Bürgerkrieg Luftangriff der syrischen Armee tötet Dutzende Marktbesucher

Zahlreiche Menschen haben in Syrien den Gang zum Markt mit dem Leben bezahlt. Kampfjets des Regimes haben das Zentrum der Stadt Atarib beschossen. Der Ort befindet sich seit knapp zwei Jahren in der Hand der Rebellen.

Straße in Atarib (Archivbild): Viele Menschen sind unter den Trümmern begraben
AFP

Straße in Atarib (Archivbild): Viele Menschen sind unter den Trümmern begraben


Damaskus/Hamburg - Kampfflugzeuge der syrischen Armee haben einen Gemüsemarkt in der Stadt Atarib beschossen. Bei dem Angriff in dem Ort, der von Aufständischen kontrolliert wird, sind nach Angaben von Oppositionellen mindestens 18 Menschen getötet worden. Andere Quellen sprechen von 25 Todesopfern.

Mindestens drei Kinder sollen bei dem Luftschlag ums Leben gekommen sein. Zahlreiche Menschen seien noch in den Trümmern verschüttet, Augenzeugen fürchten daher, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. Regierungskritische Aktivisten verbreiteten Videoaufnahmen, in denen Leichen zwischen Bergen von Schutt liegen. In einer Sequenz beugt sich eine Frau über einen toten Angehörigen, in einer anderen kümmert sich ein Mann um ein Kind, dem ein Bein abgerissen wurde.

Die Kleinstadt Atarib liegt westlich von Aleppo im Norden Syriens. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hat die Kontrolle über den Ort schon vor etwa zwei Jahren verloren. Anfang des Jahres wehrte die Freie Syrische Armee, zu der sich die Aufständischen in dem Ort zusammengeschlossen haben, auch einen Angriff der radikalislamistischen Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) ab.

Uno beklagt schwere Menschenrechtsverstöße

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon warf den Kriegsparteien in Syrien eklatante Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Beide Seiten würden dringend benötigte Hilfslieferungen an Zivilisten blockieren, klagte der Koreaner. Laut Vereinten Nationen ist 3,5 Millionen Menschen der Zugang zu Hilfsgütern und medizinischer Versorgung verwehrt. Syriens Regierung erschwere mit überbordender Bürokratie die Hilfstransporte, kritisierte Ban. Gegeneinander kämpfende Rebellengruppen erschwerten die Arbeit der Helfer zusätzlich, weil wichtige Transportrouten blockiert werden.

Am Mittwoch hatten die fünf Uno-Hilfsorganisationen eindringlich um mehr Unterstützung für die Menschen in Syrien gebeten. Knapp fünf Milliarden Euro hat die Welt für Hilfsaktionen in Syrien versprochen - bislang ist jedoch noch nicht einmal ein Sechstel davon eingegangen.

syd/AP/Reuters

insgesamt 29 Beiträge
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abc-xyz 24.04.2014
1. Assad und ISIS
Es ist schon sehr auffällig, dass sich die Assad Armee und die ISIS praktisch nirgendwo ernsthaft bekämpfen, aber gegen die FSA sehr brutal vorgehen. Der Angriff zeigt, dass der Westen diese Menschen vor den Tieren dieser beiden Parteien zu lange hat in Stich gelassen.
HeisseLuft 24.04.2014
2. Kann gar nicht sein!
Zitat von sysopAFPZahlreiche Menschen haben in Syrien den Gang zum Markt mit dem Leben bezahlt. Kampfjets des Regimes haben das Zentrum der Stadt Atarib beschossen. Der Ort befindet sich seit knapp zwei Jahren in der Hand der Rebellen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-regime-bombardiert-gemuesemarkt-in-atarib-bei-aleppo-a-965973.html
Das kann gar nicht sein. Wie wir von den Freunden Putins ganz genau wissen, werden solche Szenen üblicherweise in Katar nachgedreht. Sollte es nicht nachgedreht worden sein, so tritt automatisch Paragraph 2 in Kraft, dann war es ja vielleicht, ja sogar ziemlich wahrscheinlich eine FalseFlag Aktion der Rebellen oder ihrer trüben Hinterleute. Schließlich haben uns die Freunde Putins und Entschuldiger Assads oft darüber belehrt, dass die Assadseite das eigentlich gar nicht sein könne, es wäre ja gar nicht im Interesse Assads solche Massaker zu begehen. /Ironie Ende
DerBaske 24.04.2014
3. Was bitte ist die FSA?
"Es ist schon sehr auffällig, dass sich die Assad Armee und die ISIS praktisch nirgendwo ernsthaft bekämpfen, aber gegen die FSA sehr brutal vorgehen" Wäre für mich mal interessant zu wissen, wie Sie zur Unterlegung Ihrer These sicher gehen, welcher "Aufständische" (alias Aktivist, bewaffneter Zivilist) zur Nusra, ISIS, Ahfad Al Sham, Abu Bakr-Brigade oder sonst einer der recht sympathischen Terrorgruppierungen gehört. Assad und die reguläre syrische Armee kämpfen so, wie sie es für strategisch richtig halten und sie fahren inzwischen ganz gut damit. Dieses dauernde Rumgeheule der "Demokraten" wenn es nicht so läuft ist ein alter Hut und zieht sich durch diese 3 Jahren wie ein roter Faden.
andreashirsch 24.04.2014
4.
Wenn sich SPON mal mit der Materie beschäftigen würde anstatt Propaganda zu kreieren und nachzuplappern, wäre es interessant zu erfahren, warum die von rebellen-nahen Organisationen veröffentlichten Zahlen aussagen, dass die Rebellen auf Seite der Zivilisten für deutlich mehr Tote verantwortlich sind als syrische Armee und Pro-Assad-Kräfte: http://www.liveleak.com/view?i=e6a_1398318570 Dass es unter den Zivilisten Opfer gibt, wenn die Armee Terroristen angreift, ist leider zwangsläufig, da die Terroristen sich in den Wohngebieten der Zivilisten verschanzen. Sie nehmen die Bevölkerung als Schutzschild. Spon könnte mal was zur asymmetrischen Kriegsführung der Terroristen bringen, mit Recherche und Ausgewogenheit und so...
graphics 24.04.2014
5. was bitte ist die FSA?!
Lieber Herr DerBaske, Sie tun so informiert und abgeklärt über duzte syrischen Verhältnisse. Die FSA aber ist Ihnen kein Begriff. 1. Die FSA ist die Vereinigung von einst friedlichen Demonstranten die Assad hat brutal zusammen schießen lassen, desertierten regulären Armeeangehörigen und auch religiöser Kämpfer, die als Ziel einen freien demokratischen Staat ohne Folter und mafiöse Familienstrukturen angeben. 2. Gilt das Vorgehen des Assad Militärs gegen unbewaffnete zu Anfang der Geschichte bei Ihnen auch als verhältnismäßig und nachvollziehbar?! Demonstrierende Familien abzuschlachten..damit hat Assad den Krieg verursacht. Wir demokratischen Gutmenschen haben mit der gebotenen Zurückhaltung agiert, so aber auch das Erstarken religiöser Fanatiker ermöglicht. Nun haben die FSA und der rest der Welt den Salat. Assad freut sich darüber.
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