Syrien-Krieg Assad soll erneut Fassbomben eingesetzt haben

Die USA und Europa nähern sich Diktator Assad vorsichtig an - doch der syrische Machthaber wirft weiter Fassbomben auf sein Volk. Allein seit dem Wochenende sollen es 33 gewesen sein.

Syriens Machthaber Assad: Er hofft darauf, international wieder salonfähig zu werden
AFP/ SANA

Syriens Machthaber Assad: Er hofft darauf, international wieder salonfähig zu werden


Das syrische Regime hat offenbar erneut Dutzende Fassbomben auf Zivilisten abgeworfen. Seit dem Wochenende seien 33 dieser Bomben in Daraja eingeschlagen, einem Vorort von Damaskus, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR). Deren Angaben haben sich in den vergangenen Jahren als zuverlässig erwiesen.

Daraja galt zu Beginn der Demonstrationen in Syrien 2011 als Unruheherd. Daher hat Damaskus wiederholt kollektiv den ganzen Vorort bestraft. So verübten Assad-treue Soldaten im August 2012 dort ein Massaker an Dutzenden Zivilisten. Wer konnte, ist seitdem geflohen. Derzeit wird Daraja von verschiedenen islamistischen Gruppen kontrolliert.

Syriens Baschar al-Assad geht mit äußerster Brutalität gegen Menschen vor, die in Teilen des Landes leben, die nicht mehr seiner Kontrolle unterstehen. Damit löst er immer neue Flüchtlingswellen aus. Derzeit kontrolliert Assad nur noch ein Drittel der Fläche Syriens. Der Großteil des Landes wird vom "Islamischen Staat" beherrscht, allerdings handelt es sich bei diesen Gebieten größtenteils um dünnbesiedelte Wüste.

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Vor der Uno-Generalversammlung wollen Russlands Präsident Wladimir Putin und Irans Präsident Hassan Rohani am Montag für eine internationale Zusammenarbeit mit Assad werben (einen Hintergrundbericht zu den geplanten Gesprächen zwischen Putin und US-Präsident Obama lesen Sie hier). Sie wollen den Diktator international wieder salonfähig machen. Beide Länder unterstützen das Assad-Regime bereits seit Jahrzehnten und intervenieren in dem 2011 ausgebrochen Konflikt militärisch auf Seiten Assads. Russland hat seine militärische Hilfe zuletzt sogar ausgeweitet.

Der Westen steht in Syrien vor einem Dilemma

Russland und Iran hoffen, dass der Krieg in Syrien beendet werden kann, wenn sie ihre Unterstützung für Assad verstärken. Viele westliche Staaten dagegen sind skeptisch: Sie halten Assad für die Ursache des Krieges. Denn seine brutale Repression hat die anfangs friedlichen Demonstrationen immer weiter eskalieren lassen, sodass nun Dschihadisten ihren Einfluss ausweiten konnten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach am Sonntagabend im Interview mit der ZDF-Sendung "Berlin Direkt" von einem grundsätzlichen Dilemma für die deutsche Außenpolitik: "Es wird keinen Waffenstillstand ohne Assad geben. Es wird keine Zukunft mit Assad geben."

Der Westen hatte anfangs darauf gehofft, dass Syriens moderate Kräfte sich gegen Assad durchsetzen können. Doch die mussten vor dem Bürgerkrieg fliehen. Nun bleiben dem Westen kaum Optionen. Über die Hälfte der syrischen Bevölkerung, die von der Uno derzeit auf nur noch 16 Millionen geschätzt wird, ist auf der Flucht.

ras

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Seite 1
einrealist 28.09.2015
1.
Wo besteht für die Opfer der Unterschied zwischen einer Fassbombe und einer normalen Bombe? Der Artikel liest sich, als müsste Assad nur mit regulären Bomben (Gibt's dafür eine DIN-Norm?) beliefert werden und schon ist alles wieder okay?!
hansgustor 28.09.2015
2. Motiv?
Bei CSI:Syria würden man nach einem Motiv fragen. Warum bombadiert jemand seine eigenen Leute während Krieg herrscht und man auf der Verliererseite ist? Wer miträtseln will sollte sich diesen Satz nochmal durchlesen: "Derzeit wird Daraja von verschiedenen islamistischen Gruppen kontrolliert."
Schroekel 28.09.2015
3. wer ...
... denkt dass es eine Zukunft mit Assad und seinem Clan in Syrien geben kann, schneidet sich ins eigene Fleisch. Nach 250 Tausend Toten, Giftgas Einsätzen, hat der Mann ayllen Rückhalt im Volk verloren. Die Menschen fliehen in erster Linie vor ihm, nicht vor dem von ihm selbst ins Leben gerufenem IS oder anderen. Assads clan geht militärisch, wirtschaftlich und politisch auf dem letzten Zahnfleisch und dass dem so ist, zwingt den Kreml, militärisch direkt einzugreifen. Assad und sein Clan gehört vor Gericht gestellt.
FakeBot 28.09.2015
4.
Wie passt denn der erste Absatz: "Das syrische Regime hat offenbar erneut Dutzende Fassbomben auf Zivilisten abgeworfen." mit dem dritten zusammen? "Derzeit wird Daraja von verschiedenen islamistischen Gruppen kontrolliert" Ich bin jetzt schon gespannt wie sich der Wind der Berichterstattung drehen wird wenn Putin heute in New York gesprochen haben wird und USA mit Russland gemeinsame Sache machen, abgestimmt mit Syrien.
chwe 28.09.2015
5. Was ist an Fassbomben schlimmer ?
Die USA haben den Irak unter dem Vorwand der Al Quaida Unterstuetzung und wegen der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen angegriffen - beides war falsch. Zum Einsatz kamen dabei Uranmunition und Faecherbomben. Warum sind Fassbomben jetzt genau schlimmer die Waffen der USA ? Ist es fuer die Getoeteten von Belang ob der Sprengstoff in einem Fass oder einer modernen Titanhuelle steckt ?
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