Syrien Autobombe tötet Dutzende Menschen in Rebellenstadt

Bei der Explosion eines Tanklasters in der von Rebellen gehaltenen nordsyrischen Stadt Asas sind offenbar mindestens 48 Menschen getötet worden. Laut einem Medienbericht ist die Terrormiliz "Islamischer Staat" für den Anschlag verantwortlich.


In der von Rebellen kontrollierten nordsyrischen Stadt Asas sind bei einer Explosion am Samstag mindestens 48 Menschen getötet worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, vor einem Gericht in der nahe der türkischen Grenze gelegenen Stadt sei ein Tankfahrzeug detoniert. Dutzende weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt. Die Mehrzahl der Opfer seien Zivilisten.

Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete ohne Angaben von Quellen, dass die Autobombe auf das Konto der Extremistengruppe "Islamischer Staat" (IS) gehe. Vom IS gab es zunächst aber kein Bekenntnis.

Ein Bewohner, der am Krankenhaus von Asas war, sagte Reuters, er habe rund 30 Leichen gesehen. Die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf Angaben eines Arztes aus Asas von mindestens 60 Toten und mehr als 50 Verletzten. 23 Verletzte wurden laut Anadolu über die Grenze in die türkische Grenzstadt Kilis gebracht und dort medizinisch versorgt. Einer der Verletzten sei dort gestorben.

Asas ist in den Händen der Rebellen der sogenannten Freien Syrischen Armee (FSA), die vom türkischen Militär im Kampf gegen den IS unterstützt wird. Bereits im Oktober und November waren in der Stadt Autobombenanschläge verübt worden, zahlreiche Menschen starben.

Rettungskräfte am Anschlagsort
AFP

Rettungskräfte am Anschlagsort

In den letzten 24 Stunden sind nach Angaben der türkischen Armee 21 IS-Schergen bei Kämpfen ums Leben gekommen. Die türkische Luftwaffe habe zwölf Ziele des IS angegriffen und zerstört.

Asas liegt rund 30 Kilometer nördlich von Aleppo, das die Armee von Präsident Baschar al-Assad nach monatelangen erbitterten Kämpfen mit verschiedenen Rebellengruppen kurz vor Weihnachten wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Kurdenbündnis rückt gegen IS vor

Gut 200 Kilometer entfernt von Asas rückt derweil ein von Kurden geführtes Bündnis im Kampf gegen den IS immer näher an die strategisch wichtige nordsyrische Stadt Tabka und ihren Staudamm heran. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten den Ort Suweida wenige Kilometer nördlich von Tabka erobert, meldete die kurdische Nachrichtenseite Hawar am Samstag. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über den Vormarsch der SDF-Kämpfer.

Tabka ist strategisch wichtig, weil dort neben der Talsperre auch ein Militärflughafen liegt. Die Staumauer begrenzt den Assad-See, das größte Wasser-Reservoir Syriens. Hier wurde bis zum Beginn des Bürgerkriegs 2011 ein großer Teil der Energie des Landes produziert. Die Terrormiliz IS hatte die Region Ende August 2014 unter ihre Kontrolle gebracht.

Bereits am Freitag hatten die SDF-Kämpfer in der Nähe von Suweida die Dschabar-Festung erobert, die auf einer Halbinsel über dem Stausee liegt. Die SDF wird von der syrischen Kurdenmiliz YPG angeführt. Ziel der Offensive ist die Befreiung der nordsyrischen IS-Hochburg Rakka. Die von den USA angeführte internationale Koalition unterstützt die Operation mit Luftangriffen.

bim/dpa/AFP/Reuters



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