Syrien Die Waffenruhe hält - weitestgehend

Seit 18 Uhr am Montagabend herrscht Waffenruhe in Syrien. Ersten Berichten zufolge sind die Kämpfe tatsächlich deutlich zurückgegangen, nur vereinzelt gab es Gefechte.

Kinder in Damaskus
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Kinder in Damaskus


Die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe für Syrien ist in Kraft getreten - und wurde offenbar zunächst weitgehend eingehalten. Nach dem Start der Feuerpause am Montag um 18 Uhr sei es in weiten Teilen des Landes ruhig geblieben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Angaben der Organisation können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen.

Die Hilfsorganisation Weißhelme sagte, dass zunächst keine Kampfjets mehr über der besonders umkämpften Großstadt Aleppo gesichtet worden seien. Viele Einwohner hätten die Hoffnung auf Bewegungsfreiheit geäußert.

Auf den von Regierungstruppen kontrollierten Teil Aleppos wurde der letzte Schuss fünf Minuten vor Inkrafttreten der Waffenruhe abgefeuert, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. In den von Aufständischen kontrollierten Stadtteilen blieben die Straßen vorerst menschenleer.

Kerry: Waffenruhe "vielleicht einzige Chance", Syrien zu retten

Der 26-jährige Schadi Saber, der vor einer Woche seine Hochzeit feierte, äußerte die Hoffnung, nun "mindestens eine Woche" Ruhe für die Flitterwochen zu haben. Der 38-jährige Kaufmann Chaled al-Muraweh aus dem Westteil der Stadt sagte, er wolle die Waffenruhe nutzen um seinen Bruder "auf der anderen Seite" zu besuchen.

Die Beobachtungsstelle, deren Informationen aus einem dichten Netz von Informanten in Syrien stammen, berichtete aber auch von vereinzelten Gefechten. Regimekräfte hätten Rebellengebiete in der nordwestlichen Provinz Idlib beschossen. In der Stadt Kuneitra im Süden des Landes habe es anhaltende Schusswechsel zwischen Regierungseinheiten und Aufständischen gegeben.

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US-Außenminister John Kerry sagte in Washington, die Waffenruhe sei "die vielleicht letzte Chance", Syrien zu retten. Er appellierte eindringlich an die Konfliktparteien, sich an die vereinbarte Waffenruhe zu halten. Nur eine politische Lösung sei eine "realistische Lösung" für den Konflikt, in dem bereits 290.000 Menschen getötet wurden. Erste Berichte deuteten darauf hin, dass die Kämpfe zurückgegangen seien. Es sei aber noch zu früh für eine vollständige Bewertung der Lage, sagte er.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die Konfliktparteien ebenfalls auf, die Feuerpause einzuhalten. "Wir haben jetzt zumindest wieder eine halbwegs realistische Chance, den vom Krieg gebeutelten Menschen in Syrien tatsächlich Hilfe zukommen zu lassen", sagte Steinmeier am Montag in Berlin. "Spiele auf dem Rücken der Menschen und Taktierereien um Geländegewinne, das muss jetzt ein Ende haben."´

Regierungsarmee will Vergeltung üben, wenn andere Seite Waffenruhe bricht

Die Vereinbarung sieht vor, dass sich die syrischen Regierungstruppen rund um Aleppo zurückziehen und humanitären Helfern Zugang gewähren. Die Waffenruhe soll zunächst für 48 Stunden gelten und dann, falls sie hält, jeweils um 48 Stunden verlängert werden. Hat die Waffenruhe eine Woche lang Bestand, wollen die USA und Russland ihren Kampf gegen Dschihadisten in Syrien koordinieren. Es wurde allerdings nicht öffentlich mitgeteilt, in welchen Regionen die USA und Russland den Kampf gegen Dschihadisten fortsetzen wollen.

Die Feuerpause soll für alle Kräfte gelten, die nicht von den Vereinten Nationen als Terroristen eingestuft werden. Deshalb sind die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sowie die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Gruppe Dschabhat Fatah al-Scham (früher: Al-Nusra-Front) von der Vereinbarung ausgenommen.

Es ist unklar, inwieweit sich die Konfliktparteien an die Waffenruhe halten werden. Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad kündigte an, die Kämpfe gegen Rebellen zunächst sieben Tage einstellen zu wollen. Man behalte sich jedoch das Recht vor, Vergeltung für jegliche Verletzung von anderer Seite zu üben, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Militärspitze (lesen Sie hier, warum Assad keine Konsequenzen fürchten muss, wenn er die Feuerpause bricht).

kry/dpa/AFP



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