Syrienkrieg Boris Johnson sieht bei Europäern "keinen Appetit" auf militärisches Eingreifen

Amerikaner und Briten sehen derzeit wenig Chancen für ein militärisches Eingreifen des Westens in Syrien, um das Bombardement von Aleppo zu stoppen. Sie setzen weiter auf diplomatische Mittel und Sanktionen.

Großbritanniens Außenminister Boris Johnson und sein US-amerikanischer Kollege John Kerry
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Großbritanniens Außenminister Boris Johnson und sein US-amerikanischer Kollege John Kerry


Die umkämpfte syrische Stadt Aleppo kommt nicht zur Ruhe. Großbritannien und die USA sehen derzeit dennoch wenig Chancen für ein militärisches Eingreifen des Westens, um das andauernde Bombardement der von Rebellen gehaltenen Viertel der Stadt zu stoppen. Das machten US-Außenminister John Kerry und sein britischer Kollege Boris Johnson bei einer Pressekonferenz in London deutlich.

"Präsident Obama hat keine Option vom Tisch genommen", sagte Kerry. Dennoch seien die Chancen auf eine militärische Option gering. Stattdessen erwäge man weitere Sanktionen gegen das Assad-Regime und seine Unterstützer, teilte Kerry mit. Russland wurde in diesem Zusammenhang nicht explizit erwähnt.

Putin unterstützt die syrische Regierung im Kampf gegen die Rebellen militärisch. Westliche Staaten werfen der russischen Luftwaffe vor, in der nordsyrischen Großstadt Aleppo Kriegsverbrechen zu begehen.

Neue Sanktionen gegen Assad-Unterstützer

Auch der britische Außenminister Johnson deutete weitere Sanktionen an. "Ich glaube, die wirkungsvollste Waffe, die wir zurzeit haben, ist unsere Fähigkeit, Präsident Putin und die Russen die Konsequenz ihres Handelns spüren zu lassen," sagte er.

Eine mögliche Militäroperation in Syrien schätzt Johnson als wenig aussichtsreich ein. Die "sogenannten militärischen Optionen" seien "extrem schwierig". Verfügbar seien dagegen diplomatische Mittel. Außerdem stellte er bei den Europäern einen "Mangel an Appetit" auf weiteres militärisches Eingreifen in dem Bürgerkriegsland fest.

Kerry hatte sich in London mit Johnson und Vertretern Frankreichs, Deutschlands und Italiens getroffen, um über die jüngsten Entwicklungen in den Syrien-Gesprächen zu beraten.

Am Samstag war Kerry bereits zu einem Gespräch mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow und weiteren Außenministern aus den Staaten der Krisenregion in der Schweiz zusammengekommen. Bei dem Treffen, das ohne europäische Beteiligung stattfand, sollte über eine erneute Feuerpause in Syrien verhandelt werden. Der erhoffte Durchbruch blieb allerdings aus.

asc/dpa/Reuters



insgesamt 24 Beiträge
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schgucke 17.10.2016
1. zieht diesen Politclown da weg
wie kann dieser Johnson, den man vormals liebevoll schrullig nennen konnte, jetzt ein Amt mit solcher Tragweite bekommen, wo er, nachdem er die EU-Mitgliedschaft, jetzt auch den Rest des Landes verspielen kann? Mr. Bean in blond ist das, und süffisanter verbaler Zynismus, den man gern in sein Tagebuch schreiben und als Alterswerk veröffentlichen kann, ist, wenn man die Mentalität der Weltpartner- oder -Gegner nicht versteht, total unangebracht!
bibberbutzke 17.10.2016
2. Die Aussage von Boris...
lässt klar darauf schliessen wie sich der Brite den Umgang mit der EU (also Deutschland) vorstellt, nähmlich als Allierter alter Schule. Bin gespannt ob das klappen wird.
christa.hans 17.10.2016
3. Wer möchte schon gern.....
Wer möchte schon gern einen dritten Weltkrieg vom Zaun brechen? Die Völker jedenfalls nicht! Einige Regierungen?
frankfurtbeat 17.10.2016
4. zum einen ...
zum einen befinden sich die USA im Wahlkampf was einen Einsatz nicht zulässt. Zum anderen würden sie sich mit einem Einstieg eine blutige Nase holen. Aus persönlicher Sicht ist es mehr wie dreist das die wetlichen Regierungen die Aktionen von Russland verurteilen und mit Sanktionen belegen. Warum wurden weder die USA, Frankreich, England ja selbst Deutschland im Krieg um Jugoslawien, Irak, Lybien nicht mit Subventionen versehen? Das sind insgesamt nur drei kriegerische Auseinandersetzungen wo die Koalition der Willigen unter dem Deckmantel von Institutionen wie NATO, UN ect. mit ihren Waffen hunderttausenden Menschen das Leben genommen haben - mittel direktem oder indirektem Einsatz. Letztendlich passt es den Kritikern nicht das sie selbstd as Steuer in der Hand haben und mit Russland eine Macht eingestiegen ist welche sich selbst durch die USA nicht einschüchtern lässt. Dumm gelaufen ... die eigenen Strategien zu Pipeline, Rohstoffbersorgung gehen in diesem Fall nicht auf :-)
Matze38 17.10.2016
5. Heuchelei des Westens
wie wollen die Amerikaner in mossul verhindern, das man dort bei luftschlägen Zivilisten tötet ? auch dort nimmt der IS Zivilisten als Schutzschilde, auch dort verschanzen sich die Islamisten in Wohnvierteln. Es werden unzählige Zivilisten getötet werden. Schreien die grünen dann auch nach Sanktionen gegen die USA ? oder wird man die toten zivilisten erst gar nicht in den Vordergrund schrieben, so wie in aleppo. Amerikaner haben bestimmt bomben, die extra Zivilisten verschonen können oder ?
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