Krieg in Syrien Assads Protokollchef dementiert angebliche Fahnenflucht

Verwirrung um Assads Protokollchef: Der TV-Sender al-Arabija meldete, Muslimani habe sich abgesetzt und den Rebellen angeschlossen. Jetzt dementiert der Vertraute des syrischen Machthabers laut staatlicher Nachrichtenagentur - er erfülle seine Pflichten im Präsidentenpalast.

Beirut - Der Protokollchef des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, Moheddin Muslimani, hat bestritten, zu den Aufständischen übergelaufen zu sein. "Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfüllen meine Pflicht im Präsidentenpalast", zitierte ihn die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Donnerstagnachmittag.

Wenige Stunden zuvor hatte der saudische Nachrichtensender al-Arabija berichtet, Muslimani habe sich zu den Rebellen abgesetzt. Der Spitzenbeamte befinde sich noch auf syrischem Boden und werde seine Abkehr vom Regime demnächst in einer Videobotschaft bekanntgeben, zitierte der Fernsehsender einen Kommandeur der Rebellenarmee FSA. Demnach hat der Kommandeur bei der Flucht Muslimanis aus Damaskus geholfen.

Erst vor drei Tagen hatte sich der syrische Ministerpräsident Riad Hidschab ins Ausland abgesetzt. Zuvor waren bereits unter anderem ein Vizeölminister, ein Beamter des Verteidigungsministeriums und mehrere Abgeordnete geflohen. Auch viele Militärmitglieder haben sich bereits den Rebellen angeschlossen.

Die Kämpfe in dem Land gehen unvermindert weiter. In der Rebellenhochburg Salaheddine und anderen Bezirken der belagerten Wirtschaftsmetropole Aleppo lieferten sich nach Angaben syrischer Aktivisten Regierungstruppen und Aufständische auch am Donnerstag Gefechte. Erst am Vortag hatte Präsident Assad in staatlichen Medien bekanntgegeben, dass seine Soldaten die vollständige Kontrolle über Salaheddine wiedererlangt hätten.

Der Beschuss konzentriere sich auf Salaheddine wie auch einen Bezirk im Nordosten und Gebiete im Südwesten, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Treffen in Teheran zu Syrien

Derweil versorgten das Deutsche Rote Kreuz und der Syrische Rote Halbmond Flüchtlinge in Aleppo mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Wasser. Verteilt wurden die Hilfsgüter von freiwilligen Helfern des Roten Halbmonds.

Iran hat als enger Verbündeter des syrischen Regimes kurzfristig ein Treffen der "Freunde" Syriens einberufen. Ziel der hastig einberufenen Konferenz sei es, eine friedliche Lösung des Syrien-Konflikts zu finden, meldete das staatliche iranische Fernsehen. Nach Angaben des stellvertretenden Außenministers Hossein Amir Abdollahjan sollten Vertreter aus 15 Ländern an dem Treffen teilnehmen, darunter Russland, China, Pakistan, Irak, Algerien und Venezuela.

Eingeladen seien Außenminister von Staaten, die nach Einschätzung Irans eine "realistische Einstellung" zur Krise in Syrien haben, hieß es. Gemeint sind Länder, die den von Rebellen bedrängten syrischen Präsidenten Assad weiter an der Macht sehen wollen und das Ziel verfolgen, den Bürgerkrieg mit friedlichen Mitteln ohne ausländische Einmischung zu beenden.

Arabische Diplomaten in Teheran vermuten, dass das Treffen auf Wunsch Assads nach seinen Gesprächen am Dienstag mit Said Dschalili, dem Sekretär des iranischen Sicherheitsrats, beschlossen wurde. Ziel sei ein pro-syrisches Treffen vor dem Gipfel der islamischen Staaten in Saudi-Arabien. Teheran und Damaskus sind enge Verbündete und befürchten, dass die Mehrheit der islamischen Staaten sich in der kommenden Woche in Mekka auf die Seite Saudi-Arabiens und der Türkei und damit gegen Assad stellen werden.

lgr/hen/dpa/dapd
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