"Wir haben den IS besiegt" Truppenabzug der USA aus Syrien steht bevor

Donald Trump bezeichnet die US-Mission in Syrien als erfüllt. "Wir haben den IS in Syrien besiegt, das war der einzige Grund, dort zu sein", twitterte er. Senatoren und Militärs warnen vor einem schnellen Rückzug.

US-Spezialkräfte nahe Rakka 2016
AFP

US-Spezialkräfte nahe Rakka 2016


Die US-Streitkräfte in Syrien will US-Präsident Donald Trump rasch zurückholen. Der Einsatz gegen die dschihadistische Miliz "Islamischer Staat" (IS) neige sich seinem Ende zu, begründeten Vertreter der US-Regierung die Pläne.

"Wir haben damit begonnen, US-Soldaten nach Hause zu holen", teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, mit. Es würde in "die nächste Phase dieses Einsatzes" übergegangen. Aus der Stellungnahme ging jedoch nicht hervor, ob und bis wann die USA alle Truppen abziehen.

Donald Trump selbst teilte auf Twitter knapp mit: "Wir haben den 'Islamischen Staat' in Syrien besiegt, mein einziger Grund während meiner Präsidentschaft dort zu sein." Über den konkreten Abzug äußerte er sich damit nur indirekt. Bereits im April hatte Trump aber angekündigt, die Truppen aus Syrien "so schnell wie möglich" abziehen zu wollen.

Die USA haben derzeit rund 2000 Soldaten in Syrien stationiert, offiziell als Berater und Ausbilder der syrischen Oppositionstruppen. Ein Abzug dürfte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sehr entgegenkommen.

Ankara will den türkischen Einfluss im Nordosten Syriens ausbauen. Erst vergangene Woche kündigte Erdogan an, "in wenigen Tagen"in Nordostsyrien militärisch zu intervenieren. Der türkische Präsident drängt Trump seit Langem, die Kooperation mit den Kurden aufzugeben - und Trump hat vergangene Woche mit Erdogan telefoniert.

Donald Trump habe sich zur Vorbereitung des Abzugs entschlossen und das Verteidigungsministerium entsprechend angewiesen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Quellen im Pentagon. Verbündete in der Region wurden laut "Wall Street Journal" über die Pläne bereits in Kenntnis gesetzt.

Donald Trump
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX

Donald Trump

Beamte im Pentagon sollen noch versuchen, Trump umzustimmen. Ein Abzug würde die kurdischen Verbündeten verraten, die an der Seite der Amerikaner gegen den IS gekämpft haben, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium.

Auch einflussreiche republikanische Senatoren warnen vor einem schnellen Truppenabzug. "Der Abzug der kleinen amerikanischen Truppe in Syrien wäre ein großer Obama-mäßiger Fehler", twitterte etwa Lindsey Graham, der South Carolina im US-Senat vertritt. Ein solcher Schritt wäre ein großer Erfolg für den IS, Iran, Baschar al-Assad und Russland. Auch Marco Rubio, Republikaner aus Florida, bezeichnete Trumps Abzugspläne als "schweren Fehler", der Folgen hätte, die weit über den Kampf gegen den IS hinausgingen.

apr/syd/Reuters/dpa



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