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07. Mai 2014, 11:58 Uhr

Zynische PR-Aktion im Bürgerkrieg

Syriens Regime lädt Touristen ins zerstörte Homs

Die letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs - nun will der syrische Tourismusminister Bischar Jasigi Feriengäste in den völlig zerstörten Ort locken. Zynisch spricht er von einer "blühenden Urlaubssaison" in den Trümmern der Geisterstadt.

Damaskus - Dort Urlaub machen, wo andere sterben. Mit dieser Devise will die syrische Regierung offenbar Touristen in die umkämpfte Stadt Homs locken.

Noch während die letzten verbliebenen Aufständischen aus den Ruinen der weitgehend zerstörten Altstadt abziehen, hat Syriens Tourismusminister Bischar Jasigi große Pläne verkündet - die extrem zynisch anmuten: Die Region soll ein Ferienparadies werden. "Wir bereiten uns auf eine blühende Urlaubssaison vor", sagte der Minister in Damaskus.

Besonders die hügelige Region Wadi al-Nadara und die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers sollen schon bald wieder Besucher anlocken. "Im Sommer planen wir in beiden Zielen vielfältige Aktivitäten", kündigte Jasigi an. Der Minister versprach ein umfangreiches Touristenprogramm - ohne weitere Details zu nennen. Besonders das Wadi al-Nadara sei eine "Urlaubsregion par excellence", teilte Jasigi mit - und zeigte damit einmal mehr, dass in dem Bürgerkrieg auch PR eine wichtige Waffe ist.

Rebellen ziehen aus Homs ab

In der Tat gehört die monumentale Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, die seit 2006 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, zu den größten Sehenswürdigkeiten Syriens. Doch die strategisch wichtige Anlage ist seit Jahren heftig umkämpft und wurde bei Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen schwer beschädigt.

Noch schlimmer ist die Lage in der Provinzhauptstadt Homs. Hier sind ganze Stadtviertel in Schutt und Asche gelegt worden. Tausende Menschen sind in den Trümmern ums Leben gekommen, ein Großteil der Einwohner ist geflohen. Der Ort, in dem im Frühjahr 2011 Zehntausende gegen das Regime demonstrierten, gleicht inzwischen einer Geisterstadt.

Die historische Altstadt befand sich in den vergangenen zwei Jahren in den Händen der Aufständischen. Abgeschnitten von Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe, eingekesselt von Assads Armee, Hisbollah-Kämpfern und irakischen Milizionären haben die Rebellen nun einem Abzug zugestimmt.

Am Mittwoch verließen drei Busse mit 120 Kämpfern und Zivilisten die Stadt in Richtung Norden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana bezeichnete den Abzug der Rebellen als ersten Schritt auf dem Weg zur Versöhnung in der Stadt. Die Aufständischen sprachen dagegen auf Twitter von einem "traurigen Mittwoch".

syd/Reuters

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