Krieg in Syrien Aufständische erobern wichtigen Militärflughafen
Explosion auf Stützpunkt Taftanas (am Donnerstag): Wichtigster Flugplatz im Norden
Foto: AP / Shaam News NetworkDamaskus - Bereits Anfang November des vergangenen Jahres hatten sie für Stunden die Kontrolle errungen und dann wieder verloren - nun haben die syrischen Rebellen laut Aktivisten den wichtigsten Militärflughafen im Norden des Landes vollständig eingenommen. Nach monatelangen Gefechten hätten die Aufständischen den Luftwaffenstützpunkt Taftanas in der Provinz Idlib erobert, teilte die oppositionelle syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London am Freitag mit.
Bei der Eroberung des Stützpunkts seien viele Soldaten der syrischen Armee getötet worden, teilte die Oppositionsgruppe weiter mit. Zudem seien zahlreiche Soldaten am Morgen geflohen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein breites Netzwerk aus Aufständischen und Medizinern im Land, ihre Angaben lassen sich kaum unabhängig überprüfen.
Es wäre die bedeutendste Eroberung eines Luftwaffenstützpunktes durch Aufständische seit Beginn des Konflikts mit den Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Allerdings hätten diese bei ihrem Abzug lediglich 20 nicht mehr flugtüchtige Helikopter zurückgelassen. Insgesamt biete die Basis normalerweise Platz für 60 Hubschrauber.
Damit könnte Assad immer noch auf seine gefürchtete Luftwaffe zugreifen, die immer wieder Angriffe auf Rebellenstellungen fliegt. Dies erschwert es den Aufständischen, die eroberten Gebiete dauerhaft zu halten. Am Freitag etwa starben laut Opposition 40 Menschen durch Luftangriffe der Regierungstruppen auf die Ortschaft al-Hol in der von Kurden und Arabern bewohnten Provinz al-Hassake.
Gewalt zwischen rivalisierenden Rebellengruppen
Auch von Taftanas aus waren bislang Kampfflugzeuge gestartet, die Angriffe in der Provinz Idlib flogen. Am Mittwoch hatte die Beobachtungsstelle mitgeteilt, dass an dem Flughafen die Islamistengruppen Ahrar al-Tscham und Al-Nosra-Front gegen die Assad-treuen Truppen kämpften. Die Luftwaffe habe daraufhin ihren eigenen Stützpunkt bombardiert.
Die Rebellen sind seit Monaten auf dem Vormarsch und stehen inzwischen vor den Toren der Hauptstadt Damaskus. Nun hat die syrische Opposition beteuert, sie wolle nach einem Sturz von Präsident Assad ein Szenario wie im Irak unbedingt vermeiden. Dort war nach dem Einmarsch der US-Truppen 2003 das komplette Staatswesen zusammengebrochen. Die Nationale Syrische Koalition erklärte, die Behörden sollten nach dem erwarteten Umsturz weiterarbeiten. Dabei wolle man auch Funktionäre einbeziehen, "die sich noch nicht öffentlich vom Regime distanziert haben".
Allerdings droht auch wegen der Rivalität zwischen den verschiedenen Rebellengruppen Instabilität nach einem möglichen Machtwechsel. Denn die Diskrepanzen werden nun zunehmend auch mit Gewalt ausgetragen. Der Nachrichtenagentur Reuters schilderten Aufständische, Kämpfer der islamistischen Al-Nusra-Front hätten in der Provinz Idlib einen Kommandeur der Al-Faruk-Brigade getötet. Thair al-Wakkas sei in seinem Heimatort Sarmada von Kugeln durchsiebt worden, nachdem er einen islamistischen Kommandeur getötet habe.