Bürgerkrieg Qaida-Kämpfer räumen Stellungen in syrischen Städten

Die Extremisten des Qaida-Ablegers "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" geraten in die Defensive. In mehreren Städten im Norden Syriens sind ihre Kämpfer auf dem Rückzug, andernorts kämpft die Gruppe noch immer an der Seite anderer Rebellen.

Aufständische in Nordsyrien: Assad-Gegner bekämpfen sich gegenseitig
AFP

Aufständische in Nordsyrien: Assad-Gegner bekämpfen sich gegenseitig


Damaskus - Die Assad-Gegner in Syrien sind weiter damit beschäftigt, sich gegenseitig zu bekämpfen. Im Norden des Landes liefern sich Kämpfer des Qaida-Ablegers "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) seit Tagen Gefechte mit anderen Aufständischen.

Dabei haben die ISIS-Einheiten Rückschläge erlitten. Rivalisierende Rebellengruppen meldeten im Internet, dass Aleppo inzwischen von den Qaida-Kämpfern befreit worden sei. Auch in Deir al-Sor, einer Großstadt am Euphrat im Osten des Landes, haben die Extremisten Stellungen geräumt. Nach Angaben ihrer Gegner sollen sie sich kampflos zurückgezogen haben.

Entlang der türkischen Grenze halten die Kämpfe zwischen ISIS und einem Bündnis verschiedener Rebellengruppen hingegen weiter an. In der Großstadt Rakka toben schwere Kämpfe um das örtliche ISIS-Hauptquartier, das von Kämpfern der Nusra-Front belagert wird.

In der Umgebung der grenznahen Orte Bab und Asas hat die ISIS unter anderem Artillerie eingesetzt. In anderen Orten soll die Gruppe Kontrollpunkte ihrer Gegner mit Selbstmordattentätern angegriffen haben.

Undurchsichtige Kampfallianzen

In den geräumten ISIS-Stützpunkten bietet sich ein Bild des Schreckens. Aufnahmen aus Krankenhäusern in Aleppo, die von den Qaida-Unterstützern kontrolliert worden waren, zeigen Dutzende Leichen - offenbar Geiseln, die kurz vor der Räumung kaltblütig ermordet wurden.

Die Aufständischen hatten am vergangenen Wochenende eine Offensive gegen die ISIS begonnen, die ihre Wurzeln im Irak hat und in deren Reihen Tausende ausländische Kämpfer sind. Doch auch unter den Brigaden, die jetzt gegen sie kämpfen, sind Einheiten mit radikal-islamistischem Hintergrund - etwa die Nusra-Front, die ein demokratisches Syrien genauso ablehnt wie die ISIS.

Insgesamt ist die Gefechtslage in Syrien sehr undurchsichtig. Während sich in vielen Städten Aufständische gegen die ISIS erheben, stehen sie andernorts nach wie vor Seite an Seite mit den Qaida-Männern gegen die Truppen von Diktator Baschar al-Assad und kurdische Milizen.

Abu Mohammed al-Golani, Chef der Nusra-Front, hatte am Dienstag in einer Audiobotschaft alle Gruppen zu einem Waffenstillstand aufgerufen.

Islamische Würdenträger sollten zwischen den rivalisierenden Gruppen vermitteln und einen Gefangenenaustausch vorbereiten. Zugleich äußerte Golani aber selbst Zweifel daran, dass die Kämpfe zwischen Dschihadisten und gemäßigten Rebellengruppen bald enden.

syd/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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e_d_f 09.01.2014
1. Da kann man nur noch hoffen ...
... dass sich die Islamisten nicht durchsetzen. Dagegen war Assad noch das kleinere Übel.
frank1980 09.01.2014
2. Immer mehr
erhält man den Eindruck, man sollte lieber die Autoritären Herrscher Unterstützen als irgendwelche Rebellen. Die Despoten sorgen zumeist für Ordnung und halten die Islamisten in Schach.
joG 09.01.2014
3. Syrien ist insgesamt im Nebel der Schlacht verhüllt und. ....
....zu überblicken, was da geschieht ist unmöglich. Berichte wie dieser oben sollten nur daran erinnern, daß wir diesen Bürgerkrieg hätten vermutlich verhindern können. Aber wir haben es nicht einmal versucht.
Stefan_C 09.01.2014
4. Machtvakuum
... vielleicht hätte der Westen doch gleich Waffenlieferungen an die FSA vornehmen sollen. Ggfs. hätten sie schneller einen Sieg über Assads Truppen erreicht und ein Machtvakuum im Hinterland wäre unterblieben. Denn dieses aktuell bestehende Machtvakuum, das die Islamisten jetzt nutzen, ist nur entstanden, weil die gemäßigten Rebellen an der Front gebraucht werden. Weil man im Westen mutmaßliche Al-Quaida-Islamisten nicht unterstützen wollte, hat man jetzt Al-Quaida-Islamisten unterstützt.
rüsselhündchen 09.01.2014
5.
Korrekterweise müßte es heißen: "Ein Großteil der momentan gegen ISIS kämpfenden Brigaden lehnt ein demokratisches Syrien ab."
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