Syrien Trump erklärt IS für komplett besiegt

Im Norden Syriens bekämpfen Milizen noch immer den IS. Aber das Weiße Haus hält die Dschihadisten für "zu 100 Prozent" besiegt - und präsentiert entsprechende Landkarten.

Siegessicherer SDF-Kämpfer
AFP

Siegessicherer SDF-Kämpfer


Das Gebiet der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien ist nach Angaben des Weißen Hauses "zu 100 Prozent" eingenommen. Das sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, auf dem Flug einer US-Regierungsmaschine von Washington nach Florida.

Präsident Donald Trump präsentierte vor Journalisten eine Landkarte der Region, die das ehemalige Ausbreitungsgebiet des IS zeigte, sowie eine zweite mit der aktuellen Lage vom Freitag, die kein Gebiet unter Kontrolle des IS zeigt. Auch auf Twitter verkündete er den Sieg über die Dschihadisten.

Trump hatte in den vergangenen Wochen mehrfach einen baldigen kompletten Sieg über den IS in Syrien in Aussicht gestellt. Mehrere Fristen, die er dafür nannte, waren aber ergebnislos verstrichen.

Und auch jetzt könnte der Jubel voreilig sein. Denn die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) setzten nach eigenen Angaben am Freitag ihre Angriffe gegen IS-Kämpfer fort. Einige Kämpfer hielten sich noch immer in der Gegend der einstigen Hochburg Baghus versteckt, sagte SDF-Kommandant Adnan Afrin der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt noch vereinzelt Gefechte mit verbliebenen IS-Kämpfern, die sich geweigert haben, sich zu ergeben." Flugzeuge der internationalen Anti-IS-Koalition bombardierten die Positionen der Dschihadisten am Ufer des Euphrat nahe dem Dorf.

Baghus ist der letzte Ort, der vom riesigen Herrschaftsgebiet der Extremisten in Syrien und im Irak übrig geblieben war. Der IS hatte 2014 weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und ein "Kalifat" ausgerufen. Im Irak gilt er bereits als besiegt.

Zehntausende Menschen sind laut Hilfsorganisation Medico nach dem Vormarsch der Milizen auf Baghus auf der Flucht. Das Flüchtlingslager in Al-Hol im Norden Syriens sei durch die unerwartet hohe Zahl Ankommender völlig überlastet, teilte Medico mit. Es beherberge über 65.000 Menschen, sei aber nur für 10.000 Menschen ausgelegt. Unter den im Flüchtlingslager Ankommenden sind laut Medico neben Opfern des IS auch Angehörige der Terrormiliz.

als/dpa/AFP



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