Militäreinsatz in Syrien Cameron fordert schnelles Eingreifen von Obama

Barack Obama erwägt nach dem verheerenden Giftgasangriff in Syrien einen Militärschlag gegen Diktator Assad. Der britische Premier Cameron drängt den US-Präsidenten zum Handeln: Die Intervention müsse schnell erfolgen. Im Gespräch ist ein einmaliger Angriff von Nato-Schiffen auf Stellungen des Regimes.

US-Kriegsschiff "USS Gravely": Nato könnte Stellungen des Assad-Regime beschießen
AFP/ US Navy

US-Kriegsschiff "USS Gravely": Nato könnte Stellungen des Assad-Regime beschießen


London/Washington/Istanbul - Großbritannien treibt die Vorbereitungen für eine Intervention des Westens in Syrien voran. Noch an diesem Montag werde sich Militärstabschef Nick Noughton in Jordanien mit seinem US-Kollegen General Martin Dempsey treffen, berichtet die "Times".

Nach Angaben der Zeitung wird von den Militärs zurzeit ein einmaliger Beschuss syrischer Regimestellungen von Nato-Schiffen aus favorisiert.

Premier David Cameron setzte US-Präsident Barack Obama nach dem Giftgasangriff in der Nähe von Damaskus unter Druck, bei einem Militäreinsatz keine Zeit zu verlieren. Eine Intervention müsse innerhalb weniger Tage erfolgen. Die Downing Street überlegt, das Parlament aus der Sommerpause zu holen, um über einen Militärschlag gegen Assad abzustimmen. Eine entsprechende Forderung hatte es aus beiden großen Parteien im Unterhaus gegeben. Die Regierung müsse sich die Möglichkeit erhalten, "sehr schnell zu handeln, wenn nötig", sagte ein Sprecher Camerons.

Der Premier hatte am Wochenende mit Obama wegen einer Reaktion auf den Chemiewaffen-Angriff telefoniert. Auch das Weiße Haus hält es für so gut wie erwiesen, dass die Giftgasattacke vom syrischen Regime ausgeführt wurde.

Nach langem Zögern erwägt Obama jetzt doch einen Militärschlag. Unterstützung für eine Intervention des Westens erhielt Cameron von Paddy Ashdown, dem früheren Parteivorsitzenden der Liberaldemokraten. Er sprach sich für "scharfe, schnelle und spezifische" Maßnahmen gegen das Assad-Regime aus, obwohl er eigentlich Einsätze ohne Uno-Mandat "hasse". Ashdown hatte sich in den neunziger Jahren für eine Militärintervention auf dem Balkan stark gemacht und war Uno-Beauftragter in Bosnien-Herzegowina.

Camerons Außenminister William Hague betonte, dass für eine Militärintervention nicht unbedingt ein Uno-Mandat notwendig wäre. Es sei "möglich", ohne einen einstimmigen Beschluss des Sicherheitsrats zu handeln, sagte er der BBC.

Derzeit hat Großbritannien folgende militärischen Möglichkeiten in der Region:

  • Luftwaffe: Auf Zypern gibt es mit der Luftwaffenbasis Akrotiri einen Stützpunkt als eigenes Hoheitsgebiet. Dort sind mehrere Kampfflugzeuge stationiert. Weitere können schnell dorthin verlegt werden. Von Akrotiri bis zu syrischen Städten wie Damaskus oder Homs sind es nur rund 200 bis 300 Kilometer Luftlinie.
  • Marine: Nach Medienberichten soll schon ein atomgetriebenes U-Boot der britischen Marine in der Region sein. Außerdem läuft derzeit das Mittelmeer-Manöver "Cougar 13" der britischen Response Force Task Group. An der Übung nehmen als Flaggschiff das amphibische Landungsschiff "HMS Bulwark", der Hubschrauberträger "HMS Illustrious" sowie die Fregatten "HMS Westminster" und "HMS Montrose" teil.

Auch Türkei signalisiert Unterstützung für Intervention

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, er rechne schon bald mit einer Einigung über mögliche Aktionen gegen Syrien. Über eine Reaktion des Westens "wird in den kommenden Tagen entschieden", sagte Fabius am Montag dem Sender Europa 1. Auf die Frage nach möglichen Formen der Reaktion sagte der Minister, bisher sei noch nichts entschieden. "Die Optionen sind offen."

Fabius machte die Regierung in Damaskus für den jüngsten Giftgasangriff verantwortlich. "Es ist klar, dass dieses Massaker auf das Regime von Assad zurückgeht", sagte Fabius. Die Reaktion werde nun mit "Entschlossenheit und Gelassenheit" erfolgen. "Die einzige Möglichkeit, die nicht infrage kommt, ist nichts zu tun."

