Umfrage Deutsche sehen US-Angriff in Syrien skeptisch

Die Bundesregierung hat sich hinter den Angriff der USA in Syrien gestellt. In der Bevölkerung sieht es anders aus: Hier findet die Aktion keine Mehrheit. Besonders Anhänger von zwei Parteien sind dagegen.

Angriff auf syrischen Flugplatz
REUTERS/ U.S. Navy/ Ford Williams

Angriff auf syrischen Flugplatz


War der US-Angriff auf einen syrischen Flugplatz die richtige Antwort auf den Einsatz chemischer Waffen? Die deutsche Bevölkerung ist in dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey zeigt. 42,5 Prozent stimmen dem Vorgehen von Donald Trump zu oder eher zu, 43,5 Prozent lehnen es komplett ab oder eher ab.

Trump hatte in der Nacht zu Freitag den Befehl gegeben, ein Flugfeld des syrischen Machthabers Baschar al-Assad mit Marschflugkörpern zu beschießen. Syrien, Iran und Russland hatten das Vorgehen scharf verurteilt. Zustimmung erntete Trump hingegen von zahlreichen westlichen Staaten, darunter Deutschland und Frankreich. Die Bundesregierung hatte die Aktion als "nachvollziehbar" bezeichnet.

In der deutschen Bevölkerung trauen sich am Tag nach dem Angriff 14 Prozent kein Urteil zu, wie die Auswertung von SPIEGEL ONLINE zeigt:

Aufgeschlüsselt nach Parteienpräferenz zeigt sich ein klares Bild: Die Anhänger der konservativen CDU/CSU und FDP finden den Einsatz der USA in Syrien mehrheitlich eher gut. Wähler, die ihr Kreuz bei der Linken oder der AfD machen wollen, lehnen den Angriff hingegen ab. Anhänger von Grünen und SPD liegen dazwischen, wie die Grafik zeigt:

Mehrere Linken-Politiker hatten den Angriff am Freitag als Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilt - und haben damit wohl die Meinung ihrer Wähler gut getroffen.

Anmerkungen zur Methodik: Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey am 7.4.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5027 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Auswertung nach Parteipräferenz ist der statistische Fehler größer, sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.


Sie wollen selbst die Sonntagsfrage beantworten? Stimmen Sie hier ab:

Hier können Sie mitmachen und sich als Teilnehmer registrieren. Den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben. Mehr zur Methodik, und wie aus den Rohdaten repräsentative Ergebnisse gewonnen werden, erfahren Sie weiter unten in diesem Artikel. SPIEGEL ONLINE wertet die Ergebnisse jede Woche aus und informiert Sie über Entwicklungen und Veränderungen.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

sep

insgesamt 85 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TS_Alien 07.04.2017
1. Skeptisch sein heißt nicht ablehnend sein
Man kann auch skeptisch sein oder bleiben, wenn man die heutige Aktion unterstützt. So oder so ist ein gezielter Schlag gegen die vielen Befehlsempfänger auf dem Stützpunkt, die genau wissen, dass sie ein Kriegsverbrechen begangen haben, sinnvoll, notwendig, geradezu Pflicht. Ob sich daraus etwas Gutes entwickelt, kann im Moment niemand sagen. Aus heutiger Sicht bin ich zumindest froh, dass einige böse Menschen weniger auf der Erde leben.
taglöhner 07.04.2017
2. Tolle Schlagzeile wieder
Das Gegenteil wäre aber auch richtig gewesen, gell? Wir wollen doch hoffentlich bei SPON kein schlechtes Vorbild geben: "der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5%" Hä? Was für'n Ding :)? Interessant jedenfalls, wo sich die Skeptiker parteimäßig in der Hauptsache versammeln. Putinistenquerfront sage ich nur.
Ottokar 07.04.2017
3. Die Bundesregierung hat sich hinter den Angriff der USA in Syrien gestellt
hat denn jemand etwas andres erwartet ? Heute Abend die Meinung von Altmeier gehört. Gott ist mir schlecht.
thunderstorm305 07.04.2017
4. Das ist schon komisch!
Die USA greifen einen Luftwaffenstützpunkt an und schon schreit jeder auf und regt sich über die Amerikaner auf. Russland bombt seit Woche in Syrien und nimmt überhaupt keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Da sind keine Proteste zu hören und selbst die Linken sind ruhig und verweisen darauf, dass Syrien die Russen ja eingeladen hätten. Hat man Syrien auch eingeladen chemische Waffen zu benutzen? Diese ganze Diskussion und auch die Berichterstattung halte ich für ziemlich zynisch.
shinjukuecho 08.04.2017
5. Text korrigieren bitte!
"Aufgeschlüsselt nach Parteienpräferenz zeigt sich ein klares Bild: Die Anhänger der konservativen CDU/CSU und FDP finden den Einsatz der USA in Syrien mehrheitlich eher gut. Wähler, die ihr Kreuz bei der Linken oder der AfD machen wollen, lehnen den Angriff hingegen ab. Anhänger von Grünen und Linken liegen dazwischen, wie die Grafik zeigt:" Es kann ja wohl nicht sein, dass die Wähler der Linken den sowohl eindeutig ablehnen als auch "dazwischen liegen" stattdessen muss es heißen "Anhänger von Grünen und SPD liegen dazwischen" nicht wahr? Bitte SPON etwas mehr Sorgfalt würde Euch gut bekommen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.