Kampf gegen IS-Miliz Syrische Luftwaffe setzt offenbar russische Jets ein

Im Kampf gegen den IS setzt das syrische Regime nun offenbar russische Kampfjets ein. Die Maschinen sollen erst vergangene Woche nach Syrien verlegt worden sein.

Russische Kampfjets vom Typ Su-24: Von syrischen Piloten gesteuert
AFP

Russische Kampfjets vom Typ Su-24: Von syrischen Piloten gesteuert


Die russischen Kampfjets vom Typ Su-24 sollen gerade erst in Syrien eingetroffen sein - nun fliegt die syrische Armee damit offenbar erste Angriffe auf Stellungen des "Islamischen Staates" (IS). Die Maschinen seien von syrischen Piloten gesteuert worden, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte mit. Die Informationen der Aktivisten aus London, die auf ein Netzwerk in Syrien zurückgreifen, haben sich in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen.

In den vergangenen Wochen hat Russland seine Militärpräsenz am syrischen Luftwaffenstützpunkt Latakia verstärkt und nach US-Angaben auch Kampfflugzeuge dorthin verlegt. Diese seien seit vergangener Woche im Einsatz, berichtete die Beobachtergruppe.

Bei den nun angeblich eingesetzten Jets handelt es sich um Front- oder Jagdbomber. Die Su-24 ist ein eigentlich veraltetes Modell, das in den Sechzigerjahren für Angriffe auf Bodenziele im Tiefflug entwickelt wurde. Russland verfügt noch über mehrere Hundert dieser Flugzeuge, die als fehleranfällig gelten. Moskau hat angekündigt, sie bis 2020 stillzulegen.

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Satellitenfotos: Russland baut Militärpräsenz aus
Russland ist einer der letzten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, der im Bürgerkrieg im eigenen Land zunehmend in Bedrängnis gerät. Die Regierung in Moskau unterstützt Assad mit Waffenlieferungen. Medienberichten zufolge ist Russlands Präsident Wladimir Putin auch zu Luftschlägen gegen den IS bereit, auch über eine Beteiligung von Bodentruppen wird spekuliert.

Frankreich und Großbritannien zeigten sich am Donnerstag besorgt über die "sehr bedeutende" Steigerung der russischen Militärpräsenz in Syrien. Der russische Aufmarsch in Syrien mache eine schon komplizierte und schwierige Situation noch komplizierter, sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon in Paris nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Jean-Yves Le Drian.

Die USA und ihre Alliierten bombardierten am Donnerstag den Angaben zufolge ebenfalls IS-Stellungen in Syrien. Insgesamt seien 20 Ziele in Syrien und im Irak angegriffen worden, teilte das US-Militär mit. Zeitgleich plädierte Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür, bei den Versuchen zu einer Lösung des Bürgerkriegs auch mit Assad zu sprechen.

Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geht auf Assad zu: Er schließt eine Übergangslösung für Syrien unter Einschluss des Machthabers nicht mehr kategorisch aus. Erdogan schränkte jedoch ein, niemand sehe eine Zukunft Syriens mit Assad. Bisher befürwortete die türkische Führung dessen Sturz und unterstützt mit Saudi-Arabien syrische Rebellen im Bürgerkrieg gegen die Regierung in Damaskus.

Russischer Stützpunkt in Latakia (Satellitenbild vom 17.9.2015): "Erste Phase abgeschlossen"
AP

Russischer Stützpunkt in Latakia (Satellitenbild vom 17.9.2015): "Erste Phase abgeschlossen"

vks/Reuters/dpa

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westin 24.09.2015
1. Arbeitsteilung
Die Franzosen,Engländer und die USA nehmen sich die IS im Irak vor. Und Russland die IS in Syrien.
dherr 24.09.2015
2. Moment mal,
Angriffe auf den IS? Das ist doch richtig, oder? Tun das nicht auch USA und Konsorten?
puc 24.09.2015
3. Wer lenkt die russischen Flugzeuge?
sorry die 28 russischen Kampfflieger sind seit ein paar Tagen in Syrien, manche erst seit zwei Tagen. So schnell funktioniert die Übergabe der Maschinen nicht. Die russischen Flugzeuge die seit gestern Nacht die Umgebung des Flughafens Kweires bombardieren, sollen die Evakuierung der russisch betriebenen Giftgasfabrik im nahen As Safira unterstützen. Aktuell sind die Kämpfer des IS zu nahe an der Landebahn und eine Evakuierung ist (noch) nicht möglich. In den Flugzeugen sitzen die selben Piloten, die sie vorgestern nach Syrien gebracht haben und das sind ... Russen. Sicherlich werden jetzt sofort 100.000de von friedliebenden Occupy und Pegida- Anhängern auf den Strassen "Hands-off Syria" proklamieren.
Sonia 24.09.2015
4. Na, und?
Diese Monster haben die Saudis u Türken unterstützt. Die Saudis, also die, denen wir Panzer schicken, die Andersdenkende kõpfen, kreuzen oder tot peitschen. Wenn die Russen es schaffen, den IS zurückzuschlagen, wo liegt das Problem? Sie sind seit 1971 Verbündete Syriens.
merkur08 24.09.2015
5. Einmal mehr ein Zeichen der Hilflosigkeit des Westens.
Ob Erdogan selbst eine Zukunft in der Türkei hat. Er treibt die Kurden in die Arme Assads und somit des Irans und Russlands. Es könnte eine Zange werden. Kurden und Iran vom Osten/Norden. Die irakische (schiitische) Armee vom Süden Die Russen mit Assad vom Westen. Der IS wird sich wie in einem Nussknacker fühlen. Und auch so behandelt werden. Dass nur Syrer die Maschinen geflogen haben ist lachhaft. Wie im Koreakrieg 1950-53 haben ja auch die Russen ihre MIG 15 geflogen. Mit nordkoreanischen Korkaden.
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