Zynische PR-Aktion im Bürgerkrieg Syriens Regime lädt Touristen ins zerstörte Homs

Die letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs - nun will der syrische Tourismusminister Bischar Jasigi Feriengäste in den völlig zerstörten Ort locken. Zynisch spricht er von einer "blühenden Urlaubssaison" in den Trümmern der Geisterstadt.

REUTERS

Damaskus - Dort Urlaub machen, wo andere sterben. Mit dieser Devise will die syrische Regierung offenbar Touristen in die umkämpfte Stadt Homs locken.

Noch während die letzten verbliebenen Aufständischen aus den Ruinen der weitgehend zerstörten Altstadt abziehen, hat Syriens Tourismusminister Bischar Jasigi große Pläne verkündet - die extrem zynisch anmuten: Die Region soll ein Ferienparadies werden. "Wir bereiten uns auf eine blühende Urlaubssaison vor", sagte der Minister in Damaskus.

Besonders die hügelige Region Wadi al-Nadara und die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers sollen schon bald wieder Besucher anlocken. "Im Sommer planen wir in beiden Zielen vielfältige Aktivitäten", kündigte Jasigi an. Der Minister versprach ein umfangreiches Touristenprogramm - ohne weitere Details zu nennen. Besonders das Wadi al-Nadara sei eine "Urlaubsregion par excellence", teilte Jasigi mit - und zeigte damit einmal mehr, dass in dem Bürgerkrieg auch PR eine wichtige Waffe ist.

Rebellen ziehen aus Homs ab

In der Tat gehört die monumentale Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, die seit 2006 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, zu den größten Sehenswürdigkeiten Syriens. Doch die strategisch wichtige Anlage ist seit Jahren heftig umkämpft und wurde bei Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen schwer beschädigt.

Noch schlimmer ist die Lage in der Provinzhauptstadt Homs. Hier sind ganze Stadtviertel in Schutt und Asche gelegt worden. Tausende Menschen sind in den Trümmern ums Leben gekommen, ein Großteil der Einwohner ist geflohen. Der Ort, in dem im Frühjahr 2011 Zehntausende gegen das Regime demonstrierten, gleicht inzwischen einer Geisterstadt.

Die historische Altstadt befand sich in den vergangenen zwei Jahren in den Händen der Aufständischen. Abgeschnitten von Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe, eingekesselt von Assads Armee, Hisbollah-Kämpfern und irakischen Milizionären haben die Rebellen nun einem Abzug zugestimmt.

Am Mittwoch verließen drei Busse mit 120 Kämpfern und Zivilisten die Stadt in Richtung Norden. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana bezeichnete den Abzug der Rebellen als ersten Schritt auf dem Weg zur Versöhnung in der Stadt. Die Aufständischen sprachen dagegen auf Twitter von einem "traurigen Mittwoch".

syd/Reuters

insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
peter_ludwig 07.05.2014
1.
Zitat von sysopREUTERSDie letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs - nun will der syrische Tourismusminister Bischar Jasigi Feriengäste in den völlig zerstörten Ort locken. Zynisch spricht er von einer "blühenden Urlaubssaison" in den Trümmern der Geisterstadt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-regime-lockt-touristen-nach-homs-nach-rebellen-abzug-a-968015.html
"Die letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs..." Hab ich da etwas verpasst? Finanzieren die USA nun die Terroristen nicht mehr? Oder warum ziehen die ab? Oder hat die USA nun einen neuen Kampfplatz (Urkaine) errichtet und ziehen nun die ganz "friedlichen Demonstranten" an diesem Ort zusammen?
radostinsommerwald 07.05.2014
2. zynisch?
Zitat von sysopREUTERSDie letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs - nun will der syrische Tourismusminister Bischar Jasigi Feriengäste in den völlig zerstörten Ort locken. Zynisch spricht er von einer "blühenden Urlaubssaison" in den Trümmern der Geisterstadt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-assad-regime-lockt-touristen-nach-homs-nach-rebellen-abzug-a-968015.html
Was ist daran zynisch? In einer venetzten Welt kann der moderne Tourist ruhig mal erfahren wie die eigene Regierung in "Krisenregionen" mitmischt, ZB mit der Lieferung von Waffen ("modifzierte" Schnellfeuergewehre aus der Ukraine), und sehen was dabei heruaskommt Der Autor befürchtet wohl das solche Touristen mit einer eigenen Meinung aus dem Urlaub zurück kommen. Aber die Zeiten der Bevormundung sind vorbei. Heute sehen wir die Leichen in Odessa, sehen dass die gar nicht verbrannt sind - und verstehen warum SpON und Tagesschau sie nicht zeigen: Nicht aus Gewissensgründen sondern aus gewissen Gründen die eine selektive Wahrnehmung motivieren. Seltsam, dass so ein Schurke wie Assad offener und ehrlicher ist als unsere Pappenheimer.
disi123 07.05.2014
3. Ich
Zitat von peter_ludwig"Die letzten Rebellen beginnen mit dem Abzug aus Homs..." Hab ich da etwas verpasst? Finanzieren die USA nun die Terroristen nicht mehr? Oder warum ziehen die ab? Oder hat die USA nun einen neuen Kampfplatz (Urkaine) errichtet und ziehen nun die ganz "friedlichen Demonstranten" an diesem Ort zusammen?
musste auch direkt eine Verbindung herstellen. In Syrien unterstuetzt 'Der Westen' die Rebellen inoffiziell und Russland stellt sich hinter die Regierung. In der Ukraine unterstuetzt Russland inoffiziell die Rebellen und 'Der Westen' steht hinter der Uebergangsregierung.
jinngo73 07.05.2014
4. Gute Gelegenheit
... für interessierte sich selber mal n Bild zu machen... Nachdem klar ist, dass die Berichterstattung der westlichen Medien nicht immer der Wahrheit entsprechen müssen... Siehe gefakte Fotos aus Krisengebieten und Propaganda-Artikel...
chaoszero 07.05.2014
5. Schon komisch
In der Ukraine Verurteilt Russland die Taten der Übergangsregierung und akzeptiert nicht die Wahl. In Syrien hingegen setzt die Regierung Bomber ein und Russland findet das alles ok. Aber Hauptsache dem Westen Doppelmoral vorwerfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.