Werbung für syrischen Tourismus Assad lockt Urlauber in den Bürgerkrieg

"Syria Always Beautiful" - Mit diesem Slogan wirbt das syrische Tourismusministerium um Reisende aus aller Welt. Die dazugehörige Prospektoptik ist Teil der Strategie des Assad-Regimes.

Syrian Tourism

Die größte Gefahr im Syrien-Urlaub besteht darin, im Mittelmeer von einem übermütigen Jetski-Piloten überfahren zu werden. Diesen Schluss legt zumindest ein Werbefilm nahe, den das syrische Tourismusministerium im Internet veröffentlicht hat.

Der rund anderthalbminütige Clip zeigt das Urlaubsressort "Goldstrand" in der Nähe der syrischen Küstenstadt Tartus. Die Aufnahmen, die offenbar von einer Drohne gemacht wurden, zeigen einen gut besuchten Strand und viele Menschen, die sich im azurblauen Mittelmeer abkühlen. Unterlegt sind die Bilder vom Song "Faded" des britischen DJ Alan Walker.

Der Spot ist Teil einer neuen Imagekampagne des Tourismusministeriums in Damaskus. Der schmissige Titel: "Syria Always Beautiful". Warum nicht mal Urlaub machen in einem Land, in dem seit Beginn des Bürgerkriegs vor fünf Jahren mehr als 400.000 Menschen getötet wurden und aus dem nach Angaben der Vereinten Nationen seither rund 4,8 Millionen Menschen geflohen sind?

Die Reisebranche will von diesen Gewaltexzessen nichts wissen: Das Tourismusministerium verkündete am Montag, die Zahl der ausländischen Urlauber in Syrien sei im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent gestiegen. Genaue Zahlen nannte die Regierung allerdings nicht.

Die syrische Mittelmeerküste mit ihren Hafenstädten Lattakia und Tartus sowie der Insel Arwad ist vom Schrecken des Bürgerkriegs bislang weitgehend verschont geblieben. In dem Gebiet lebt die religiöse Minderheit der Alawiten, die fest hinter dem Regime des alawitischen Diktators Baschar al-Assad steht. Die Front liegt knapp hundert Kilometer entfernt.

Es gehört seit Jahren zur Strategie des Regimes, der Welt mit Hilfe von Urlaubsangeboten Normalität vorzutäuschen. Kurz nachdem 2014 Rebellen und Zivilisten aus der nahezu zerstörten Altstadt von Homs abgezogen waren, warb Tourismusminister Bischar Jasigi um Besucher aus dem Ausland. "Wir bereiten uns auf eine blühende Urlaubssaison vor", sagte der Minister damals. Die Resonanz hielt sich in Grenzen.

syd



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