Human Rights Watch Assad-Truppen setzen offenbar Streubomben ein

Schwerer Vorwurf gegen das syrische Regime: Laut Human Rights Watch bombardiert die Luftwaffe Rebellen-Stellungen offenbar mit Streubomben. Videos sollen Überreste der Geschosse zeigen. Syrien hat nie ein Abkommen gegen das international geächtete Kampfmittel unterzeichnet.

Angebliche Streubomben in Syrien (YouTube-Ausschnitt): Vorwurf gegen Assad

Angebliche Streubomben in Syrien (YouTube-Ausschnitt): Vorwurf gegen Assad


London - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Staatstruppen in Syrien: Diese sollen Streubomben gegen Regierungsgegner einsetzen. Auf zwei vor wenigen Tagen im Internet veröffentlichten Videos seien Überreste von Streubomben zu sehen. Diese wurden offenbar in Dschabal Schahschabu in der Bergregion nordwestlich von Hama gefunden, erklärte HRW am Donnerstag.

Ein Rebellenvertreter berichtete demnach der Menschenrechtsorganisation, dass die Region seit zwei Wochen immer wieder von der syrischen Luftwaffe bombardiert werde. Dort hätten sich zahlreiche Rebellen in Höhlen versteckt. Bei den Angriffen seien auch die Streubomben zum Einsatz gekommen.

HRW-Rüstungsexperte Steve Goose erklärte, sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es der erste Beweis für den Einsatz dieser extrem gefährlichen Waffen durch die syrische Armee. HRW zufolge zeigen die Videos die Außenhülle einer Streubombe vom Typ RBK-250, die nur von Flugzeugen aus abgeworfen werden kann, sowie ein Dutzend der darin enthaltenen Mini-Bomben aus sowjetischer Fabrikation.

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Streubomben sind international geächtet. Syrien hat die internationale Konvention zum Verbot der Kampfmittel jedoch nie ratifiziert. Die im Mai 2008 von 107 Staaten verabschiedete Konvention verbietet den Einsatz, die Herstellung, die Lagerung und die Weitergabe derartiger Waffen. Sie trat 2010 in Kraft.

Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus mit Raketenwerfern abgefeuert werden. Ihre Behälter öffnen sich in der Luft und setzen viele kleine Bomben, sogenannte Bomblets, über große Flächen frei. Diese Flächen bleiben wegen der großen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts verseucht.

Die Blindgänger liegen oft jahrelang unentdeckt herum - bis sie zufällig ausgelöst werden. Dabei kann schon ein spielendes Kind oder ein Bauer bei der Feldarbeit die Explosion verursachen. Genau wie Landminen reagiert die Munition auf Berührung. Wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt.

Abtrünniger Botschafter in Katar angekommen

Seit mehr als einem Jahr geht Machthaber Baschar al-Assad brutal gegen die Aufständischen im eigenen Land vor. Das Regime ist international mittlerweile weitgehend isoliert - und auch in den eigenen Reihen bröckelt die Unterstützung für den Diktator.

Am Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass auch der syrische Botschafter im Irak zu den Anhängern der Revolution übergelaufen ist. Mittlerweile hält sich Nawaf al-Fares offenbar in Katar auf. Er erklärte das Ende seiner diplomatischen Mission und seinen Austritt aus der in Syrien regierenden Baath-Partei. "Die Loyalität muss dem Volk gelten, nicht einem Diktator, der seine Leute tötet."

jok/AFP/Reutes

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CompressorBoy 12.07.2012
1.
Zitat von sysopDas syrische Regime setzt möglicherweise Streubomben gegen die Rebellen ein. Laut Human Rights Watch zeigen Videos Überreste der Geschosse. Syrien hat nie ein Abkommen gegen das international geächtete Kampfmittel unterzeichnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844042,00.html
Aber sicher, wenn es Videos gibt, die Überreste dieser Geschosse zeigen, und weil Syrien auch nie ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet hat, muss Assad sie eingesetzt haben. Diese Logik leuchtet sogar mir ein. So sieht investigative Berichterstattung aus. Ich bin begeistert!
staplerfahrer_klaus 12.07.2012
2. Der Fairness wegen:
Der Fairness wegen sollte man vielleicht erwaehnen dass die Vereinigten Staaten, Russland, die Volksrepublik China, Israel, Indien, Pakistan und Brasilien ebenfalls nicht auf den Einsatz von Streumunition verzichten.
Persiflist 12.07.2012
3.
Zitat von sysopDas syrische Regime setzt möglicherweise Streubomben gegen die Rebellen ein. Laut Human Rights Watch zeigen Videos Überreste der Geschosse. Syrien hat nie ein Abkommen gegen das international geächtete Kampfmittel unterzeichnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844042,00.html
"Zu den weiteren Unterzeichnern zählen Frankreich, Japan, Kanada und Australien. *Die USA, Russland und China sind dem Treffen ferngeblieben...*" (focus.de (http://www.focus.de/politik/ausland/abkommen-100-laender-verbieten-streubomben_aid_353110.html)) Insofern ist die "internationale Ächtung" ein offensichtlicher Witz...
dick_&_durstig 12.07.2012
4. Farce
Zitat von sysopDas syrische Regime setzt möglicherweise Streubomben gegen die Rebellen ein. Laut Human Rights Watch zeigen Videos Überreste der Geschosse. Syrien hat nie ein Abkommen gegen das international geächtete Kampfmittel unterzeichnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844042,00.html
Die Produktion auch international geächtet. Welcher Verbrecher verkauft denn ein verbrecherisches Regime...
HeinrichMatten 12.07.2012
5. Die Botschaft hör ich wohl, allein...
Zitat von sysopDas syrische Regime setzt möglicherweise Streubomben gegen die Rebellen ein. Laut Human Rights Watch zeigen Videos Überreste der Geschosse. Syrien hat nie ein Abkommen gegen das international geächtete Kampfmittel unterzeichnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,844042,00.html
Wenn ich nicht wüßte, was hinter dieser konzertierten Aktion steckt, dann würde ich Ihnen und anderen Medien vielleicht glauben.
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