Auch die Türkei werde sich einer internationalen Koalition gegen Syrien anschließen, kündigte Außenminister Ahmet Davutoglu in der Zeitung "Milliyet" an. "Derzeit diskutieren 36 oder 37 Staaten diese Alternativen. Falls in diesem Prozess eine Koalition gegen Syrien entsteht, würde die Türkei in dieser Koalition ihren Platz einnehmen", sagte Davutoglu demnach.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verlangte "Konsequenzen", falls sich die Giftgasvorwürfe gegen das Regime bestätigen. "Der Einsatz von chemischen Massenvernichtungswaffen wäre ein zivilisatorisches Verbrechen", sagte der FDP-Politiker am Montag auf einer Konferenz der deutschen Botschafter im Auswärtigen Amt. "Wenn sich ein solcher Einsatz bestätigen sollte, muss die Weltgemeinschaft handeln. Dann wird Deutschland zu denen gehören, die Konsequenzen für richtig halten."

Zugleich mahnte Westerwelle zu Besonnenheit, um einen Flächenbrand im Nahen Osten zu verhindern. "Es ist beides notwendig: Entschlossenheit, aber auch überlegte Besonnenheit." Die anhaltende Blockade im Sicherheitsrat sei "tief frustrierend". Dennoch gelte für Syrien weiterhin das "Ziel eines politischen Ansatzes", also einer diplomatischen Lösung.

Uno-Experten auf dem Weg in die Giftgasgebiete

Chemiewaffen-Experten der Uno brachen am Montag von Damaskus aus auf, um die angeblich mit Giftgas bombardierten Gebiete in Augenschein zu nehmen. Das berichtete ein Augenzeuge, der vor dem Hotel wartete, in dem das Team untergebracht ist.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wies vor der Untersuchung der Chemiewaffen-Experten auf die Dringlichkeit der Inspektion hin. "Jede Stunde zählt, wir können uns keine weiteren Verzögerungen mehr leisten", sagte er am Montag bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Zudem forderte er erneut "uneingeschränkten Zugang" für die Uno-Experten. "Die Welt schaut auf Syrien", sagte Ban.

als/dpa/AFP

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wichtiger Kommentar 26.08.2013
1. Cameron fordert ....
der sollte erstmal im eigenen Land aufräumen bevor er es woanders versucht
musikimohr 26.08.2013
2. Cameron und Obama brauchen diesen Krieg
Cameron und Obama brauchen diesen Krieg - niemand sonst. Viele werden sterben, sogar eigene Leute werden geopfert. Warum? Um vom NSA-Skandal abzulenken, der so weit gediehen ist, dass beide keine Zukunft mehr haben. Noch weiß man nicht, wer Giftgas eingesetzt hat, aber man weiß schon, dass man in den Krieg will. Auf jeden Fall.
freethefreedomofpress, 26.08.2013
3. Stolz schreibt die Presse Geschichte
Ein flächendeckender, blutiger Krieg rollt an und die deutsche Presse inkl. Spiegel kann sich selbst auf die Schulter klopfen, denn sie haben massiv dazu beigetragen. Yes, this means you, too!! Sobald ausländische Intervention erfolgt könnt ihr euch freuen, denn das Blut der Kinder und Frauen in Syrien, Libanon und dem Iran klebt an EUREN Händen, ihr lieben selbstverherrlichenden "Journalisten" Wenn ich nicht glauben würde, dass der Allmächtige Schöpfer alles sieht und jedem den entsprechenden Lohn für das seine geben wird, hätte ich keine Hoffnung, dass jemals Gerechtigkeit ausgeübt würde. Aber ihr bekommt euer Los noch.
juliusb 26.08.2013
4. Wer soll hier eigentlicht verarscht werden?
Wie wäre es mal mit einem USA/GB-kritischen Artikel? Seit Monaten versorgen beide Länder die Rebellen mit Waffen und Know-How, halten den Krieg so überhaupt am Leben und Treiben die Assad-Regierung von der man weiß, dass sie über das wahrscheinlich größte Chemie-Waffenarsenal im nahen Osten verfügt immer weiter in die Enge. Werden diese dann eingesetzt empört man sich und tut so als würde man jetzt anfangen zu intervenieren - Also bitte wer soll das noch glauben??
Maya2003 26.08.2013
5.
Zitat von sysopAFPBarack Obama erwägt nach dem verheerenden Giftgasangriff in Syrien einen Militärschlag gegen Diktator Assad. Der britische Premier Cameron drängt den US-Präsidenten zum Handeln: Die Intervention müsse schnell erfolgen. Im Gespräch ist ein einmaliger Angriff von Nato-Schiffen auf Stellungen des Regimes. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-cameron-fordert-schnelles-eingreifen-von-obama-a-918542.html
"Camerons Außenminister William Hague betonte, dass für eine Militärintervention nicht unbedingt ein Uno-Mandat notwendig wäre. Es sei "möglich", ohne einen einstimmigen Beschluss des Sicherheitsrats zu handeln, sagte er der BBC." Ich möchte die Reaktion von Cameron oder Obama sehen wenn es den Chinesen eines Tages gefällt exakt genauso zu handeln wie die Neokolonialisten aus Washington und London heute. Die "Empörung" wäre grenzenlos und der Weltfrieden in Gefahr. Was für doppelzüngige Heuchler und Lügner. Hoffentlich widersteht Merkel den "Befehlen" der Freunde.
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