriffen drei Krankenschwestern und ein Arzt verletzt. Vor dem Hospital kamen vier Zivilisten ums Leben, als eine der Raketen ihr Ziel verfehlte.

Die Attacken fanden offenbar in zwei Wellen statt. Bereits am Sonntag sollen sechs Raketen eingeschlagen sein. Am Dienstagnachmittag schlugen drei bis vier weitere Geschosse in die oberen Stockwerke ein, wo sich die Notaufnahme befand. Im vierten Stock fanden sich Reste von etwa einem Dutzend sowjetischer S-5 Raketen. Sie haben eine Reichweite von drei bis vier Kilometern und können von Kampfjets und Kampfhubschraubern abgefeuert werden.

Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte, dass die Assad-treue Armee gezielt Jagd auf Ärzte machte und medizinische Einrichtungen angriff. Verwundete gelten automatisch als mutmaßliche Regimegegner.

Uno-Kommission wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor

Gleichzeitig wird in Aleppo der Hass der Rebellen immer größer. Regelmäßig kommt es zu brutalen Übergriffen der Regimegegner: Im Juli massakrierte eine Miliz nach verschiedenen Angaben zwischen vier und 14 Mitglieder des Berri-Familienclans, denen sie vorwarfen, Assad die Treue zu halten. In den vergangenen Tagen sorgten Videos für Aufsehen, die zeigen sollen, wie Rebellenkämpfer Leichen von getöteten Assad-Soldaten schänden und einem mutmaßlichen Anhänger des Diktators die Kehle durchschneiden. Diese zwei Vorfälle konnten bisher noch nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Aber auch im Rest des Landes nimmt die Gewalt immer weiter zu. So sollen nach Angaben der oppositionellen syrischen lokalen Koordinierungsräte auch um Damaskus, Homs, Lattakia und Deir Ezzor Stadtteile und Vororte erneut von der syrischen Armee unter Artilleriebeschuss genommen worden sein. Allein bis zum Mittag sollen 45 Zivilisten und Rebellenkämpfer ums Leben gekommen sein. In der Hauptstadt Damaskus war es am Morgen zu einer Bombenexplosion gekommen, zu der sich die syrische Opposition bekannte. Dabei wurden drei Menschen verwundet.

Bei einem Luftangriff auf die nordsyrische Rebellenhochburg Asas sind Aktivisten zufolge mehr als 20 Menschen getötet worden. Ein Kampfjet der Luftwaffe habe Raketen auf Gebäude in der Nähe des örtlichen Hauptquartiers der Rebellen abgefeuert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. Unter den Opfern seien sowohl Zivilisten als auch Aufständische, zudem seien vier von elf libanesischen Pilgern schwer verletzt worden, die Ende Mai im Norden Syriens entführt worden waren. Die 70.000-Einwohner-Stadt Asas liegt nördlich der seit Wochen umkämpften Handelsmetropole Aleppo nahe der türkischen Grenze und dient vielen Rebellen als Basis.

Dass in Syrien Kriegsverbrechen nicht nur von Assad-Truppen und den mit ihnen verbündeten Schabiha-Milizen verübt werden, belegt ein Bericht einer unabhängigen Kommission des Uno-Menschenrechtsrats. Allerdings sei das Ausmaß der von den Rebellen verübten Mordtaten deutlich geringer. Die Assad-Truppen seien für das Massaker von Hula mit mehr als hundert getöteten Zivilisten verantwortlich, hieß es in dem Report. Mord, Folter und sexuelle Gewalt "deuten auf eine Beteiligung höchster Regierungs- und Militärkreise hin".

Der Bericht, der vom Rat am 17. September diskutiert werden soll, bezieht sich auf die Zeit zwischen Mitte Februar und Juli dieses Jahres.

Mit Material von AFP

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zompel 15.08.2012
1. Den Satz finde ich gut
Zitat von sysopREUTERSSelbst verwundete Kinder und Frauen sind Ziele im Bürgerkrieg: Kampfflugzeuge des Regimes haben in Aleppo ein Krankenhaus beschossen. Eine Uno-Report wirft Assads Militär und verbündeten Milizen Kriegsverbrechen vor, aber auch den Rebellen - allerdings in geringerem Ausmaß. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850195,00.html
"Diese zwei Vorfälle konnten bisher noch nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. " Was konnte denn bisher von unabhängiger Seite bestätigt werden ? In D. kann man doch nur von manipulativen Krawallberichten lesen, die immer nur eine Seite beschuldigen
bloub 15.08.2012
2. s-5
laut wikipedia eine ungelenkte rakete, dann können 2 treffer in 3 tagen zufall sein. vieleicht sollte sich der hrw-vertreter vorher richtig informieren, bevor er irgendetwas behauptet.
proanima 15.08.2012
3. Türkische Geheimdienstoffiziere und mehr festgenommen...
Zitat von sysopREUTERSSelbst verwundete Kinder und Frauen sind Ziele im Bürgerkrieg: Kampfflugzeuge des Regimes haben in Aleppo ein Krankenhaus beschossen. Eine Uno-Report wirft Assads Militär und verbündeten Milizen Kriegsverbrechen vor, aber auch den Rebellen - allerdings in geringerem Ausmaß. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850195,00.html
Komisch, dass diese Meldung vom 07. August SPON nicht erreichte, z.B.: Offiziere aus Türkei und Saudi-Arabien in Syrien gefangen genommen | Politik | RIA Novosti (http://de.rian.ru/politics/20120807/264141274.html) Aber die nicht europäische Presse meldete dies weltweit. Auszugsweise: "Die Geheimdienst-Offiziere aus Saudi-Arabien und der Türkei, die in der syrischen Stadt Aleppo gefangen genommen wurden, haben Aktionen der bewaffneten Regimegegner in der Stadt koordiniert, berichtet der libanesische Fernsehsender Al Manar..."
robert.haube 15.08.2012
4. Grenzenloser Krieg
Die FSA hat in Aleppo nicht nur die Ältesten des Berri-Stammes getötet, sondern heute morgen auch drei Älteste des Stammes der Khafaja. Die Berris haben Rache geschworen und kämpfen auf Seiten der syrischen Armee (SAA). Der Krieg greift jetzt auch immer mehr auf den Libanon über. Der Stamm der al-Mikdad hat heute in Vergeltung einer Entführung eines ihrer Stammesangehörigen drei syrische FSA-Leute gefangen genommen, darunter einen desertierten ehem. General der syrischen Armee. Dieser war für die Organisation des Waffenschmuggels vom Libanon nach Syrien verantwortlich. Saudi Arabien hat aufgrund der sich zuspitzenden Lage im Libanon heute eine Reisewarnung herausgegeben und alle Saudis aufgefordert, den Libanon zu verlassen.
alfredjosef 15.08.2012
5. Nein danke
Nein danke. Wir wollen keinen Luftkrieg, keine Bombardements, keine Flugverbotszone. Bitte, Spiegel, hört auf, billige Propagande zu posten, das Spiel kennen wir inzwischen. Nein danke aj
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