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Krieg in Nordsyrien: Jeder gegen jeden

Foto: Sedat Suna/ dpa

Türkischer Einmarsch in Syrien Erdogan verschafft dem IS eine Atempause

Die türkische Armee kämpft mit ihrer Offensive in Syrien gegen die kurdische YPG-Miliz - den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den IS.

Die Erklärung des Pentagon klingt fast schon hilflos: "Wir möchten deutlich machen, dass wir diese Zusammenstöße - in Gebieten, in denen der IS nicht aktiv ist - inakzeptabel finden und sie uns sehr besorgen. Die Vereinigten Staaten waren an diesen Aktivitäten nicht beteiligt. Sie waren mit den US-Streitkräften nicht abgesprochen und wir unterstützen sie nicht."

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Das teilte US-Diplomat Brett McGurk am Montag mit. Eigentlich ist McGurk Barack Obamas Sonderbeauftragter für die US-geführte internationale Allianz gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Derzeit ist er jedoch mehr damit beschäftigt zu verhindern, dass seine Militärkoalition in sich zusammenbricht.

"Diese Aktivitäten" - das waren Artilleriebeschuss und Luftangriffe der türkischen Armee auf Stellungen der kurdischen YPG-Miliz südlich von Dscharabulus. Und das waren Kämpfe zwischen arabischen Milizen, die von der Türkei unterstützt und ausgerüstet werden, und der YPG.

In Manbidsch droht ein Zwei-Fronten-Angriff

Mehrere kurdische Kämpfer wurden gefangengenommen. Auf Twitter kursieren Aufnahmen, die zeigen, wie Kämpfer der von den USA unterstützten arabischen Rebellengruppen Kämpfer der ebenfalls von den USA unterstützten Kurdenmiliz YPG misshandeln. Einige müssen in demütigenden Posen freiem Oberkörper vor laufender Kamera auftreten, andere werden mit Fußtritten malträtiert.

Fünf Tage nach Beginn der türkischen Militäroperation "Schutzschild Euphrat" zeichnen sich die dramatischen Folgen ab. Ankaras Offensive richtet sich genau gegen die Kräfte in Syrien, die bislang im Kampf gegen den IS am erfolgreichsten waren: die YPG. Türkische Spezialkräfte und arabische Milizionäre paradieren durch Orte, die sie nach eigener Aussage gerade "befreit" haben - aber eben nicht vom IS. Es sind vielmehr Dörfer, die in den vergangenen Monaten die YPG mit Unterstützung des US-Militärs vom IS erobert hatte.

Drei Jahre lang hatte sich Ankara nicht daran gestört, dass der IS Hunderte Quadratkilometer entlang der Grenze zur Türkei kontrollierte. Erst als die YPG im Kampf gegen die Dschihadisten auf das Westufer des Euphrat vordrangen, regte sich die türkische Regierung. Offiziell richtet sich die Operation "Schutzschild Euphrat" gegen IS und YPG gleichermaßen, bislang aber nimmt die Türkei vor allem die Kurden ins Visier.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Nächstes Ziel soll die Stadt Manbidsch sein. Die YPG hatte den Ort vor wenigen Wochen nach dreieinhalb Jahren IS-Besatzung erobert, weigerte sich anschließend aber, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Die Dschihadisten vom IS haben dagegen in den vergangenen Tagen die Grenzstadt Dscharabulus und andere Orte kampflos geräumt. Es sieht nach einem strategischen Rückzug aus: Denn am Montagvormittag verkündete die Terrormiliz, sie habe mehrere Orte südlich von Manbidsch von den YPG zurückerobert und verstärke nun ihre Stellungen.

Der IS kann den türkischen Einmarsch gelassen abwarten

Damit droht den Kurden in der Stadt ein Angriff von zwei Fronten: Von Norden rücken die türkische Armee und ihre Verbündeten vor, von Süden nähern sich die Milizionäre des IS. Die YPG hat angekündigt, sie wolle die Verteidigungsbereitschaft der Stadt verstärken, in dem sie verbündete arabische Milizionäre nach Manbidsch bringt. Der bisherige Verlauf des Krieges hat jedoch gezeigt, dass diese im Gefecht weitaus schwächer sind, als die disziplinierten und erfahrenen kurdischen Kämpfer.

Deshalb setzen auch die USA beim Vormarsch auf Rakka, die größte Hochburg des IS in Syrien, auf die YPG. Die Kurden sollten die Bodenoffensive auf Rakka anführen und werden dafür von mehr als 300 US-Spezialkräften am Boden unterstützt. Derzeit stehen sie rund hundert Kilometer vom IS-Hauptquartier entfernt.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Doch nachdem der US-Verbündete Türkei die YPG bombardiert, zeigen die Kurden wenig Enthusiasmus, ihre Kämpfer für die USA in den Kampf um Rakka zu schicken. Denn schon jetzt ist absehbar, dass sich die Kurden nach der Einnahme schnell wieder aus der Stadt am Euphrat zurückziehen müssten.

Deshalb ist der IS vorerst der große Gewinner der türkischen Offensive: Die YPG als ihr kampfstärkster Gegner wird militärisch geschwächt. Die USA zeigen wieder einmal, dass sie nicht willens oder nicht in der Lage sind, ihren wichtigsten militärischen Verbündeten in Syrien vor der Türkei zu schützen.

Dagegen kann der IS den türkischen Einmarsch in Syrien gelassen abwarten. Ankaras Truppen werden nicht bis nach Rakka vorrücken, es geht nur darum ein Gebiet entlang der Grenze zu sichern. Erdogans Türkei hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie sich mit einem geschwächten IS in seiner Nähe durchaus arrangieren kann.


Zusammengefasst: Die türkische Militäroperation "Schutzschild Euphrat" in Syrien schwächt die Anti-IS-Koalition. Die USA sind erbost, lassen Ankara bislang aber gewähren. Der geplante Vormarsch der kurdischen YPG-Miliz und ihrer Verbündeten auf die IS-Hochburg Rakka gerät dadurch in Gefahr.

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