Angriffe auf Kliniken in Aleppo "Ein Schlachthaus ist humaner"

In einer Woche sind in Aleppo mindestens 96 Kinder getötet worden. Nach Luftangriffen auf zwei Krankenhäuser spricht Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon von Kriegsverbrechen.

Verwundetes Kind in Aleppo
AFP

Verwundetes Kind in Aleppo


Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Angriffe auf Krankenhäuser in der umkämpften nordsyrischen Großstadt Aleppo als Kriegsverbrechen verurteilt. "Stellen Sie sich ein Schlachthaus vor. Das hier ist schlimmer. Sogar ein Schlachthaus ist humaner", sagte Ban vor dem Uno-Sicherheitsrat in New York.

"Diejenigen, die immer verheerendere Waffen benutzen, wissen genau, was sie tun." Ban nannte die Verantwortlichen nicht beim Namen, es ist aber klar, dass er die russische und syrische Führung meinte. Laut dem Uno-Sonderbeauftragten Staffan de Mistura gibt es aktuelle Berichte über den Einsatz von bunkerbrechenden Bomben und Brandbomben.

Zwei Krankenhäuser im Rebellengebiet der umkämpften nordsyrischen Großstadt Aleppo stellten nach den Angriffen ihren Betrieb ein. Insgesamt sind bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen. Wegen der Blockade fehlt es ihnen akut an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Ban rief den Sicherheitsrat auf, seine Blockade in dem Konflikt zu überwinden.

Seit Freitag sind nach Angaben der Kinderhilfsorganisation Unicef in Aleppo mindestens 96 Kinder getötet worden. Weitere 223 seien verletzt worden, teilte Unicef in New York mit. Das Gesundheitssystem im Osten Aleppos sei am Rand des Zusammenbruchs, nur noch rund 30 Ärzte seien verblieben und so gut wie keine Ausrüstung oder Medizin. Wie verzweifelt auch die Ersthelfer sind, lesen Sie hier.

"Die Kinder in Aleppo sind in einem lebendigen Albtraum gefangen", sagte Unicef-Vizechef Justin Forsyth. "Es gibt keine Worte mehr, mit denen man das Leid, das sie erleben, beschreiben könnte."

Russland lobt Fortschritte

Aleppos Rebellengebiete haben in den vergangenen Tagen die bislang heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Insgesamt wurden mehr als 260 Menschen getötet.

Russland und die USA setzen ihre Verhandlungen über Syrien trotz heftiger Meinungsunterschiede fort. Man spreche über die Feuerpause und humanitäre Hilfslieferungen und eindrucksvolle Fortschritte erzielt, sagte Russlands Uno-Botschafter Alexej Borodawkin.

US-Außenminister John Kerry drohte jedoch damit, die Gespräche mit Russland abzubrechen, sollten die Angriffe auf Aleppo weitergehen. Er habe diese Warnung in einem Telefonat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow ausgesprochen, teilte das Außenministerium in Washington mit.

SPIEGEL TV Magazin

cte/Reuters/dpa



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