Gebiete verloren Assad räumt Personalmangel in Syriens Armee ein

Mehr als ein Jahr hat Syriens Machthaber Assad nicht mehr öffentlich gesprochen. Nun meldet er sich zu Wort - und gibt Gebietsverluste zu. Er habe nicht genug Soldaten, um das ganze Land zu verteidigen.
Assad-Ansprache (Internetfoto): Erster Auftritt seit längerer Zeit

Assad-Ansprache (Internetfoto): Erster Auftritt seit längerer Zeit

Foto: AFP PHOTO/ HO/ THE OFFICIAL FACEBOOK PAGE OF THE SYRIAN PRESIDENCY

Im Juli 2014 hatte sich Baschar al-Assad - ohne echten Gegenkandidaten - zum dritten Mal zum syrischen Präsidenten wählen lassen. Seitdem jedoch war es ruhig geworden um den Diktator. Ein paar Interviews hat er noch gegeben. Doch öffentliche Auftritte gab es nicht. Nun, mehr als ein Jahr später, trat Assad wieder mit einer Ansprache im Staatsfernsehen auf.

Dabei zeigte er sich gewohnt siegesgewiss ("Das Wort 'Niederlage' existiert im Lexikon der syrischen Armee nicht"), räumte aber einen Personalmangel bei seinen Streitkräften ein.

Die syrische Armee gibt demnach wegen fehlender Soldaten Gebiete im Land zugunsten von strategisch wichtigeren Positionen auf. "Manchmal, unter bestimmten Umständen, müssen wir Gebiete aufgeben, um unsere Kräfte auf die Regionen zu konzentrieren, die wir halten wollen", sagte Staatschef Assad in der Fernsehansprache am Sonntag.

Bereits Ende Mai 2015 war bekannt geworden, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) inzwischen mehr als die Hälfte des syrischen Territoriums beherrscht. Allerdings handelt es sich bei den Gebieten, in denen die Miliz dominiert, zu großen Teilen um Wüste. Den restlichen Teil Syriens, also vor allem den dicht besiedelten Westen, halten die Assad-Truppen und IS-feindliche Rebellengruppen.

"Die Armee ist schlagkräftig. Alles ist verfügbar, aber uns fehlt Personal", sagte der syrische Machthaber weiter. Die Rebellengruppen bekämen inzwischen zudem deutlich mehr Unterstützung aus dem Ausland, sagte Assad mit Blick auf Saudi-Arabien und die Türkei. Der Krieg werde aber kompromisslos weitergeführt.

Bereits am Samstag hatte Assad eine Generalamnestie für Deserteure erlassen. Der zufolge wird Männern die Strafe erlassen, die sich dem Kriegsdienst durch Flucht ins Ausland oder Untertauchen im Inland entzogen hätten. In dem seit vier Jahren anhaltenden Bürgerkrieg sind Tausende junger Männer desertiert.

Ob sie sich von der Aussage Assads zu einer Rückkehr in die Heimat bewegen lassen, bleibt abzuwarten. Schließlich hatten sie bisher mit härtesten Strafen rechnen müssen.

Assad hatte zuletzt eine Reihe von Rückschlägen in dem Krieg gegen verschiedene Rebellengruppen einschließlich des IS hinnehmen müssen. Seine Truppen verloren den Großteil der nordwestlichen Provinz Idlib und wichtige Gebiete an der Südgrenze des Landes. Im Mai hatte der IS zudem die in Zentral-Syrien gelegene Stadt Palmyra erorbert.

jok/Reuters/AP/dpa
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