Syriens Flüchtlingskatastrophe Zerstörte Zukunft

In Berlin beginnt eine Konferenz über Syriens Flüchtlinge - die Hälfte aller Menschen aus dem Bürgerkriegsland hat ihren Heimatort bereits verlassen. Täglich werden es mehr.

REUTERS

Berlin - Lange ist da noch die Hoffnung, dass der Krieg das eigene Leben verschonen wird. Aber dann erreicht die Gewalt doch den eigenen Stadtteil oder das eigene Dorf. Es bleibt nur noch die Flucht.

Die meisten Syrer versuchen alles, um ihre Heimat nicht verlassen zu müssen. Sie sind innerhalb Syriens auf der Flucht und ziehen dort von einer halbwegs sicheren Gegend zur nächsten. Bis auch dort der Krieg sie einholt.

In den vergangenen Wochen mussten Tausende aus dem Nordosten Syriens über die Grenze in die Türkei fliehen. Als anderswo in Syrien längst Krieg herrschte, war es im Nordosten noch ruhig. Nun ist es auch dort nicht mehr sicher. Viele Familien mussten erneut weiterziehen.

Wer in Syriens Nachbarstaaten ankommt, hat oftmals eine Odyssee hinter sich, von Stadt zu Stadt - so lange, bis es nicht mehr geht. So trifft die Gewalt immer mehr Menschen und zerstört ihre Leben und Zukunftspläne. Inzwischen ist die Hälfte der Bevölkerung - rund zehn Millionen Menschen - im Land und außerhalb auf der Flucht.

Millionen hausen in Zelten und Containern

Anstatt im Hörsaal der Universität zu sitzen, im eigenen Laden oder in den eigenen vier Wänden, hausen Millionen Syrer nun in Notunterkünften ohne Hoffnung auf Rückkehr in ihr altes Leben. Es gibt noch immer keine Aussicht auf ein Ende des Kriegs.

Viele sind inzwischen so verzweifelt, dass sie bereit sind, alles zu riskieren, um nach Europa zu kommen. Sie treibt die Hoffnung an, dass es mit ihrem Leben wieder weitergeht. Schmuggler verlangen für diese lebensgefährliche Reise mehrere Tausend Euro. Syriens Mittelklasse kann sich dies zum Teil noch leisten, die Ärmsten können es nicht.

Im vierten Jahr der Katastrophe wird auch die Lage in Syriens Nachbarstaaten zunehmend prekär. Diese Länder sind nicht reich. Manche, wie der Irak oder der Libanon, haben selbst große Probleme. Hunderttausende Syrer haben sie bereits aufgenommen. Oft hatten diese nichts als ihre Kleidung am Leib und ein paar Fotos ihres alten Lebens dabei. Und immer noch werden es mehr Flüchtlinge.

In Berlin beginnt die Syrien-Flüchtlingskonferenz

Einige syrische Nachbarländer haben bereits Beschränkungen eingeführt, ob und welche Syrer sie noch ins Land lassen. Die humanitäre Katastrophe ist so groß, dass sie alle überfordert sind. Die Uno kürzte den Syrern schon die Essensrationen, weil ihr die Hilfsgelder ausgehen.

In der Region wachsen die Spannungen zwischen den Einheimischen und den syrischen Flüchtlingen. Auch nationale Konflikte werden durch die Krise befeuert. Im Zuge des syrischen Bürgerkriegs versinkt auch der Irak erneut im Chaos. Dschihadisten haben große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. In der Türkei steht der Friedensprozess mit den Kurden vor dem Kollaps. Im Libanon wird regelmäßig gekämpft.

Am Dienstag werden die Vertreter der betroffenen Länder und zehn internationale Hilfsorganisationen unter dem Vorsitz der deutschen Bundesregierung darüber beraten, wie man verhindert, dass die syrische Katastrophe die ganze Region mit in den Abgrund reißt. Und vielleicht hilft es auch, damit die Menschen wieder Hoffnung schöpfen.

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