Bürgerkrieg in Syrien Assads Regierungstruppen dringen in Chan Scheichun ein

Die syrische Armee von Machthaber Baschar al-Assad ist in die Stadt Chan Scheichun in der Provinz Idlib vorgerückt. Es ist ihr größter Militärerfolg seit Beginn der Offensive im April.

Weißhelme suchen nach einem Luftangriff regierungstreuer Truppen in den Trümmern nach Überlebenden
Omar Haj Kadour/ AFP

Weißhelme suchen nach einem Luftangriff regierungstreuer Truppen in den Trümmern nach Überlebenden


Regierungstreue syrische Bodentruppen sind in Chan Scheichun, eine der größten Städte der noch immer von Rebellen gehaltenen Provinz Idlib, eingedrungen. Nach heftigen Luftangriffen und Artilleriebeschuss sei es den Regierungskräften mithilfe ihrer russischen Verbündeten am späten Montagabend gelungen, in Stadtteile von Chan Scheichun einzuziehen, nachdem sich die Rebellen zurückgezogen hätten, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die in Großbritannien ansässige Gruppe stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihr Vorsitzender Rami Abdel Rahman sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Das ist ein entscheidender Sieg für die Regierungstruppen."

Die größte Stadt im Süden von Idlib liegt an der strategisch wichtigen Straße von Damaskus nach Aleppo. Fast alle Einwohner des Ortes, in dem einst mehr als 35.000 Menschen lebten, sind in Richtung der türkischen Grenze geflüchtet. Vor zwei Jahren hatte das Assad-Regime einen verheerenden Giftgasangriff mit mindestens 87 Toten auf Chan Scheichun verübt.

Mehr als 400.000 Menschen sind in Idlib auf der Flucht

Die USA forderten Syrien zur Mäßigung auf. US-Außenamtssprecherin Morgan Ortagus schrieb auf Twitter: "Das Assad-Regime und seine Verbündeten müssen zum Waffenstillstand in Idlib zurückkehren." Die Waffenruhe war Anfang August vereinbart worden und hielt nur drei Tage. (Lesen Sie hier eine Analyse zu den Vorgängen im Nordwesten Syriens).

Aktivisten veröffentlichten in den sozialen Medien Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Granaten auf die Stadt Chan Scheichun abgefeuert wurden. "Die Regimekräfte verfolgen eine Politik der verbrannten Erde, um Städte und Gemeinden unter Kontrolle zu bekommen", schrieben sie.

Ende April starteten syrische Regierungstruppen neue Angriffe auf das Rebellengebiet in der Provinz Idlib. Seitdem sind über 400.000 Menschen geflohen. Allein in den vergangenen Tagen sollen laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 25.000 Menschen vertrieben worden sein. Laut ihren Informationen sind seit Ende April mehr als 900 Zivilisten getötet worden, darunter 235 Kinder.

höh/dpa

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