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Syrien: Assads Verbündete aus dem Libanon

Foto: ANWAR AMRO/ AFP

Verbündete aus dem Libanon Hisbollah-Kämpfer sterben für Assad

Normalerweise attackiert die libanesische Hisbollah Israel, jetzt ziehen ihre Anhänger nach Syrien in den Krieg. Viele Kämpfer sterben dort als Verbündete des Assad-Regimes, in der Heimat heißt es dann: "Er starb in Ausübung seiner dschihadistischen Pflicht."

Wenn Abbas* in Beirut in den kleinen Supermarkt um die Ecke geht, kommt er jedes Mal an dem Porträt seines Cousins vorbei. Es hängt eineinhalb Meter lang und einen halben Meter breit an einer Hauswand. Über dem Gesicht des 19-Jährigen ist schwarz gedruckt: "Er starb in Ausübung seiner dschihadistischen Pflicht." Unterzeichnet ist es in der linken Ecke von der "Partei Gottes", der Hisbollah.

Seit Beginn der Aufstände in Syrien gibt es Gerüchte, dass die libanesische Hisbollah-Miliz ihrem Verbündeten Baschar al-Assad mit Beratern und sogar Kämpfern zur Seite steht. Nach dem Bombenanschlag im Juli 2012 in Damaskus, bei dem mehrere Sicherheitsberater des Diktators ums Leben kamen, soll die Hisbollah ihre Unterstützung für das syrische Regime sogar massiv ausgeweitet haben. Die USA erließen deshalb im September Sanktionen gegen die Hisbollah-Führung. Diese bestreitet die Vorwürfe vehement.

Offiziell unterstützt die Hisbollah das syrische Regime nicht

Inzwischen gibt es jedoch immer mehr ungeklärte Todesfälle von Hisbollah-Kämpfern. Wo starb der Cousin von Abbas in "Ausübung seiner dschihadistischen Pflicht"? An der Hisbollah-Israel-Front jedenfalls nicht, dort war es in letzter Zeit ruhig. Angesichts der zunehmenden mysteriösen Todesanzeigen, Trauerplakaten und Beerdigungen sah sich Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah im Oktober gezwungen einzugestehen, dass "einzelne Hisbollah-Mitglieder" möglicherweise im Nachbarland Syrien kämpften. Dies sei allerdings bisher keine offizielle Parteilinie. Man unterstütze dort nicht Assads Regime. Die Hisbollah-Krieger würden lediglich Libanesen beschützen, die in Dörfern auf syrischer Seite nahe der Grenze lebten.

Bis zum Beginn der Aufstände gab es eigentlich keine richtige Grenze zwischen Syrien und dem Libanon. Daher gibt es auf syrischer Seite vereinzelte Gemeinden mit libanesischen Staatsbürgern und umgekehrt. In dieser Region toben auf syrischer Seite seit Monaten erbitterte Gefechte zwischen den libanesisch-schiitischen Dörfern und den syrischen Rebellen.

Der 37-jährige, leicht untersetzte Abbas weiß, dass er nicht mit Journalisten über seinen getöteten Cousin reden sollte. Die Hisbollah sieht solche Kontakte nicht gern, und Abbas ist überzeugter Anhänger der Bewegung. Er wählt seine Worte vorsichtig. "Nasrallah hat ja inzwischen selbst gesagt, dass Kämpfer im syrisch-libanesischen Grenzgebiet ums Leben kommen. Mein Cousin starb auch dort." So erzählten es ihm die Hisbollah-Mitglieder, die der Familie den Leichnam des 19-Jährigen überreichten. "Sie konnten schlecht verbergen, dass er im Kampf gefallen war. Sein Körper war voller Schusswunden. Wir haben ihn beerdigt und erzählt, er sei bei der Verteidigung des Libanons gestorben."

"Unsere Unterstützung für das Regime ist auch ein Dankeschön"

Die "Verteidigung des Libanons" ist für Abbas ein weit gefasster Begriff. Er ist überzeugt, dass der Aufstand in Syrien gegen Assad eine westliche Verschwörung ist - ein Versuch, Sunniten gegen Schiiten aufzuhetzen, um den Nahen Osten zu schwächen. "Wir Schiiten befinden uns in einem Kampf um unsere Existenz." Für ihn ist es daher selbstverständlich, ja lobenswert, dass sein Cousin im Kampf in Syrien ums Leben gekommen ist. "Wir müssen unsere Ehre und unser Leben verteidigen."

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das säkulare syrische Regime plötzlich als Vertreter der Schiiten dasteht. Die Assads, die der alawitischen Minderheitskonfession angehören, taten alles, um in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem als muslimischer Mainstream zu gelten. Doch der Großteil der syrischen Bevölkerung ist sunnitisch, und die syrischen Rebellen interpretieren den Aufstand zunehmend als Krieg der Sunniten gegen die Schiiten. Eine gefährliche Entwicklung, denn sie verstärkt auch in den Nachbarländern Irak und Libanon die sunnitisch-schiitischen Spannungen - und zieht deren Kämpfer in den syrischen Krieg mit hinein.

Dass die Unterstützung der Hisbollah für Assad nicht nur religiöse Gründe hat, ist Abbas bewusst: Es geht auch um Realpolitik. Das syrische Regime gehört zu den engen Verbündeten der Hisbollah. Syrien galt als Transitroute für Waffen zwischen dem schiitischen Regime in Iran und der Hisbollah. Beide haben daher ein konkretes Interesse daran zu verhindern, dass Syrien von sunnitischen Islamisten regiert werden könnte, die ihnen feindlich gesinnt sind. "Unsere Unterstützung für das syrische Regime ist auch ein Dankeschön", sagt Abbas. "Sie haben uns all die Jahre geholfen. Jetzt helfen wir ihnen."

*Name von der Redaktion geändert