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13. April 2018, 13:47 Uhr

Alarmbereitschaft in Damaskus

Syrien bereitet sich auf US-Angriff vor

Wann beginnt der von Donald Trump angedrohte Angriff? Syrien versetzt seine Hauptstadt Damaskus in Alarmbereitschaft, Bürger berichten, dass sie nachts nicht mehr auf die Straße gehen.

Nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag stellt sich Syrien auf einen Angriff ein. Zahlreiche staatliche und militärische Einrichtungen in der Hauptstadt Damaskus seien in Alarmbereitschaft versetzt worden, hieß es aus regierungsnahen Kreisen. In vielen Behörden sei die Zahl der anwesenden Mitarbeiter verringert worden.

Der Verkehr auf den Straßen der Hauptstadt habe schon deutlich abgenommen, berichtet ein dpa-Reporter. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die syrischen Streitkräfte begonnen, sich von Stützpunkten zurückzuziehen.

Ein Anwohner aus Damaskus mit dem Namen Ibrahim berichtete, die Menschen in der Hauptstadt lebten wegen der Drohungen in Sorge und Angst vor einem möglichen Angriff. Einige gingen nachts nicht mehr auf die Straße, weil sei davon ausgingen, dass eine Bombardierung zu dieser Zeit erfolgen werde, sagte der 29-Jährige.

Andere Anwohner zeigten sich gelassener. Eine Bewohnerin, die in der Nähe des syrischen Präsidentenpalastes lebt, berichtete, das Leben in Damaskus laufe mehr oder weniger normal. Trumps Drohungen halte sie für "reine Propaganda". Ein Student sagte der dpa, er sei nicht besorgt, weil Trumps Vorwürfe auf "Lügen und konstruierten Nachrichten" basierten: "Mein Alltagsleben geht normal weiter."

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt, eine Entscheidung über einen Militäreinsatz als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff der syrischen Regierung sei noch nicht gefallen. Zunächst sollten weitere Geheimdiensterkenntnisse ausgewertet werden. Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen dort ab Samstag mit Untersuchungen beginnen.

Video zu möglichem US-Angriff: Trumps Syrien-Chaos

Vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses deutete US-Verteidigungsminister James Mattis an, seine Regierung prüfe eine Reaktion, die sowohl eine Eskalation in der Region verhindere als auch wegen des angeblichen Giftgasangriffs eine deutliche Botschaft an Syriens Machthaber Baschar al-Assad sende. "Wir versuchen, den Mord an unschuldigen Menschen zu beenden", sagte Mattis. "Aber auf einer strategischen Ebene geht es darum, wie wir verhindern, dass das außer Kontrolle gerät, wenn Sie mich verstehen."

Die russische Regierung warnte die USA vor einer Militäraktion in Syrien. Ein Einsatz von Gewalt wäre ein grober Verstoß gegen das Völkerrecht, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow der Agentur Tass. "Wir warnen die USA vor unüberlegten Schritten."

Video: US-Militärschlag wäre "nur noch ein Akt der Bestrafung"

Washington dürfe die internationale Gemeinschaft nicht mit verschiedenen Signalen zu einem möglichen Angriff in Syrien in Unruhe versetzen, sagte der Diplomat. "Wir sind der Meinung, dass die USA in dieser Situation eine deutlich konstruktivere Rolle spielen könnten", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nach den Worten eines engen Vertrauten eine mögliche Entscheidung über Militärschläge geheim halten. "Falls die Schläge beschlossen werden, werde ich es Ihnen nicht sagen", sagte der Chef der Präsidentenpartei La République en Marche, Christophe Castaner, den Sendern BFMTV und RMC. "Und der Präsident der Republik (Macron) wird es Ihnen auch nicht sagen."

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hat vor dem Hintergrund der Krise unterdessen Arbeitsbesuche in Albanien und Slowenien abgesagt. Das bestätigte das französische Außenministerium. Ursprünglich waren diese Besuche am Freitag und Samstag geplant. Das Außenamt ging nicht näher auf die Gründe ein.

als/aev/dpa

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